Doch Effi ist sowohl in ihrer neuen Heimat an der Ostsee als auch in ihrer Ehe unglücklich. Auf dem neuen Anwesen ist sie einsam und – wie sie selbst erkennt – nur von „mittelmäßigen Menschen von zweifelhafter Liebenswürdigkeit“ umgeben. Von ihrem karrierehungrigen und strengen Mann fühlt sie sich ungeliebt. Sie beginnt eine Beziehung mit Major Crampas, dem auch ihr Mann freundschaftlich verbunden ist. Die Beziehung endet, als Effi und der Baron nach Berlin ziehen.
Als ihr Mann Jahre später zufällig Briefe findet und hinter ihr Verhältnis kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi und behält die gemeinsame Tochter Annie. Einer Rückkehr ins Elternhaus stimmen Effis Eltern aufgrund ihrer strengen Moralvorstellungen zunächst nicht zu. Effi verliert daraufhin ihre Lebenskraft. Als sich der psychische Zustand ihrer Tochter verschlechtert, nehmen sie die Eltern endlich auf. Auf ihrem Gut stirbt Effi schließlich an gebrochenem Lebenswillen.
Nach dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane zeigt Rainer Werner Fassbinder in seinem Film, wie eine Gesellschaft mit emotionaler und physischer Brutalität ihre herrschenden Werte von Ehre und Moral erhält. Widerstand gibt es keinen, weder von der verstoßenen Effi selbst noch ihren Eltern, die die Verurteilung als gesellschaftlich normalen Vorgang akzeptieren.
Fassbinder hat die filmische Umsetzung des Romans mit strenger Konsequenz betrieben. Er zeichnet die Zeit und das Milieu in einer überaus nuancierten Schwarzweiß-Fotografie. Der Zuschauer wird nicht mit suggestiven Bildern erschlagen, sondern der Film berichtet behutsam und gründlich, ja fast detailbesessen die Geschichte Effies. Fassbinder versucht keine Aktualisierung der literarischen Vorlage, bekennt sich vielmehr durch Schriftinserts und einen kommentierenden Erzähler zu ihr und macht dabei durch seine einfühlsame Interpretation des Romans seine überzeitliche Wirkung sichtbar.
Dazu Fassbinder: „Ich meine, man soll an dem fertigen Film ganz klar merken, dass das ein Roman ist, und dass an dem Roman nicht das wichtigste ist, dass er eine Geschichte erzählt, sondern wie er sie erzählt. Die bisherigen ‚Effi-Briest’-Verfilmungen zeigen sehr wenig von der Zeit und von Fontanes Sicht dieser Zeit. Ich finde das verkehrt, es sollte immer spürbar sein, dass das eine von jemand einmal erzählte Geschichte ist. Wie und warum die Geschichte so erzählt worden ist, das muss sich durch den Film übertragen.“
Und Fassbinder weiter über den Film: „Dies ist kein Frauenfilm, sondern ein Film über Fontane, über die Haltung eines Dichters zu seiner Gesellschaft. Es ist kein Film, der eine Geschichte erzählt, sondern es ist ein Film, der eine Haltung nachvollzieht. Es ist die Haltung von einem, der die Fehler und Schwächen seiner Gesellschaft durchschaut und sie auch kritisiert, aber dennoch diese Gesellschaft als die für ihn gültige anerkennt… Mein Problem ist gewesen, meine Haltung zu der Gesellschaft, in der ich lebe, dadurch klar zu machen, indem ich versuche, einen Film über Fontane zu machen.“
MELDUNGEN UND REZENSIONEN
Stimmen aus dem NetzFilmbesprechung von Dieter Wunderlich:
Ulrich Behrens für "filmzentrale.com":
WISSENSWERTES
Ulli Lommel in der Rolle von Major Campas wurde von Wolfgang Hess nachsynchronisiert, weil er zur Zeit der Nachbearbeitung in Italien war.
Umfangreicher Eintrag zum Film bei "Filmportal.de":





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