Heute ist es Gewissheit: Auch 30 Jahre nach seinem Tod hat sich kein deutscher Regisseur gefunden, der ebenso beharrlich und intensiv vom Hier und Jetzt erzählt. Mit Fassbinder hat der deutsche Film seine vitalste Kraftquelle verloren.
Geboren am 31. Mai 1945, im selben Jahr wie Wim Wenders und der Generation Werner Herzogs, Volker Schlöndorffs und Alexander Kluges angehörend, galt Rainer Werner Fassbinder zunächst als das Wunderkind des Neuen Deutschen Films, später als "agent provocateur" im deutschen Kulturbetrieb. Das Multitalent zeichnete nicht nur als Drehbuchautor und Regisseur verantwortlich, sondern übernahm auch die Ausstattung, Kamera und Schnitt, und spielte in vielen seiner eigenen Filme mit.


Über 40 Kino- und Fernsehfilme sowie drei Kurzfilme hat der Autodidakt zwischen 1969 und 1982 gedreht. In jungen Jahren hatte er vergeblich versucht, an verschiedenen Schauspielschulen aufgenommen zu werden und gründete daraufhin sein eigenes Ensemble, mit dem er "Unbehagen an Einrichtungen des Bürgertums" schaffen wollte: das Antiteater. Viele Schauspieler aus dieser Zeit begleiteten Fassbinder seine ganze Karriere lang und gelangten selbst zu hoher Bekanntheit, wie etwa seine Muse Hanna Schygulla.
Beeinflusst unter anderem von der französischen Nouvelle Vague und US-amerikanischen Gangsterfilmen, aber vor allem von Douglas Sirks Hollywood-Melodramen, gelten viele Filme Fassbinders heute als Klassiker des deutschen Autorenfilms. Sie erzählen, in immer neuen Variationen, vom wahren Leben im Falschen, von der Sehnsucht nach einem Zufluchtsort der Gefühle fern von der Warenwelt sowie vom Wunsch, die Regeln des herrschenden Systems zu überwinden.
ARTE zeigt acht der bekanntesten Spielfilme Rainer Werner Fassbinders, zwei seiner Kurzfilme sowie zwei Dokumentarfilme über den außergewöhnlichen Filmemacher.





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