Willst du dich dort krumm stehen? sagt sie, komm rein oder geh raus.
Ich schließe die Tür hinter mir und sehe ihr dabei zu, wie sie ihr Gewicht vom rechten auf das linke und wieder zurück auf das rechte Knie verlagert. In der schönen Hitze will ich bleiben.
Mach das noch mal, sage ich.
Was soll ich machen? sagt sie.
Du sollst unter dem Wasser mit den Flügeln schlagen, sage ich.
Ich habe keine Zeit für Spiele, sagt sie, und dann, nach ein paar Wimpernschlägen, wird das Wasser unruhig, ich trete an den Waschzuber heran, um besser sehen zu können. Sie hat die Daumen verhakt zum Kopf einer Taube, und die abstehenden Finger sind die Federn zweier Flügel im rosarot gefärbten Wasser, die Taube fliegt hin und her, meine Mutter gurrt dazu, dann wird sie still und starrt auf einen Fleck am Boden, auf etwas, das nur sie sehen kann.
Was hat er mit dir gemacht?
Seine Hand fährt aus, wenn er Ungehorsam wittert, sagt sie, was soll er schon getan haben?!
Wo sind sie alle hin? Sage ich.
Er hat Meltem mitgenommen auf seine Geschäftsreise, in zwei Tagen wird er wieder kommen. Die anderen sind draußen.
Selda ruft nach mir, und ich trete heraus aus der heißen Kammer, helfe ihr die Bodenbetten einzurollen und an der Wand aufeinander zu türmen. Wir bestücken die Orangenschalen mit Nelken und legen sie auf die Ofenplatte. Sofort riecht es wie in einer Wundertraumkammer. Von mir aus können die Orangen im Garten verderben. Ich beuge mich über die Ofenplatte und ziehe die Luft ein, doch als Selda mich ermahnt, den Teufel nicht durch gefährliche Spiele hervorzulocken, wende ich mich ab. Ich schlüpfe aus dem Nachtkittel und hinein in das Kleid aus Wäschestoff, setze mich auf ein eingerolltes Bodenbett und warte, bis ich an die Reihe komme. Erst Resul, dann Tolga, dann Selda und schließlich ich. Meine Mutter sagt, ich solle mich jetzt bereit halten. Sie holt einen Kessel warmes Wasser aus dem Ofen, sie zieht mir das Kleid über den Kopf, drückt mir den Waschlappen aus alten Nylonstrümpfen in die Hand. Erst gestern hat sie die Fußteile abgeschnitten, die Beinteile übereinander gelegt und sie zusammengenäht. Als sie mir die grüne Seife geben will, schließe ich die Augen, sie stinkt.
Chinasultanseife, sage ich, ich mag sie nicht.
Chininsulfatseife, sagt Selda im Türrahmen, mach jetzt zu, Mädchen!
Der Schaum stinkt, sage ich, bitte nicht.
Wo kommen wir hin, wenn wir dem Kleinsten der Familie seinen Willen lassen, sagt Selda, sie schöpft mit der Messingschale heißes Wasser aus dem Kessel und neigt sie leicht über die Schaumquaste. Ich seife mich blitzschnell ein, ich reinige mich, meine Mädchenschönheiten muß ich besonders säubern, weil meine Mutter darauf achtet, daß wir nicht übel riechen. Selda reibt mich trocken und hält mir die Windelhemdhose hin, sie ist aus amerikanischem Stoff, sagt meine Mutter, das steife Nesseltuch scheuert mich hinten und vorne wund. Ich mag sie nicht anziehen, doch ich muß.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der








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