Kritik: Mit ihrem Porträt einer sehr zornigen jungen Frau zeigt Andrea Arnold einmal mehr, dass sie das kostbarste Gut besitzt, das sich Kinomacher nur wünschen können: Sie sieht die Welt mit ihrem ganz eigenen und einzigartigen Blick. In ihrem neuen Film folgt sie Mia mit sensibler Kameraführung auf Schritt und Tritt – und folgt dabei auf ihre eigene Weise den Fußspuren ihrer englischen Kollegen Ken Loach und Mike Leigh auf den gewundenen Pfaden der menschlichen Seele. Der Film beginnt mit einer Viertelstunde purer Wut. Mit Volldampf rennt Mia ins Leere. In ihrer Wohnsiedlung gibt es nichts, was sie noch demolieren könnte. Also kriegt das tanzende Mädchen auf dem Parkplatz eine Kopfnuss. Während die anderen Mädchen sich vor ihrem männlichen Publikum lasziv und mit schwingenden Hüften zu R’n’B bewegen um zu verführen, tanzt Mia, anders als die anderen und isoliert, für sich allein zu Hip-Hop. Mia, diese hochsensible kleine Katze mit den kajalgeschwärzten Augen, halb Kind, halb Frau, wird verkörpert von Katie Jarvis. Der Regisseurin war die junge Frau auf einem Bahnhof beim Streit mit ihrem Freund aufgefallen. Katie entsprach genau ihrer Traumvorstellung von Mia und ihrer Geschichte, die von irgendeinem unbekannten Bild herrührte, das sie sehr bewegt hat. Vielleicht war es ein Foto von Nan Goldin mit einer jener verwundeten Seelen aus ihrer „Ballad of Sexual Dependency"… Auch der Titel verrät schon etwas von der rohen Ausdrucksweise, die hier als Waffe verwendet wird: „Fish Tank“ wird in der französischen Untertitelung zu „Aquarium“ und im Argot zur „Fotze“. Aber die derbe Redeweise verwandelt sich nach und nach zu einer eigenen fotonegativartigen Sprache, in der „Hau ab“ auch „Küss mich“ heißen kann oder „Ich hasse dich, du Schlampe“ „Ich liebe dich, Schwester“.

von Andrea Arnold
mit Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Wareing…
Wettbewerb – Festival von Cannes 2009

Delphine Valloire






per E-Mail verschicken
( Arte Bewertung: 4 )






RSS
Facebook
Twitter

