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Kino auf ARTE - 13/01/12

Frau ohne Gewissen

(Double Indemnity)
Spielfilm, USA 1944, ZDF
Regie: Billy Wilder; Buch: Raymond Chandler, Billy Wilder; Kamera: John F. Seitz; Schnitt: Doane Harrison; Musik: Miklós Rózsa; Produzent: Buddy G. DeSylva; Produktion: Paramount Pictures
Mit: Fred MacMurray - (Walter Neff), Barbara Stanwyck - (Phyllis Dietrichson), Edward G. Robinson - (Barton Keyes), Porter Hall - (Mr. Jackson), Jean Heather - (Lola Dietrichson)

Der Versicherungsvertreter Walter Neff verliebt sich in die attraktive Frau einer seiner Klienten. Sie überredet ihn, eine Unfallversicherung mit ihrem Mann abzuschließen und diesen dann gemeinsam umzubringen. Die Versicherung wird jedoch misstrauisch und beauftragt Neffs besten Freund Barton Keyes aus der Abteilung Versicherungsbetrug mit der Aufklärung des Falls. Der Film war für sieben Oscars nominiert und zählt bis heute zu den einflussreichsten Hollywoodklassikern.



Schwer verwundet kommt der Versicherungsvertreter Walter Neff nachts in sein Büro und beginnt eine Lebensbeichte in sein Diktiergerät zu sprechen. Seine Voice over-Stimme führt in die Handlung über: Walter wird zu einem reichen Kunden gerufen, dem er eine Versicherungspolice fürs Auto verkaufen soll. Doch statt des Kunden trifft er nur dessen schöne Ehefrau Phyllis Dietrichson an, die ihn, nur in ein Badetuch gewickelt, am Ende eines Treppenaufgangs empfängt. Walter verfällt ihr in Sekunden.
Als sie ihm bei einer nächsten Begegnung vorschlägt, ihren Ehemann erst zu einer hohen Lebensversicherung zu überreden und ihn dann gemeinsam zu töten, zeigt sich Walter wenig überrascht und geht auf den Handel ein. Um den Mord als Unfall zu tarnen, gibt sich Walter als Phyllis' Ehemann aus und besteigt einen Zug. Nachdem er sichergestellt hat, dass ihn verschiedene Zeugen gesehen haben, springt er heimlich aus dem Zug und deponiert die Leiche des zuvor erdrosselten Ehemanns an den Gleisen.
Die Versicherung jedoch traut dem allzu glatten Unfallszenario nicht und beauftragt Neffs besten Freund Barton Keyes mit Untersuchungen in diesem Fall. Schnell findet Keyes heraus, dass etwas an dem Fall nicht in Ordnung ist ...

"I killed him for money - and for a woman. I didn't get the money. And I didn't get the woman." Mit diesen berühmt gewordenen Zeilen beginnt Billy Wilders "Frau ohne Gewissen". Das Geld, eine Frau, ein Mord und die Vergeblichkeit all dessen erzählt in der Rückschau - Wilder und sein Koautor Raymond Chandler versammeln hier die Grundelemente einer Film-Noir-Geschichte. Zusammen mit den "boys in the backroom" - den anonymen Autoren, die bei den großen Studios unter Vertrag standen - schufen Chandler und Wilder eines der besten Drehbücher der Filmgeschichte. Geschliffene Dialoge, interessante Figuren, die selbst dann, wenn sie sich, wie in dem eingangs erwähnten Zitat, selbst zu erklären scheinen, rätselhaft bleiben und ein thematisch starker Plot machen den Film aus.
Dabei gelingt den beiden Autoren das Kunststück, einen unsympathischen Helden so zu zeichnen, dass die Zuschauer auf seiner Seite bleiben. Aber auch die Rolle Barbara Stanwycks ist keinesfalls eindimensional. In ihren Szenen mit Fred MacMurray erlebt man zwei Menschen, die sich nichts schenken und aus den gleich rätselhaften Motiven agieren.
Inszenatorisch war der Film stilprägend und hat unzählige Nachfolgefilme inspiriert. Elemente, die stilbildend wurden, waren zum Beispiel die mit wenig Licht und starken Kontrasten arbeitende Kamera, die unkonventionellen Blickwinkel und der Einsatz von das Bild verzerrenden Kameraobjektiven, die "Schattenspiele" - etwa das schräg durch Jalousien einfallende Licht, das den Helden Walter Neff in einigen Szenen bereits in eine "Schattenzelle" einsperrt -, sowie die Voice over- Erzählung.

Frau ohne Gewissen
Donnerstag 26. Januar 2012 um 01.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1944, 107mn)
ZDF

Erstellt: 13-01-12
Letzte Änderung: 13-01-12