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Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

Nach vielen Jahren in Deutschland kehrt Sarah Wiener für die kulinarischen Abenteuer zurück nach Österreich, in ihre Heimat.

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Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

Nach vielen Jahren in Deutschland kehrt Sarah Wiener für die kulinarischen Abenteuer zurück nach Österreich, in ihre Heimat.

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

01/04/09

Ein Tag am Set von "Sarah und die Küchenkinder"

Sarah und die wilde Zwölf


Zwölf Kinder verbringen vier Wochen mit Sarah Wiener in Südfrankreich. Reportage über eine Koch- und Lebensschule.

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„Angelina Jolie und Brad Pitt sind fast unsere Nachbarn!“ Es ist ein heißer Sommertag in Südfrankreich, der Duft von Erdbeeren liegt in der Luft. Das Filmteam der Dokumentationsreihe „Sarah und die Küchenkinder“ hat Drehtermin bei Biobauer Bruno im Departement Var in der Provence. Eine Gruppe von Kindern, zum Teil schon Teenager, begrüßt die Journalisten, die die Dreharbeiten einen Tag lang begleiten werden – und betonen amüsiert die Nähe zu Glanz und Glamour.

Heute lernen sie, was beim Erdbeeranbau wichtig ist. Das Aroma der reifen Früchte ist so köstlich, wie es nur sein kann, wenn sie direkt vom Feld gegessen werden. Um Rosmarin, Schnittlauch, Oregano und Minze geht es nebenan. Die Kinder lernen etwas über die Verwendung der Kräuter und nehmen auch gleich welche mit – für die nächsten Kochstunden mit Starköchin Sarah Wiener.


Landleben pur.
Ort des Geschehens ist ein traumhafter Landsitz aus dem 18. Jahrhundert, großzügig angelegt, eingebettet ins wunderschöne hügelige Umland. Hier verbringen zwölf Kinder aus Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz ihre außergewöhnlichen Ferien: mit Sarah Wiener, einem Filmteam und drei Betreuern. Jeden Morgen wird gekocht, die Kamera ist immer dabei. Nachmittags finden die Außendrehs statt – und natürlich gibt es Ausflüge für viel Spaß und weitere Entdeckungen. Gestern erst waren sie zehn Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs und haben dann geangelt und gebadet. Aufgekratzt berichten sie von ihren Erlebnissen.

Nächster Morgen 9.30 Uhr. Die große Landhausküche strahlt eine einmalige Atmosphäre aus. Alle zwölf Jungköche haben in der Mitte der Küche ihren Platz zum Schneiden, Ausrollen, Mischen und Kneten. Im Salon, der auch Esszimmer ist, hängt der Versorgungsplan für die Hühner, Kaninchen und Schweine, die hier auch ihre Ferien verbringen. Jeder kennt seine Zuständigkeiten. Eine breite Treppe führt in die oberen Etagen, wo die Schlafräume sind. In der ersten Etage wohnen die Jungen, ganz oben die Mädchen. Stilecht und mit viel Liebe zum Detail wurde dieser Landsitz restauriert: die Fliesen, die Farben, die wenigen Möbel, die frei stehende kupferfarbene Badewanne – man hätte Lust zu bleiben, einfach nichts zu tun, dem Gezirpe der Grillen zu lauschen und den Duft der Provence zu genießen …

Mir ist wichtig, dass die Kinder ein Bewusstsein für Ernährung entwickeln, den Respekt vor dem Essen lernen und der Arbeit, die damit verbunden ist. (Sarah Wiener)

Fertigmachen zum Dreh.
Stattdessen herrscht geschäftiges Treiben. Jeder Zweite des Filmteams hat das Handy am Ohr, die Kinder werden nach und nach verkabelt, für sie ist das mittlerweile Routine. Ein paar von ihnen spielen noch schnell eine Runde Tischtennis – in Kochschürzen. Sarah Wiener trifft ein und begrüßt die Kinder mit Umarmung und Küsschen. Der vertraute Umgang ist zu spüren: Nach zwei Wochen Gemeinsamkeit kennt man sich gut. Regisseur Enrique Sánchez Lansch, der sein großes Einfühlungsvermögen gegenüber jugendlichen Protagonisten bereits mit dem vielfach prämierten Film „Rhythm Is It!“ bewiesen hat, erzählt vom aufwendigen Casting in über 20 Städten. „Sarah und die Küchenkinder“ ist eine durch und durch deutsch-französische Produktion: Die Zweisprachigkeit war ein wichtiges Auswahlkriterium, auch das 18-köpfige Filmteam ist zweisprachig.

