„Das Risiko für den Sparer ist, dass seine Bank pleite macht“, erklärt Jérôme Porier, der Chef der Zeitschrift „Le Monde Argent“, im Verbraucherchat auf lemonde.fr.
In Frankreich gibt es einen Garantiefonds, der Sparguthaben von bis zu 70 000 Euro pro Sparer absichert. „Die französische Regierung hat sich verpflichtet, dass kein Sparer auch nur einen einzigen Euro verliert“, berichtet Porier.
Seit dem 5. Oktober 2008 garantiert auch die deutsche Regierung für alle privaten Sparanlagen. Diese haben laut Informationen der Süddeutschen Zeitung einen Umfang von insgesamt 568 Milliarden Euro
Auch der Finanzexperte Helmut Seitz von der TU Dresden versichert: „Kleinsparer und Kleinanleger müssen sich keine Sorgen machen: Ihre Einlagen und Anlagen sind sicher.“


Etwas differenzierter sieht das Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Es gebe zwar Sicherungssysteme, aber was momentan geschieht, müsse beunruhigen. „Wir stehen nicht mittellos da.“ In Deutschland gebe es nicht nur die Mindeststabilitätsfonds, sondern darüber hinaus noch Fonds bei den meisten privaten Banken. Diese hätten zum Teil gar unbegrenzte Deckung. Doch es gibt eine Einschränkung: „Die Frage ist, wie gut die halten, wenn die Krise sich ausweitet.“
Kann die Krise denn noch schlimmer werden?
„Es gibt jetzt schon eine dramatische Steigerung der Beträge“, berichtet Pauli. Dennoch müsse man herausfinden, wie weit es sich um konkrete Schäden handelt. „Die Banken haben momentan Schwierigkeiten, weil sie langfristige Verpflichtungen eingegangen sind, die sie kurzfristig nicht erfüllen können.“ Dies sei aber noch keine generelle Krise, erklärt der Verbraucherschützer. „Es macht einen Unterschied, ob die Bank nur im Moment nicht in der Lage ist, das Geld der Sparer auszuzahlen, oder generell.“
Was kann man als Verbraucher in dieser Situation tun? Kann man überhaupt etwas tun?
Ziehen Sie auf gar keinen Fall ihr Geld von der Bank ab. „Das würde die Krise nur verschlimmern“, erklärt Pauli. Denn aus einer momentanen Zahlungsunfähigkeit der Bank würde so schnell eine reelle. Der Verbraucherschützer appelliert an die Sparer: „Als Verbraucher sollte man überlegt handeln, nicht in Panik verfallen.“
Sein Geld anderswo anzulegen, könne gefährlich sein. „Diese Krise ist ein Pflaster für Scharlatanangebote. Aber vielleicht lässt sie sich noch abwenden“, meint Pauli. Und dann hätten die, die zu schnell gehandelt haben, das Nachsehen. Auch den Impuls, in sichere Anlegeobjekte wie etwa Immobilien zu investieren, solle man gut überdenken, da diese momentan sehr teuer sind.
Im Chat warnt Porier ebenfalls vor überstürzten Immobilienkäufen. Eigentümer sollten immer zunächst die eigene Immobilie verkaufen, bevor sie eine neue kauften, um nicht auf den Zinsen für den Kredit sitzen zu bleiben.
Die Regierungen geben momentan Milliarden zur Rettung von Banken aus. Aber wer bezahlt das eigentlich?
„Die Stabilisierung unseres Finanzsystems kostet den Verbraucher ungemein viel Geld“, erklärt Pauli. Der Staat müsse für die Bürgschaften der Banken haften und so trage der Steuerzahler die vielen Milliarden, mit denen den Banken geholfen werde. „Wir Bürger tragen das alle mit.“ Diese finanzielle Belastung könne sich bemerkbar machen bis hin zu Lohnauszahlungen.
„Wir werden alle darunter leiden, wenn wir diese Krise nicht schnell in den Griff bekommen“, meint auch Finanzwissenschaftler Seitz. Der Steuerzahler werde nicht darum herum kommen, die Risiken mitzutragen.
Und was ist mit den Lebensversicherungen, können die Pleite gehen?
„Eine Lebensversicherung in Euros ist eines der am wenigsten riskanten Produkte, die es aktuell auf dem Markt gibt“, erklärt Porier. „Im Gegensatz zu einer Bank, die mehr verleihen kann, als sie an Eigenkapital besitzt, muss bei einer Versicherung das Aktiv immer größer sein als das Passiv.“ Das einzige, was passieren könne, sei, dass die Versicherung Anlagen besitze, die an Wert verlieren.
Auch die deutschen Versicherungen investieren einen Teil des Geldes ihrer Kunden in weltweite Kapitalanlagen. Verbraucherschützer Pauli sieht das als Bedrohung. Es stehe fest, dass die Krise sich negativ auf die Erträge auswirken werde, insbesondere von Lebensversicherungen.
Wenn eine Bank Pleite macht, verfallen dann die Schulden der Kreditnehmer?
Nein, denn selbst wenn die Bank zahlungsunfähig sei, bestünden die Schulden weiter, erklärt Porier auf lemonde.fr. Die Kredite müssten auf jeden Fall zurückgezahlt werden, wenn nicht an die Bank, dann an den Insolvenzverwalter.
Kann man sich überhaupt noch sicher fühlen oder werden sich solche Krisen jetzt ständig wiederholen?
Darüber kann man heute noch keine klare Aussage treffen. Für Pauli zumindest steht fest, dass man die Krise hätte verhindern können. „Die Risiken entstehen nicht abstrakt wie ein Unwetter oder eine Naturkatastrophe, sondern sie werden durch die Marktakteure bestimmt.“
Um in Zukunft ähnliche Situationen zu verhindern, müsse ein Umdenken stattfinden. Die Anbieter müssten merken, wie sehr sie von den Verbrauchern abhängig seinen. „Den Verbraucher zu schützen, liegt im eigenen Interesse der Anbieter, da sie sonst gar nicht existieren können. Die Verbraucher sind auf eine gewisse Weise die Gläubiger der Bank.“
Antonia Schäfer







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