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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 04. November 2004 - 10/11/04

Frau fährt, Mann schläft

Ein Film von Rudolf Thome
 
Synopsis: Eine Akademiker-Familie mit vier Kindern, die anlässlich eines Auftritts bei einer Talkshow im Fernsehen von sich behauptet, sie sei die glücklichste der Welt, offenbart nach und nach ihre Abgründe, das Aneinander-Vorbei-Leben, die Ehekrise zwischen dem Familienoberhaupt, einem Philosophie-Professor und seiner Frau, einer Zahnärztin, als das Paar seiner vier heranwachsenden Kinder zuliebe den Umzug aus einem Villenvorort ins Zentrum von Berlin beschließt.
 
Kritik: Wenn ein Filmkritiker hierzulande Rudolph Thome einmal wieder das durchaus nett gemeinte Etikett verpasst, er sei eine Art ‚deutscher Rohmer’, empfindet das der altgediente Berliner Regisseur, der es in 30 Jahren auf mittlerweile 18 Langfilme gebracht hat, nicht eben als das zutreffendste aller Komplimente. Dabei gibt es durchaus einige Parallelen zwischen den beiden Autorenfilmern. Wie Rohmer schreibt und produziert auch Thome seine kleinen, billigen Filme selbst, nahezu unbeachtet und ungestört von den großen Umwälzungen im nationalen Filmgewerbe. Sogar sein eigener Verleiher ist er inzwischen geworden.
 
Thome, der einst mit „Rote Sonne“, seiner rabenschwarzen Komödie über eine Männer mordende Frauen-WG, unverhofft in den Olymp der deutschen 68er-Filmemacher aufstieg und mit „Berlin Chamissoplatz“ Westberliner Geschichte schrieb, hat sich anders als die Unterzeichner des ‚Oberhausener Manifests’ nicht in den Dienst des politischen oder gesellschaftskritischen Films gestellt. Wie auch seiner französischer Kollege Eric Rohmer hat auch er sich ganz von selbst zu einem Spezialisten des Alltags, des Privaten, der Liebe zwischen Mann und Frau entwickelt. Nur dass man im Nachbarland nie auf die Idee kommen würde, einem Regisseur, der einem ähnlichen Faible oder Sujet huldigt, den Stempel des Epigonalen aufzudrücken. Denn ungleich größer ist dort das Interesse, sich mit der scheinbar unscheinbaren Wirklichkeit zu beschäftigen. So führen Thomes Filme bis heute eine Randexistenz innerhalb der deutschen Kinolandschaft, geduldet von den deutschen Förderstrukturen, nicht eben üppig bedacht mit Geldern und Zuschauern, aber auch begleitet und umworben von treuen Fans, Mitarbeitern und Schauspielern.
 
„Frau fährt, Mann schläft“ ist der mittlere von drei Filmen, die Rudolf Thome mit der deutschen Schauspieler-Ikone Hannelore Elsner besetzt hat (- nach „Rot und Blau“ und vor „Rauchzeichen“, der gerade abgedreht wurde). Eine Zahnärztin namens Sue Süßmilch spielt sie, an deren Eheglück man das erste Mal während jener Fernsehshow zweifelt, in der von Harmonie die Rede ist und man doch ihren scharfen, an den Mann adressierten Blick spürt, der sich in seiner Lebenslüge vom omnipotenten Familienvater und Ehegatten allzu gemütlich eingerichtet hat. Der Umzug in die Innenstadt und die lebensbedrohliche Erkrankung des pubertierenden Sohnes fördern sie zu Tage – die Affäre des Philosophie-Dozenten mit einer Studentin und der türkischen Haushälterin und ihre neue Liebe zu einem Astronomen, der auf eine lagen Reise geht. All das passiert bei Thome nahezu gleichzeitig und beinahe beiläufig. Thome nimmt am Schicksal dieser Familie Anteil, doch bleibt er bei aller Zuneigung auf Distanz.
 
Sein ironischer Blick auf die Vergeblichkeit der ewigen Liebeschwurs ist dennoch alles andere als abschätzig – Thome leidet mit, wenn die Elsner auf der Beerdigung ihres Sohnes einen Nervenzusammenbruch erleidet. Doch wie sagt der Liebhaber der Zahnärztin an einer Stelle so schön: bei den Menschen sei es wie in einem Ameisenhaufen – wirft man einen Stein hinein, herrscht zunächst aufgeregtes Gewusle, doch dann beruhigt sich alles doch recht schnell wieder. So gibt es auch bei der einst glücklichsten Familie der Welt die Möglichkeit eines Neuanfangs. Wie man diesen doch noch vermasseln kann, ohne dass auch diese Entwicklung als Katastrophe bewertet werden muss, dass zeigt Rudolpf Thome ganz beiläufig und unaufgeregt in einem wunderbaren Finale an der Küste Sardiniens.

Martin Rosefeldt
 
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Frau fährt, Mann schläft
Regie/Drehbuch: Rudolf Thome
Darsteller: Hannelore Elsner, Karl Kranzowski, Hans Zischler
Deutschland, 2004, 118’

Erstellt: 10-11-04
Letzte Änderung: 10-11-04