10.30 Uhr, Drehbeginn. Ein Teil der Gruppe kommt von einem anstrengenden Morgenausflug zurück. Sie waren in einer Kaninchen-Schlachterei. Nun werden sie das Erlebte im Gespräch mit Sarah und den anderen Kindern verarbeiten. Wenn auch die Reaktionen unterschiedlich sind, gemeinsam ist allen die konkret gemachte Erfahrung, was geschehen muss, wenn ein kuscheliges Lebewesen zu Fleisch in der Kühltheke oder auf dem Teller werden soll. „Ein ganz wichtiger Prozess“, findet Sarah Wiener, die selbst wenig Fleisch isst und kritisch auf Herkunft, Haltung der Tiere und die Verarbeitung des Fleisches achtet. „Kochen schlägt Wellen. Durch das, was ich esse, wie ich anbaue, wie ich Tiere halte, wie ich einkaufe, beeinflusse ich die Welt.“ Deshalb sei sie eine ernährungspolitische Köchin, die sich für das Verwenden regionaler und saisonaler Produkte einsetze. Wichtig ist ihr auch, dass Kinder über Ernährung Bescheid wissen: „Mir ist wichtig, dass die Kinder ein Bewusstsein für Ernährung entwickeln, den Respekt vor dem Essen lernen und der Arbeit, die damit verbunden ist. Was sie selbst zubereitet haben, essen sie meistens auch – selbst Dinge, die sie vorher nicht mochten. Jeder kocht, wie es seinem Charakter entspricht. Wir warten hier, bis auch der letzte seine Karotte geschnitten hat und auch die Theorie braucht Zeit. Ich fordere sie wirklich.“


Aktion in der Küche.
Sarah Wiener nimmt ihre Position als Küchenchefin ein. „Erste Regel: ,Hände waschen!‘“ Und dann geht es los. „Heute machen wir etwas, das jeder mag und womit man anderen eine Freude machen kann: Wir backen Tarte Tatin. Es ist der vielleicht berühmteste französische Apfelkuchen. Wir backen allerdings Varianten davon. Und wir karamellisieren mit Honig statt mit Zucker.“ Den Honig hat die Gruppe vor ein paar Tagen selbst geimkert, das Obst zum Teil selbst geerntet oder auf dem Markt gekauft. „Das Besondere an diesem Kuchen ist, dass er nach dem Backen gestürzt wird. Dazu muss er noch warm sein.“ Zwischenruf: „Wie schreibt man Tarte Tatin? Mit Bindestrich oder ohne?“ Man einigt sich auf „ohne“. „Die Tarte Tatin wurde von der Familie Tatin erfunden“, fährt Sarah fort. „Sie lebten in der Nähe von Paris. Klassisch macht man sie mit Äpfeln, aber wir machen sie mit Birnen, Aprikosen, Pflaumen und Bananen.“ Dann erklärt sie, wie man einen Mürbeteig macht. Alle schreiben in ihren Rezeptbüchern mit. „Den gleichen Teig, aber mit Salz, könnt ihr für Quiche verwenden“. Hier zeigt sich Sarah Wieners Stil. Ihr kommt es darauf an, dass ihre Schüler die Vorgänge des Kochens, das Zusammenspiel der Zutaten, verstehen. Und dass sie gewisse Grundkniffe kennen, mit denen man auch ohne starres Festhalten am Rezept kochen und backen kann.

„Boah, is’ ja fettig!“, ruft ein Junge dazwischen, als Sarah die 150 Gramm Butter für den Mürbeteig ankündigt. „Sie muss kalt sein. Genau wie das bisschen Wasser, das hinein kommt. Eiswasser ist der Fachbegriff dafür.“ 30 Minuten Backzeit empfiehlt sie, bei 200 Grad. „Umluft?“, ruft es aus der Basis. „Nein, das wär’ a bisserl viel.“ Ab und an fällt Sarah Wiener in ihren österreichischen Dialekt. Noch einmal gibt sie wichtige Tipps zum Mürbeteig: „Manche Rezepte geben auch ein Ei an. Ei funktioniert wie Kleister, Fett macht mürbe. Je mehr Fett, desto mürber wird der Teig.“ Genug Theorie. Es geht ans Werk. Immer zwei Kinder bereiten zusammen eine Tarte zu. „Denkt beim Obst an die Oxydation!“, mahnt Sarah. „Was hilft da?“ „Zitrone!“, ruft’s im Chor. Sie schälen, schneiden und zitronieren – die Küchenabfälle werden für die Schweine und Hühner gesammelt.


Sarah ist der Boss.
Wie eine Lehrerin geht sie herum, versteht es, mit den quirligen Kindern die Gratwanderung zwischen Kameradschaft und Autorität zu meistern. „Die Kinder müssen wissen: Ich bin der Boss. Hier ist es heiß und fettig und sie hantieren mit gefährlichen Utensilien. Da müssen sie einfach spuren.“
Am späten Nachmittag sind die Kinder beim Schwimmen im hauseigenen Bassin, das aus einem Brunnen gespeist wird. Die gewagten Sprungtechniken vom Beckenrand schlagen ordentlich Wellen. „Habt ihr einen Themenvorschlag für einen Sprung?“, rufen uns zwei Mädchen vom Beckenrand zu. „Was denn zum Beispiel?“, fragen wir erstaunt. „So was wie Wut oder Liebe!“ „Na, dann Liebe natürlich.“ Die beiden umarmen sich und springen ins Wasser.
Nina Vey



Erstellt: 19-03-09
Letzte Änderung: 01-04-09


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