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ARTE KULTUR - 29/12/06

"Ein Mann wie Holm" von Matthias Keidtel

Der ewige Muttersohn, die Generation Praktikum, die Unfähigkeit Sexualität zu leben… der deutsche Schriftsteller Matthias Keidtel, 1966 in Itzehoe geboren und dann im Ausland, zuletzt in Japan aufgewachsen hat sich in seinem neuen Roman „Ein Man wie Holm" genau dieser Katastrophen angenommen, auf Tragikkomische Art.

Die Reportage wiedersehen (real video - 3mn18)

Matthias Keidtel hat mehrfach den Versuch der Schriftstellerei unternommen und sich selbst gesucht, wie er sagt und mit „Ein Mann wie Holm" seinen Stil gefunden.

Matthias Keidtel: "Also sicher gibt es eine Basis ein Humus, der mit mir auch sicher zu tun hat. An der Grundsituation von Unsicherheit und nicht wissend wo es lang geht, klar eine autobiographischer Hintergrund. Aber die ganzen Exzesse in vieolen Bereichen sind natürlich dann übertrieben, also es ist eine reine Übertreibung."

Erschreckend ist, dass einem die Übertreibungen realistisch vorkommen. Holm der Romanheld ist weltfremd, hat wie sein Autor einen Gelegenheitsjob im Zigarrenladen, wird mit 37 endgültig von seiner Mutter vor die Tür gesetzt und nistet sich konsequent bei seiner Tante ein. Welten die einander gleichen, die ihm nicht fremd sind. Und fremd ist ihm fast alles. Der Roman ist eine Reise, bei der Niemand wirklich abfährt und eben auch nicht ankommt. Tatenlos im Regelwerk: 20 Uhr Abendessen mit Tante zur Tagesschau, danach geht's ins Bett. Das ist Holms Welt. Bis er Ulrike, vielmehr sie ihn kennenlernt...

Buch
Matthias Keidtel
Ein Mann wie Holm
Rogner & Bernhard Verlag
ISBN 3-8077-1016-7

Wer mit siebenunddreißig Jahren bei seiner Tante lebt, keiner Arbeit nachgeht und noch nie eine Freundin hatte, mit dem stimmt etwas nicht. Das ahnt auch Holm, dessen Leben sich zwischen Kaffeekränzchen seiner eierlikörtrinkenden Tante, Supermärkten und Miederwarengeschäften abspielt. Holms Verschrobenheit und Lebensferne führen nicht geradewegs ins Abenteuer. Aber dann lernt Holm eine Frau kennen - ein Vorgang, der auch für weniger komplizierte Charaktere mitunter eine Herausforderung sein kann. Und diese Begegnung mit der Damenoberbekleidungsverkäuferin aus dem KaDeWe zeigt, wie grotesk, wie komisch, wie lächerlich es sein kann, sich Menschen anderen Geschlechts zuzuwenden. Die Beziehung nimmt ihren Lauf. Neue Fragen stehen im Raum. Ist es Liebe? Und was ist zu tun, wenn man am Ziel angelangt ist, aber statistisch gesehen noch über vierzig Jahre vor einem liegen?

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ARTE Kultur
Von Montag bis Samstag um 20.00

Erstellt: 23-05-06
Letzte Änderung: 29-12-06