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ARTE Journal - 02/05/12

Ein 1. Mai, der politisch vibriert

Mehr als doppelt so viele Menschen wie im vergangenen Jahr gingen am 1. Mai in Frankreich auf die Straßen, um für bessere Lebens- und Arbeitsbedigungen zu demonstrieren. Der Tag stand im Zeichen der Stichwahl um das Präsidentenamt am kommenden Sonntag. Präsident Sakozy, der in den Umfragen mindestens acht Prozentpunkte hinter seinem sozialistischen Konkurrenten François Hollande zurückliegt, ging auf Stimmenfang im rechten Lager.

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200.000 am Eiffelturm
Sarkozy funktionierte seine Kundgebung in Paris zu einem "Tag der echten Arbeit" um und provozierte so die Gewerkschaften. Weiter sagte er, es seien zu viele Ausländer im Land. Trotzdem sprach sich die Chefin des rechtsextremen "Front National", Marine Le Pen nicht für einen der beiden Kandidaten aus. Sie empfahl, ungültig zu stimmen. Le Pen hatte in der ersten Wahlrunde 18 Prozent der Stimmen erhalten.

Gewerkschaften gegen Sarkozy
Dagegen erhielt Hollande eine Wahlempfehlung aus dem linken Lager: Bernard Thibault, Chef des Gewerkschaftsbundes CGT, hat offen zur Unterstützung des Kandidaten des Parti Socialiste aufgerufen. Auf Kundgebungen in Marseille, Lyon, Bordeaux und anderen Großstädtenzeigte sich, dass die Teilnehmer die Verschlechterung der Lebensbedingungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise auch dem amtierenden Präsidenten zur Last legen.

Hoffnung auf blau-weiß-rot
Nicolas Sarkozy gibt jedoch nicht auf. Er treibt weiter Wahlkampf bis zur letzten Sekunde. Vor dem Eiffelturm in Paris verabreichte er seinen Anhängern eine ordentliche Dosis Patriotismus und traditionelle Werte. Eines seiner Hauptthemen war Frankreichs Identität. Diese gelte es zu schützen, sagte er vor einem Meer blau-weiß-roter Flaggen, in der er auch immer wieder den Nationalhelden und Ex-Präsidenten Charles de Gaulle beschwor.

Longuets Provokation
Für Aufruhr selbst im Lager Sarkozys sorgte Verteidigungsminister Gérard Longuet. Er sagte, mit Marine Le Pen vom "Front National" könne man reden. Sie habe sich deutlich von der Politik ihres Vaters und Vorgängers als Parteichef abgesetzt. Muslimische Verbände nannten das "krank".

Le Pens Pläne
Die Ultranationalistin wetterte indes gegen Sarkozy als Interessenverteter der Banken, der die Einwanderung habe explodieren lassen und die nationale Selbstbestimmung aufgegeben habe. Sie will bei den Parlamentswahlen im Juni den Einzug ins Parlament schaffen und betreibt weiter Wahlkampf. Sie spekuliert auf einen Zerfall von Sakozys UMP, um dann mit einer neuen rechten Partei Politik machen zu können.

Hollande vor dem Rededuell
Der PS-Kandidat verzichtete auf eine Großkundgebung und betrieb stattdessen Traditionspflege. Im zentralfranzösischen Nevers gedachte er des 1993 verstorbenen sozialistischen Premierministers Pierre Bérégovoy, wo er an die Präsidentschaft François Mitterands erinnerte. Am Mittwoch werden sich Hollande und Sarkozy zu einem Ferseh-Rededuell treffen - ein wichtiges Ritual im französischen Wahlkampf, das man in Bistros oder zu Hause mit Freunden vor dem Bildschirm verfolgt. Hollande kennt den offensiv debattierenden Sarkozy ziemlich gut - Angebote zu weiteren Redeschlachten lehnte er ab.

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Erstellt: 01-05-12
Letzte Änderung: 02-05-12