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Szene - 03/07/12

Faeries

Beim Goblin Masque Ball im Untergrund von London kommen sie alle zusammen. Ansonsten muss man einfach zweimal hinsehen, um Feen im Alltag zu erkennen.

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Die modernen Feen tragen Glitzer und rosa Lack, Trollmasken oder einfach nur ihr sonniges Gemüt. James Elphick bringt sie alle zusammen, denn er veranstaltet den Goblin Masque Ball.  Er selbst zieht die dunkle Seite der Fairie-Welt vor.
 
James Elphick
Kobolde sind ziemlich boshaft und hinterhältig. Sie sind typische Schelme. Feen dagegen sind zwar angenehme, gutmütige Wesen, aber nicht jeder will so sein. Die meisten hier wollen gern durchtrieben wirken. Und wir haben die perfekte Location hier. Unter der Waterloo Bridge und dem Bahnhof, hier wohnten schon immer viele Trolle.
 
Der Künstler und Kurator bastelt in seinem Studio lange an den Details für den Ball. Der findet einmal im Jahr statt, immer unterirdisch.

>> Web-Bonus: James Elphic beim Goblin Ball
 

 
Es kommen Künstler, Jungschauspieler, aber auch der eine oder andere Buchhalter. Eins haben alle Besucher  gemeinsam: sie haben das Märchenbuch seit der Kindheit nie ganz aus der Hand gelegt…
 
James Elphick
Ich war immer im Garten und hab nach Feen und Monstern und so was gesucht. Ich hatte auch Angst, dass  vielleicht etwas unter dem Bett lauert. Ich erinnere mich an einen bestimmten Abend, da hab ich einen dunklen Schatten gesehen und war wie gelähmt. Da war ich ungefähr  4 oder 5. Und dann hab ich mir langsam die Decke über den Kopf gezogen und lag stundenlang wach, bis ich mutig genug war, nachzusehen und da war nichts. Aber ich habe immer gedacht, dass da doch etwas war.
 
Besonders Illustratoren und Designer kommen gern und lassen sich inspirieren. Und wer mal wieder nicht genug Zeit hatte, kann sich auch vor Ort ausstaffieren.  Jules Newman hat einen Stand auf dem Ball. Die Designerin denkt sich täglich neue Geschöpfe aus der Unterwelt aus.
 
Jules Newman
Diese ganze Fairie-Szene ist in erster Linie etwas Visuelles. Es gibt so viele Zeichnungen und Geschichten dazu. Ich bin mit Bilderbüchern aufgewachsen, die viel von dieser Welt zeigen. Aber was die Musik angeht – da höre ich nicht unbedingt das, was man damit assoziiert. Wenn ich arbeite, höre ich keine ätherische Feen Musik, sondern Heavy Metal oder Blues oder Punk.
 
In der keltischen Tradition bedeutet das Wort “Fae” nicht Fee, sondern steht für viele Kreaturen.
Die moderne Fairie- Welt baut darauf auf.  Nur eben ein bisschen morbider, ein bisschen erwachsener und sexier als Disney‘s Tinkerbell.
 
Jules Newman
Diejenigen aus der Szene, für die ich etwas mache, inspirieren mich genauso wie ich sie. Manche haben einfach nicht die Zeit oder Kreativität, sich selbst ein Kostüm zu entwerfen und haben dann nur eine abstrakte Vorstellung von dem, was sie wollen.
 
Die Künstlerin Georgina Rose hat sich für die Glitzervariante entschieden. Sie und ihre Freundin Amy Day, sind auch im Alltag Feen.
 
Georgina Rose
Vor fünf Jahren hat  Amy mir diese Hose gemacht und seitdem trage ich sie dauernd, hier, sie hat lauter Löcher! Als ich sie angezogen hab, hab ich gedacht:  das bin ich, das fühlt sich an wie ich! Ich hab es genossen, so herumzulaufen und hab mich wohl gefühlt als mystisches Geschöpf. Flügel braucht man nicht wirklich, die stören nur in London, z.B. in der U-Bahn... da willst du keine Flügel. Aber nicht alle Feen haben Flügel, es gibt ja auch Kobolde und Elfen und all das.
 
Seit ihrem Umzug vom Land nach London fühlen sich beide von der Fairy-Szene aufgenommen. In ihrem Alltag designed Amy Latexkleidung für jeden Anlass. Mal provokant, mal niedlich. Aber so glamourös und farbenfroh die Outfits sind, sie sind nicht das Wichtigste am Fairy-Dasein.
 
Georgina Rose, Amy Day
Georgina: Ich glaube nicht, dass man irgendein Klischee erfüllen muss. Wir lieben es, uns zu stylen, aber eine moderne Fee zu sein heißt nicht, dass man es wörtlich nimmt, du musst nicht mit Flügeln durch die Stadt laufen. Es reicht auch, ein bisschen Glitzer im Make-up zu tragen oder was Farbiges anzuziehen, glücklich zu sein, höflich und nett zu jedem zu sein. Es gibt keine Regeln.
Amy: Es geht auch darum, sich wohl zu fühlen und sich keine Gedanken darüber zu machen, was Leute denken. Und wenn dich jemand auf der Straße anspricht, dann antworte, sag danke und lass Dich darauf ein, was passiert.
 
Im ländlichen England gibt es seit Jahren eine sehr spirituelle Feen-Community. Amy und Georgina haben damit aber nichts am Hut. Wenn sie ausgehen, dann nicht auf Mittelaltermärkte, sondern zum Goblin Ball.
Je grauer und härter der Alltag draußen ist, umso mehr Menschen flüchten sich in bestimmte Szenen, vor allem in London. Nach den Steampunkern und Neo Victorians darfs jetzt noch versponnener sein …Für den Ball-Organisator James ist das alles aber mehr als nur Trend.
 
James Elphick
In der heutigen Welt fehlt die Magie. Als die Finanzkrise so zugeschlagen hat, wurde bei der Kunst zuerst gekürzt. Und deswegen ist es jetzt gerade so wichtig, diese alten verwunschenen Geschichten aufleben zu lassen. Das bringt ein bisschen was von der Kinderwelt zurück. Das ist wirklich wichtig, wir sind alle sehr ernst durch all die schlimmen Dinge, die in der Welt passieren. Die beste Flucht daraus ist, sich als magische Kreatur zu verkleiden und bis Mitternacht zu tanzen.
 
Wussten wirs doch! Wie sehr man an Feen im Garten glaubt, ist letztendlich egal, wenn man  doch selbst eine sein kann.

Trackslist

The Lunatics have taken over the asylum - Collide     (Noiseplus)                   
Valtari - Sigur Ros (Emi)   
Moss - Gus Gus  (High Note Records/ Kompakt)
Take a walk - Passion pit (Columbia)                              
Magic -  Ladyhawke (Modular)
The Lunatics have taken over the asylum – Collide (Noiseplus)

Links

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Freitag 6. Juli 2012 um 01.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
BR

Erstellt: 20-06-12
Letzte Änderung: 03-07-12