Was ist der Begriff denn für Sie?
Sagen Sie es mir!
Nein ich möchte es von Ihnen hören!
Im Lexikon steht ‚die Göttin‘ ...
Also ich! (Lachen). Jemand nannte mich einmal so vor Jahren und ich liebe es. Es hängt mit der Ausstrahlung zusammen, man ist anders als die anderen ‘divines‘, kommt ja auch von Diva. Ich bin Sängerin. Ich kann kein normaler Mensch sein.
Lieben Sie es wirklich, eine Diva genannt zu werden?
Aber ja! Natürlich! Die Musik, das Theater wäre ohne Diven nicht weitergekommen, alles wäre gestorben. Menschen brauchen Divas, jemand, der anders ist als sie. Ansonsten wären wir alle gleich, wie bei den Kommunisten, das wäre doch schrecklich.
Der berühmte EMI-Plattenproduzent der Callas, Walter Legge, fand, eine Diva sei von "rücksichtslosem Ehrgeiz, monomanischer Egozentrik und einem unstillbaren Appetit auf Ruhm".
Armer Mann! Der hat ja nichts kapiert. Er hat kein Gefühl für Künstler. Er sah wohl nur die Arbeit. Es gibt geborene Künstler und gemachte Künstler. Man ist oder man ist es nicht. Und ich bin es.
Sie wuchsen in einem System auf, dem rumänischen Kommunismus, das Diven nicht toleriert.
Ich mag nicht gerne darüber sprechen. Es war eine schwierige politische Situation; es war sehr kompliziert. Kurzgefasst, es gab nichts zu kaufen, die Winter waren sehr kalt, aber für uns war es ein gutes Leben, es gab eine gute Atmosphäre. Und eine hervorragende Ausbildung haben wir genossen.
Sie erlernten Ihre Kunst auf einer sogenannten Musikspezialschule in Bukarest, einer Drillanstalt, wie es sie nur im Sozialismus gab.
Ja. Das kommunistische System hat viele schreckliche Sachen gehabt, aber die Schule war einfach fantastisch, auch was die allgemeinen Bildung betrifft. Wir haben viel über die westlichen Länder, ihre Literatur, ihre Musik gelernt. Aber ihr lernt nichts über uns! Ihr wisst gar nichts über uns! Meist werden alle kommunistischen Staaten in einen Topf geworfen. Wir in Rumänien haben eine ganz andere Sprache als etwa in Russland. Unsere Sprache steht dem Latein noch am nächsten. Für eine Karriere, wie die meine, sind Erfahrungen in einer solch taffen Schule das Beste, was man haben kann.
In welchem Alter spürten Sie, dass Sie sich auf der Bühne wohl fühlen?
Mit etwa sechs. Mein erstes Lied war ein deutsches Lied von Brahms. Ich war sehr klein und konnte gar nicht mehr aufhören. Meine Eltern sahen auch gleich eine Zukunft darin für mich und meine Schwester, die auch Sopran war. Alle wollten, dass ich Opernsängerin werde, wollten mich hören, ich war ja ein kleines Mädchen. Ich liebte es, die Tränen in den Augen der anderen zu sehen. Das war ein Genuss für mich.
Sind die Gefühle, die Sie auf der Bühne haben, immer noch die gleichen wie damals?
Nein, das ist heute ganz anders. Der Druck wird immer größer. Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser und perfekter werden muss. Diesen Druck hatte ich als kleines Mädchen natürlich so nicht.
Wird es Jahr um Jahr härter?
Nein, das wiederum auch nicht. Es gibt schwierige Phasen in einer Karriere. Es kann sehr hart werden, wenn man vokale oder seelische Probleme hat. Jeder ist da anders veranlagt.
Es heißt, die weibliche Singstimme reflektiere die seelische Befindlichkeit...
Nein, das stimmt nicht. Natürlich gibt man als Künstlerin immer etwas Eigenes ab, aber auf der Bühne muss man, egal, wie man sich fühlt, einfach perfekt und professionell sein. Und das weiß jeder. Wenn man sich nicht wohl fühlt, sollte man zuhause bleiben. (Lachen) Die Menschen kommen in die Oper, um zu träumen, deshalb muss man so gut sein, wie man kann.
