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Rainer Werner Fassbinder

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Rainer Werner Fassbinder

Montag, 25. Juni 2012 um 20.15 Uhr - Filmreihe zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders - 19/06/12

Fontane – Effi Briest

Die 17-jährige Effi Briest wird mit dem viel älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Unglücklich über ihren lieblosen Ehealltag mit dem ehrgeizigen Baron, beginnt sie ein Verhältnis mit Major Crampas. Als ihr Mann Jahre später hinter die Liebschaft seiner Frau kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi, die bald darauf ihren Lebenswillen verliert und stirbt.
Diese filmsprachlich reife Literaturverfilmung zeigt Rainer Werner Fassbinder auf dem Höhepunkt seiner erzählerischen Kraft.

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Die 17-jährige Effi Briest wird von ihren ehrgeizigen Eltern mit dem 20 Jahre älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Instetten ist eine „gute Partie“. Er ist Landrat in dem pommerschen Städtchen Kessin, und sein Ehrgeiz lässt vermuten, dass er es noch weit bringen wird.

Doch Effi ist sowohl in ihrer neuen Heimat an der Ostsee als auch in ihrer Ehe unglücklich. Auf dem neuen Anwesen ist sie einsam und – wie sie selbst erkennt – nur von „mittelmäßigen Menschen von zweifelhafter Liebenswürdigkeit“ umgeben. Von ihrem karrierehungrigen und strengen Mann fühlt sie sich ungeliebt. Sie beginnt eine Beziehung mit Major Crampas, dem auch ihr Mann freundschaftlich verbunden ist. Die Beziehung endet, als Effi und der Baron nach Berlin ziehen.

Als ihr Mann Jahre später zufällig Briefe findet und hinter ihr Verhältnis kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi und behält die gemeinsame Tochter Annie. Einer Rückkehr ins Elternhaus stimmen Effis Eltern aufgrund ihrer strengen Moralvorstellungen zunächst nicht zu. Effi verliert daraufhin ihre Lebenskraft. Als sich der psychische Zustand ihrer Tochter verschlechtert, nehmen sie die Eltern endlich auf. Auf ihrem Gut stirbt Effi schließlich an gebrochenem Lebenswillen.

Nach dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane zeigt Rainer Werner Fassbinder in seinem Film, wie eine Gesellschaft mit emotionaler und physischer Brutalität ihre herrschenden Werte von Ehre und Moral erhält. Widerstand gibt es keinen, weder von der verstoßenen Effi selbst noch ihren Eltern, die die Verurteilung als gesellschaftlich normalen Vorgang akzeptieren.

Fassbinder hat die filmische Umsetzung des Romans mit strenger Konsequenz betrieben. Er zeichnet die Zeit und das Milieu in einer überaus nuancierten Schwarzweiß-Fotografie. Der Zuschauer wird nicht mit suggestiven Bildern erschlagen, sondern der Film berichtet behutsam und gründlich, ja fast detailbesessen die Geschichte Effies. Fassbinder versucht keine Aktualisierung der literarischen Vorlage, bekennt sich vielmehr durch Schriftinserts und einen kommentierenden Erzähler zu ihr und macht dabei durch seine einfühlsame Interpretation des Romans seine überzeitliche Wirkung sichtbar.

Dazu Fassbinder: „Ich meine, man soll an dem fertigen Film ganz klar merken, dass das ein Roman ist, und dass an dem Roman nicht das wichtigste ist, dass er eine Geschichte erzählt, sondern wie er sie erzählt. Die bisherigen ‚Effi-Briest’-Verfilmungen zeigen sehr wenig von der Zeit und von Fontanes Sicht dieser Zeit. Ich finde das verkehrt, es sollte immer spürbar sein, dass das eine von jemand einmal erzählte Geschichte ist. Wie und warum die Geschichte so erzählt worden ist, das muss sich durch den Film übertragen.

Und Fassbinder weiter über den Film: „Dies ist kein Frauenfilm, sondern ein Film über Fontane, über die Haltung eines Dichters zu seiner Gesellschaft. Es ist kein Film, der eine Geschichte erzählt, sondern es ist ein Film, der eine Haltung nachvollzieht. Es ist die Haltung von einem, der die Fehler und Schwächen seiner Gesellschaft durchschaut und sie auch kritisiert, aber dennoch diese Gesellschaft als die für ihn gültige anerkennt… Mein Problem ist gewesen, meine Haltung zu der Gesellschaft, in der ich lebe, dadurch klar zu machen, indem ich versuche, einen Film über Fontane zu machen.


MELDUNGEN UND REZENSIONEN

Stimmen aus dem Netz
Filmbesprechung von Dieter Wunderlich:
Ulrich Behrens für "filmzentrale.com":


WISSENSWERTES


Ulli Lommel in der Rolle von Major Campas wurde von Wolfgang Hess nachsynchronisiert, weil er zur Zeit der Nachbearbeitung in Italien war.

Umfangreicher Eintrag zum Film bei "Filmportal.de":


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Fontane – Effi Briest
Spielfilm, Deutschland 1974
135 Min.
Deutsche Originalfassung
Schwarzweiß, ZDF
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder nach dem Roman von Theodor Fontane
Kamera: Dietrich Lohmann, Jürgen Jürges
Musik: Saint-Saëns, Beethoven, Spohr
Schnitt: Thea Eymèsz
Produktion: Tango-Film
Produzent: Rainer Werner Fassbinder

Besetzung:
Hanna Schygulla (Effi)
Wolfgang Schenck (Baron Geert von Innstetten)
Karlheinz Böhm (Geheimrat Wüllersdorf)
Ulli Lommel (Major Crampas)
Ursula Strätz (Roswitha)
Irm Hermann (Johanna)
Lilo Pempeit (Luise von Briest, Effis Mutter)
Herbert Steinmetz (Herr von Briest, Effis Vater)
Hark Bohm (Apotheker Gieshübler)
Rudolf Lenz (Geheimrat Rummschüttel)
Barbara Valentin (Marietta Tripelli, Sängerin)
Karl Scheydt (Kruse)
Theo Tecklenburg (Pastor Niemeyer)
Barbara Lass (polnische Köchin)
Eva Mattes (Hulda)
Andrea Schober (Annie)
Anndorthe Braker (Frau Pasche)
Peter Gauhe (Dagobert)
Rainer Werner Fassbinder (Erzählstimme)

Fontane - Effi Briest
Montag 25. Juni 2012 um 20.15 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 1974, 135mn)
ZDF

Erstellt: 29-04-12
Letzte Änderung: 19-06-12