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ARTE Journal - 16/05/12

Frankreichs neuer Regierungschef: ein Deutschlandkenner

Jean-Marc Ayrault gilt als diskret und kompromissfähig


Mitten in den schweren Turbulenzen in der Eurozone gibt es einen Führungswechsel in Frankreich. Mit Jean-Marc Ayrault hat der neue Präsident François Hollande einen Premierminister ernannt, der in Deutschland kein Unbekannter ist - zumindest nicht in sozialdemokratischen Kreisen. Denn der Mann, der 15 Jahre lang Fraktionschef der Sozialisten in der Nationalversammlung war, hielt für Hollande den Kontakt zur SPD. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich geweigert, Hollande während des Wahlkampfs zu empfangen und sich ganz klar auf die Seite des späteren Wahlverlierers Nicolas Sarkozy gestellt.


Jospins Fraktionschef
Der 62-jährige Ayrault kennt die Kultur Deutschlands bestens, er hat auch in Würzburg studiert. Bevor er Parlamentsabgeordneter und Bürgermeister von Nantes wurde, war er Deutschlehrer. Er stammt aus kleinen Verhältnissen: Sein Vater war Landarbeiter, seine Mutter Näherin. Er ist der Älteste von fünf Geschwistern. Nach ersten Engagements in der christlichen Landvolkbewegung trat er 1972 der Sozialistischen Partei (PS) bei und machte dort schnell Karriere. Lionel Jospin setzte ihn als Fraktionschef durch, seit 1989 ist Ayrault zugleich ohne Unterbrechung Bürgermeister im westfranzösischen Nantes.

Mann mit Stil
Der enge Vetraute des neuen Präsidenten gilt als kultiviert, freundlich, als einer, der Intrigen nicht schätzt. Gegner nennen ihn ein bissschen autoritär. Aber François Hollande schätzt ihn auch wegen seiner Kompromissfähigkeit. Er zog Ayrault der langjährigen PS-Chefin Martine Aubry vor. Die in der Parteilinken verwurzelte Bürgermeisterin von Lilles hatte sich ebenfalls Chancen auf den Posten des Regierungschefs ausgerechnet.

Mit Hollande steht eine Neuorientierung der europäischen Schuldenpolitik auf der Tagesordnung. Die Gespräche beginnen am Dienstag Abend in Berlin. Frankreichs neuer Kabinettschef kann diese Themen auch auf deutsch erörtern. (Quelle: ARD):



ARTE Journal/ Ellen Hofmann

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Erstellt: 15-05-12
Letzte Änderung: 16-05-12