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Cannes 2009

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Cannes 2009 - Offizieller Wettbewerb - 24/05/09

Fish Tank

Ein Film von Andrea Arnold


( Arte Bewertung: 4 ) Eine Kopfnuss, eine zornige junge Frau, Hip-Hop, Begierde und ein totes Pferd: In „Fish Tank“ vereint Andrea Arnold all dies zu einem grandiosen Ganzen.

  • Interview arte.tv: Andrea Arnold und Kierston Wareing
  • ARTE Kultur vom 14.05. - Fish Tank
  • Bande-annonce du "Fish Tank"

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Synopsis: Die 15-jährige Mia ist rebellisch, hat keine Freunde mehr und scheitert am Schulsystem. Eines Sommertages bringt ihre Mutter einen Unbekannten mit nach Hause: Connor verspricht ihnen Glück und Liebe…

Kritik: Mit ihrem Porträt einer sehr zornigen jungen Frau zeigt Andrea Arnold einmal mehr, dass sie das kostbarste Gut besitzt, das sich Kinomacher nur wünschen können: Sie sieht die Welt mit ihrem ganz eigenen und einzigartigen Blick. In ihrem neuen Film folgt sie Mia mit sensibler Kameraführung auf Schritt und Tritt – und folgt dabei auf ihre eigene Weise den Fußspuren ihrer englischen Kollegen Ken Loach und Mike Leigh auf den gewundenen Pfaden der menschlichen Seele. Der Film beginnt mit einer Viertelstunde purer Wut. Mit Volldampf rennt Mia ins Leere. In ihrer Wohnsiedlung gibt es nichts, was sie noch demolieren könnte. Also kriegt das tanzende Mädchen auf dem Parkplatz eine Kopfnuss. Während die anderen Mädchen sich vor ihrem männlichen Publikum lasziv und mit schwingenden Hüften zu R’n’B bewegen um zu verführen, tanzt Mia, anders als die anderen und isoliert, für sich allein zu Hip-Hop. Mia, diese hochsensible kleine Katze mit den kajalgeschwärzten Augen, halb Kind, halb Frau, wird verkörpert von Katie Jarvis. Der Regisseurin war die junge Frau auf einem Bahnhof beim Streit mit ihrem Freund aufgefallen. Katie entsprach genau ihrer Traumvorstellung von Mia und ihrer Geschichte, die von irgendeinem unbekannten Bild herrührte, das sie sehr bewegt hat. Vielleicht war es ein Foto von Nan Goldin mit einer jener verwundeten Seelen aus ihrer „Ballad of Sexual Dependency"… Auch der Titel verrät schon etwas von der rohen Ausdrucksweise, die hier als Waffe verwendet wird: „Fish Tank“ wird in der französischen Untertitelung zu „Aquarium“ und im Argot zur „Fotze“. Aber die derbe Redeweise verwandelt sich nach und nach zu einer eigenen fotonegativartigen Sprache, in der „Hau ab“ auch „Küss mich“ heißen kann oder „Ich hasse dich, du Schlampe“ „Ich liebe dich, Schwester“.

Fish Tank
von Andrea Arnold
mit Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Wareing…
Wettbewerb – Festival von Cannes 2009
Wie auch in Arnolds wunderbarem Film „Red Road“ (2006) passiert in jedem Moment etwas Unvorhersehbares: unmöglich zu sagen, wohin es Mia treibt, ob sie mit ihrem nur mühsam beherrschten Zorn auf der falschen oder richtigen Seite landet. Und genau wie in „Red Road“ unterfüttert Andrea Arnold den Film mit Elementen aus der Welt von heute: verstreute CDs, Kopfhörer und Fernsehbilder, Bilder von Überwachungsbildschirmen. Der Umgang mit Sex ist immer direkt, Sinnlichkeit immer in sepiafarbenes Licht getaucht. Wieder bemächtigt sich hier die Natur des Urbanen: Wind, der unablässig durch die Sozialwohnungen pfeift, Gewitter, die beweisen, dass die Elemente selbst die Fenster einer Welt öffnen, die an sich selbst erstickt. Ein Pferd an einer Straßenecke, dessen Leben in einem Alter zu Ende geht, in dem Mia ihres gerade beginnt. Sechzehn Jahre. Die alte Stute exorziert den Schmerz und das Meer spült die Wut weg. Andrea Arnold urteilt nie, sondern verfolgt ein Ideal der Wahrheit und des Atmens in ihren Bildern: Sie lässt ihre Einstellungen atmen, ihre Figuren sogar manchmal zu sehr, bis sie ermatten. Das vielleicht Schönste an „Fish Tank“ ist die absolute Empathie, mit der die Regisseurin sich der ramponierten Schicksale bis zum Ende annimmt, die sie die holprigen Lebenswege derjenigen erzählen lässt, die so gut es geht mit dem auskommen, was sie haben und was sie sind. Und es ist auch diese unmittelbare, fast brutale Aufrichtigkeit, die in jedem Bild zu spüren ist. Andrea Arnold täuscht nichts vor. Und dieser Blick ist einzigartig.

Delphine Valloire

Erstellt: Wed May 06 12:00:00 CEST 2009
Letzte Änderung: Sun May 24 20:21:49 CEST 2009