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Tracks - Die sendung vom 18. Januar 2014 - 09/01/14

Die sendung

Diese Woche in TRACKS: Mit WAXAHATCHEE on the road, Teenager-Rock 'n' Roll mit THE STRYPES aus Irland, die Macher von 'Shaun of the Dead', Simon Pegg und Nick Frost, im Interview, ein Blick auf Kairos rebellischen Elektro-Underground und vieles mehr...

(1): Waxahatchee
Katie Crutchfield kommt aus der DIY-Punkszene Birminghams in den USA und ist bereits seit ihrem 15. Geburtstag on the road. Mit 23 hat sie jetzt unter dem Namen Waxahatchee ein veritables Album veröffentlicht. Als Teenie war sie mit ihrer Zwillingsschwester in Bands unterwegs, jetzt versucht sie es Solo. Aber auch nur, weil sie in Bands schon mal ihr Diktatorenpotenzial entfaltet. Songschreiben funktioniert bei Katie Crutchfield nur nach mittelschweren Romantikkatastrophen und am allerbesten in der Abgeschiedenheit des Waxahatchee Creeks in Alabama. Weil sie dort als Kind jeden Sommer verbracht und sich schon vor ihrem 22. Geburtstag versteckt hat, borgte sie sich auch gleich den Namen des elterlichen Feriendomizils aus. In Waxahatchees Songs geht es um Abschiedskusserinnerungen, die noch nach Bier und Kippen schmecken, um den einzigen Ort, an dem man vor den Anrufen des Typen sicher ist, der so hoffnungslos in einen verliebt ist und über die völlig absurde Vorstellung, für immer und ewig glücklich verliebt zu sein.

(2): The Strypes – Teenager-Rock ’n‘ Roll aus Irland
Bei ihren Konzerten geben sich Noel Gallagher und Paul Weller die Klinke in die Hand, Elton John nahm die Band für seine Management-Firma unter Vertrag. Keine Frage, die Strypes aus der irischen Provinz sind eine der bemerkenswertesten Bands der Stunde. Das liegt nicht zuletzt an ihrem jugendlichen Alter – der älteste Strype ist gerade 18 geworden. Im Stile klassischer Sixties-Bands sind die Strypes adrett zurechtgemacht und einheitlich durchgestylt. Jede Pose, jedes Riff, jeder Break erinnert an die Yardbirds und den Pub-Rock der 70er Jahre. Zeit, den Hype zu überprüfen.

(3): Die Macher von „Shaun of the Dead“, Simon Pegg und Nick Frost, im Interview der Woche
Als „rom-zom-com“ – also romantische Zombie-Komödie – beschreiben die beiden Hauptdarsteller Simon Pegg und Nick Frost ihren Film „Shaun of the Dead“ aus dem Jahre 2004. Simon Pegg spielt darin Shaun, einen 29-jährigen Verkäufer, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde. Vor lauter Liebeskummer bekommt er lange Zeit nicht mit, dass sich in London immer mehr Zombies breitmachen - bis sich die Untoten in seinem Vorgarten einnisten. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Ed, der von Nick Frost gespielt wird, bekämpft Shaun die Zombie-Horden.
Ähnlich auf dem Schlauch steht Pegg auch in „Hot Fuzz“. Er spielt den ehrgeizigen Polizisten, Sergeant Nicholas Angel, der lange Zeit nicht bemerkt, dass eine mordlustige Bürgerwehr jeden um die Ecke bringt, der die Idylle im Bilderbuch-Dorf Sandfort stört und damit die Auszeichnung des Ortes zum „Dorf des Jahres“ gefährden würde. Hilfe bei seinem Kampf gegen die blutrünstigen Spießbürger bekommt er dabei von dem tollpatschigen Polizisten Danny Butterman, der erneut von Nick Frost gespielt wird.
In dem letzten Teil ihrer Trilogie „The World’s End“ müssen fünf Freunde ihr Heimatdorf vor gleichgeschalteten Robotern verteidigen. Freundschaft im Ausnahmezustand: Mit der Mischung aus Buddy-Comedy und Apokalypse avancieren Simon Pegg und Nick Frost zum Kultduo für dunklen Humor. Auch privat sind die beiden seit über 20 Jahren beste Freunde. Als es in Studentenzeiten bei beiden finanziell mager aussieht, teilen sie sich sogar ein Zimmer mit nur einem Bett.
„Blood and Ice Cream Trilogie“ heißen ihre drei Filme, da in jedem Streifen ein Eis auftaucht. In „Shaun of the Dead“ ist es die rote Erdbeersorte, um auf die blutigen Zombies anzuspielen; in „Hot Fuzz“ ein blaues – eine Anspielung auf die blaue Uniform der Polizisten und in „The World‘s End“, ein grünes Mint-Schoko-Eis, das an Science-Fiction erinnert.

