Bonus-DVD
Extras:
- Trailer
- Interviews
- B-Roll
- Deleted Scenes
- Outtakes
- Programmtips
Sprache: Deutsch
Kritik: Die Bonustracks geben einen kleinen, aber nicht allzu umfangreichen Einblick hinter die Kulissen der Entstehung dieses Films. Zwar kommt etwa auch der Autor des dem Films zugrunde liegenden Romans, Martin Walser zu Wort, aber leider nur sehr sehr knapp. Er darf nur in zwei Sätzen seine Anerkennung zollen, was Regisseur Martin Kaufmann und seine tollen Schauspieler aus seinem Buch gemacht haben. Von der filmischen Umsetzung der Szene, in der das Pferd flieht - eine der Schlüsselszenen des Romans - ist Walser zutiefst beeindruckt. Er bezeichnet diese Szene als das "seelische Energiezentrum des Films, die Ulrich Tukur wunderbar gespielt hat".
Regisseur Rainer Kaufmann ist stolz darauf, einen "richtigen Klassiker" verfilmt zu haben, und lobt die kreative Kommunikation mit Martin Walser. Ihm war es wichtig, dass der Film "etwas Tragikomisches" hat, was in deutschen Filmen leider nicht allzuoft zu finden ist. Katja Riemann, die die gestresste Ehefrau hervorragend spielt lobt ihren Regisseur: "Wir sitzen alle in einem Boot. Er bleibt immer ruhig, auch wenn alles schief läuft. Ich weiß nur, 'Rainer ist hier, ich muß mich nicht sorgen'. Das ist ein großartiges Gefühl."
Ulrich Tukur: "Jeder kennt einen Klaus wie er im Buch steht. Der manisch ist, der einm zu sehr auf die Pelle rückt." Er freut sich, dass "das Drehbuch es schafft. der Vorlage einen hintergründigen, bösartigen Humor abzuluchsen."
Die B-Roll zeigt Drehmomente, etwa in denen der Strom gedreht wird, das Pferd ausbüchst oder Martin Walser auf dem Grundstück herumläuft. In den "Deleted Scenes" gibt es einige sehr schöne Momente, in denen das Ehepaar Halm, Ulrich Noethen und Katja Riemann sich ganz wunderbar angiften. Etwa im Supermarkt, wenn sie ihm ein riesiges, tiefgefrorenes Huhn hinhält, mit dem Kommentar, das würde sehr gut zu ihm passen, oder wenn sie morgens um fünf fünf Dinge von ihrem Mann wissen will, die er an ihr mag. Lustig auch der Moment, in dem Helmut Halm morgens ohne Ausweis von der Polizei in einem Gebüsch aufgegriffen wird, und sich nicht ausweisen kann.
Die Outtakes dokumentieren einige Momente, in denen die Schauspieler ungewollt in Lachen ausgebrochen sind, etwa wenn Katja Riemann sich selbst befriedigt, oder wenn die beiden Frauen, Katja Riemann und Petra Schmidt-Schaller total durchnässt einander ansehen und sich um ihre Männer sorgen sollen, die immer noch - während des Unwetters - auf dem See sind.
Nana A.T. Rebhan
Filmkritik
Synopsis: Wie jedes Jahr verbringt das Ehepaar Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine Halm (Katja Riemann) den Sommerurlaub in einem Ferienhaus am Bodensee. Eines Tages treffen die beiden im Strandbad den extrovertierten Klaus (Ulrich Tukur), einen ehemaligen Studienkollegen Helmuts. Dieser ist mit der viel jüngeren, lasziven Helene (Petra Schmidt-Schaller) unterwegs. Klaus heftet sich wie eine Klette an das Ehepaar, dieses ist hin- und hergerissen, ob es (seine) Gesellschaft will, oder doch lieber alleine wäre.
Kritik: Rainer Kaufmann ist mit der Verfilmung der bekannten Novelle Martin Walsers ein großer Wurf gelungen. Auch 27 Jahre nach deren erstem Erscheinen ist sie noch immer aktuell. Aus dem typischen, etwas monotonen Walsertext ("sagte er, sagte sie") sind unter den Drehbuchautoren Ralf Hertwig und Kathrin Richter allerdings witzige, schlagfertige Dialoge geworden. Sehr gut gewählt ist auch das Schauspielerensemble, das sich gegenseitig in seiner Andersartigkeit hervorragend ergänzt.
Die Figurenkonstellation alleine schon erzeugt eine immense Spannung, die sich in der Geschichte mehrfach entladen darf. Helmut Halm, Anfang Vierzig interessiert sich mittlerweile mehr für die Vögel des Bodensees als für seine Frau. Doch als er Helene sieht, kann er den Blick nicht mehr von ihr wenden. Doch gleichzeitig nervt ihn die Gegenwart von Klaus, der aus dem Nichts auftaucht, uralte, peinliche Geschichten über ihn erzählt und ihn permanent provoziert („Wann beginnst Du zu leben?“) Der gleichaltrige Klaus dagegen lebt die Träume seines Jugendfreundes einfach aus. Er ist extrem lebensfroh und unternehmungslustig und fühlt sich mit seiner viel jüngeren Freundin sichtlich wohl. Sabine findet es gut, ein wenig Abwechslung zu haben. Sie findet den forschen Klaus irgendwie charmant.
Sehr präzise lässt Rainer Kaufmann, der für seine Komödien STADTGESPRÄCH und DIE APOTHEKERIN in den 90er Jahren bekannt geworden ist, die beiden Paare mehr und mehr aufeinander prallen. Diese Berührungen setzen auch durchaus positive, teilweise sexuelle Energien frei. Klaus will etwa Sabine beim Joggen verführen, Helmut bekommt einen Ständer, als er von Helene massiert wird. Der Film pendelt energisch zwischen potentiell erotisierter Swinger-Atmosphäre und gestressten Individuen - eine energische Mischung.
Eines Tages, als die vier doch mal wieder zusammen unterwegs sind, bricht aus dem Pferdeanhänger vor ihnen ein Pferd aus. Und flieht. Klaus weiß sofort, was zu tun ist. Er beruhigt das Tier ein wenig, springt dann auf und reitet in schnellem Galopp mit ihm über eine Wiese im Abendrot. Sabine ruft voll aufrichtiger Bewunderung: "Der sieht ja aus wie König Artus!" Kaufmann hat für diese, die Titel spendende Szene eine gute filmische Umsetzung gefunden. Klaus versteht das Tier intuitiv und handelt richtig. Er selbst fühlt sich ja auch des Öfteren wie ein solches. Ein weiterer, ergreifender Moment des Films ist das Unwetter auf dem Bodensee. Die beiden Männer gehen segeln, trotz Unwetterwarnung - und selbstverständlich will Klaus nicht zurückkehren, als bereits richtig dunkle Wolken aufziehen. In dem kleinen Segelschiff zeigt sich der härteste Kampf zwischen diesen beiden Männern - immerhin ehemaligen Freunden.
EIN FLIEHENDES PFERD ist die sehr gelungene filmische Adaption der gleichnamigen Bestseller-Novelle. Eine intelligente, leichte, erotische, etwas frivole comédie humaine, wie sie nicht allzu oft in Deutschland realisiert wird.
Nana A.T. Rebhan





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