Egal, ob Sie an diesem Tag Flugangst, Liebeskummer, Familienprobleme oder nur einfach ausgebrannt sind.
Ja. So ist es. The show must go on!
Viele vergleichen Sie mit der Callas...
Die das sagen haben einfach keine Allgemeinbildung!
Warten Sie. Andere sagen: Sie seien nicht neurotisch genug, um das Format einer Callas zu haben.
(Lautes Lachen) Ich habe ja schon vieles über mich gelesen, aber das noch nicht. Die schreiben ja alles Mögliche über mich. Das muss ich mal sammeln. Haben Sie noch mehr solche Geschichten? Nein neurotisch bin ich nun wirklich nicht.
Die Callas hatte den Mut zur Hässlichkeit auf der Bühne. Wie ist das bei Ihnen?
(Lachen) Dabei tat sie doch alles, um schön zu sein! Wurde ganz dünn, zog sich sehr elegant an.
Sie hatte aber den Mut, sich auszuliefern, emotionale Extreme auf der Bühne zu verkörpern, unabhängig davon, wie sie dabei aussah.
Ja. Ihre Stimme konnte ganz schön hässlich sein (Lachen). Um hässlich zu sein, muss ich aber noch viel an mir arbeiten. (Lachen) Hier an der Met in New York sollte ich als Margarethe in Gounods ‚Faust‘ im letzten Akt hässlich sein, mit kurzem Haar, leicht verrückt. Aber das Äußerliche ist nicht das einzige Kriterium. Wichtiger ist der Charakter der Figur. Man muss ehrlich sein auf der Bühne. Das zählt. Schönheit bedeutet ab einem gewissen Moment überhaupt nichts mehr. In Verdis Macbeth brauchen Sie sogar eine hässliche Stimme, da muss man sehr daran arbeiten. Das ist gar nicht so einfach.
Ein Sänger muss sein Kapital, die Stimme, schützen. Sind Sie eine Sklavin Ihrer Stimme?
Nein. Ich nicht. Ich bin mit Disziplin geboren worden, ich habe das Problem nicht. Oder wenn Sie so wollen: Ich liebe es, eine Sklavin meiner Stimme zu sein (Lachen).
Und die eines Mann?
Mm... (Lautes Lachen) Nein, ich glaube, dass niemand das mag (Lachen).
Ihr Mann, der Tenor Roberto Alagna, mit dem Sie viele Projekte gemeinsam haben, verglich Ihr beider Verhältnis mit dem von Ginger Rogers und Fred Astaire.
Er ist ein sehr süßer Mann. Im übrigen: Wir tanzen beide (Lachen) leidenschaftlich gern. Übrigens, wenn ich nicht Sängerin geworden wäre, wäre ich Schauspielerin geworden. Ich liebe die Kamera, in andere Rollen schlüpfen zu können, in einer anderen Epoche zu sein. Das ist doch fantastisch!
Am 14. März 2004 sendet Arte den Mitschnitt eines Arienabends, den Sie im Juni 2001 in Covent Garden gaben.
Es war mein erster Auftritt dort. Mittlerweile singe ich ja dort sehr oft. Doch an diesem Abend war ich sehr aufgeregt und ganz allein. Es war schwierig, sehr hart. Ich liebte zwar das Repertoire, die Komponisten. Es war ein sehr abwechslungsreiches Programm, das von Händel, Mozart über Massenet und Puccini bis hin zu Bellini und Cilea reichte, darunter sogar das Lied „I could have danced all night“ aus My Fair Lady. Doch so ein Abend ist sehr anspruchsvoll und ganz anders als in der Oper. Es ist eine ‚one woman show‘. Doch ich bin mit dem Orchester befreundet, sie haben mich alle unterstützt. Es war ein großartiges Gefühl in Covent Garden singen zu können.





per E-Mail verschicken
RSS
Facebook
Twitter