(4): Bang and Blow like an Egyptian! Kairos rebellischer Elektro-Underground
Eine junge Frau im hautengen Leoparden-Ganzkörper-Anzug im Cairo Jazz Club. Sie tanzt einigermaßen lasziv zu hämmernden Elektro-Beats und schrägen Synthies. Sie skandiert Parolen wie „This is the porn police! Tell me what you want to preach!” und beschwört die „satanic homosexuals“. Das Publikum plärrt „erhal, erhal, erhal, ...“. Die Szene ist Teil des Dokumentarfilms „Art War“, der zeigt, wie ägyptische Künstler mit ihren eigenen Mitteln die Revolution fortführen.
„Erhal“ bedeutet übersetzt „Verschwinde!“, „Hau ab!“. Mit einer Endlosschleife von „erhal“-Rufen haben die Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz ab Januar 2011 Hosni Mubarak gestürzt. Dass sie mit denselben Rufen von der Bühne geplärrt wurde wie der ehemalige Präsident, schmerzt die Sängerin und Elektro-Produzentin Bosaina besonders. Aber offensiv mit ihrer Sexualität umgehende Frauen gelten in dem muslimischen Land für einen Großteil der Bevölkerung nach wie vor als Sünderinnen, offensichtlich selbst im vermeintlich liberalen Cairo Jazz Club. Seit 2010 performt Bosaina live, zusammen mit den beiden Produzenten Hussein El Sherbini und Ismail Hosny hat sie das Projekt Wetrobots
Bosaina gegründet. 2012 ist die erste EP des Trios erschienen. „Bang and Blow“ verschafft Wetrobots
Bosaina nicht nur Airplay bei der BBC und Internetklicks in Japan, sondern auch Konzerte in der Schweiz. Bosaina fühlt sich auf dieser Tour so wertgeschätzt, dass sie anschließend eigentlich nie wieder in ihrem Heimatland auftreten will. Bosaina und ihre beiden Kollegen sind Teil des Kollektivs „Kairo Is Koming“, das beweist, wie viel kreatives und rebellisches Potenzial in der Underground-Kultur-Szene der ägyptischen Metropole steckt.

(5): Ironischer Trendsport: Bading
Jeder Bodenpoller inspiriert sie zu einem neuen Trick, jeder Bordstein animiert sie zum Hüpfen: Drei Jungs erfinden die Trend-Sportart Bading und machen sich damit über alle anderen Szenesportler lustig. Zumindest ein bisschen.
Auf YouTube gibt's Millionen davon: Clips von Surfern, Skatern oder BMXern, die mit ihren Skills angeben. Der Haken: Nur wer eine dieser Sportarten beherrscht, kann bei der YouTube-Angeberei auch was reißen. Weil ihr Talent zum Skaten nicht reicht, haben drei Studenten einfach ihre eigene Sportart erfunden: Bading. Seither kann jeder, der über einen Bodenpoller hüpfen kann, sich Bader schimpfen.
Die Bading-Tricks: Mit Anlauf über einen Rucksack hüpfen, sich einmal um die eigene Achse drehen. Losspurten, gegen die Mauer springen, sich im Flug um 180 Grad drehen, einen Laternenmast umklammern und daran herunterrutschen. In ihrer halbstündigen Mockumentary "Bading. Lebensgefühl dokumentiert." behaupten die Bader, Bading sei eine weltbekannte Trendsportart. Inzwischen gibt es angeblich schon 200 Bader – weltweit. Denen ist völlig schnuppe, ob das Ganze ein Sport ist oder nur Spaß.

(6): Arcade Fire – Die Indieband, die es in den Mainstream schaffte
Sie sind die größte Indie-Band der Welt: Seit der Gründung im Jahre 2002 kletterten die Arcade Fire aus Montreal unaufhaltsam an die Spitze. Mit dem aktuellen Album »Reflektor« sind sie nun von null auf eins in die US-Charts eingestiegen. Dabei ist die Platte weder Radio- noch marktkonform, sondern vielmehr hochexperimentell. Warum Arcade Fire machen, was sie wollen und damit auch noch durchkommen, und wie es so ist, mit David Bowie zu arbeiten, erklären Win Butler und Tim Kingsbury „Tracks“ in Plauderlaune.

(7): Sharknado: Ein Himmel voller Haie
Es regnet ja so einiges im Sprachgebrauch: Backsteine, Geld oder sogar Blut. Haie hat es bislang noch nicht geregnet. Bis jetzt. Im Film Sharknado passieren ungewöhnliche Dinge: Ein Tornado zieht auf, saugt Haie aus dem Meer und schleudert sie an Land. Bald liegt die Strandpromenade in Trümmern und es flitzen hungrige Haie durch die Luft. Sie landen auf Balkonen, in Pools, Treppenhäusern, platschen aus Abwasserrohren oder nehmen als Snack ein Auto – oder den Besitzer. Nur ein Barkeeper hat ein wirksames Rezept gegen Hairegen auf Lager: Kettensägen und selbstgebastelte Bomben.
Der Film schafft es locker in die Top Ten der schlechtesten Filme. Und das ist wohl auch die Absicht der Macher: Die wenigen Zuschauer bei der Erstausstrahlung in Amerika haben ihre Fassungslosigkeit über den Blödsinn per Twitter kundgetan. Fünftausend Tweets mit dem Hashtag #Sharknado wurden an dem Abend gesendet – pro Minute. Bei Google war Sharknado der meistgesuchte Begriff des Tages. Seither kennt den grottenschlechten Film mit einer Million Dollar Budget und 18 Tagen Drehzeit fast jeder. Jetzt ist schon ein zweiter Teil in Planung. Die Netzgemeinde wurde befragt, wie der Titel lauten soll. Raus kam „Sharknado 2: The Second one“.

(8): Songs of Gastarbeiter: Der Sound der Migration
„Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“ ist nur einer der Texte in den Gastarbeitersongs mit dem türkische Musiker wie Ozan Ata Canani ihr Schicksal als Arbeitskräfte in Deutschland reflektierten. Ab Anfang der 60er gab es dem deutschen Mainstream weithin unbekannt eine ganze Szene mit meist exotischem Sound in der teilweise traurig, teilweise lustig und selbstironisch Migranten-Klischees besungen wurden. So singt zum Beispiel Yusuf : „ Ich türkisch Mann, nix Deutsch sprechen kann. Wir Kinder lieben, isch hab’ schon sieben. Achtes kommt bald auf Welt, dann geben mehr Kindergeld. Ich türkisch Mann, viel Kinder lieben kann“. Jetzt haben zwei deutsche Künstler mit türkischen Wurzeln die Songs ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wurde aber auch Zeit!

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Freitag 3. Januar 2014 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F

Erstellt: Mon May 03 13:47:29 CEST 2010
Letzte Änderung: Thu Jan 09 14:30:52 CET 2014