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Sergej Eisenstein: "Oktober"

Ein Film als Objekt der politischen Zensur.

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Sergej Eisenstein: "Oktober"

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Sergej Eisenstein: "Oktober"

Biographie - 03/02/12

Edmund Meisel

Edmund Meisel, geb.1894 in Wien, studierte Violine und Komposition an der privaten Musikschule John Petersen in Berlin. Seine berufliche Laufbahn begann er als Musiker im Blüthner-Orchester, ab 1918 dirigierte er in Konzert- und Opernhäusern, dann konzentrierte er sich ab 1924 auf Theater- und Filmmusiken, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen jenseits der bürgerlichen Kunstmusik.
Meisel experimentierte mit neuen Technologien der Musikbegleitung im Theater und Kino, schrieb 14 Bühnenmusiken und 10 Kompositionen für Stumm- und Tonfilme, er dirigierte, machte Hörspiele, Plattenaufnahmen und Studioproduktionen. Als er 1930 starb, hatte die Filmwelt einen ihrer produktivsten Komponisten verloren. Im Berliner Tageblatt schrieb Leo Hirsch: „Meisel war ja ein Musikant, der gewissermaßen mit den Augen komponierte, der einzige geborene Filmkomponist. Seine Art machte Schule, seine Rhythmik Mode.

Seine Ausdrucksmittel entwickelte und perfektionierte Meisel in seiner Arbeit für das Politische Theater von Erwin Piscator an der Berliner Volksbühne, wo er die Bühnenmusiken zu Hoppla, wir leben (1925) und Die Abenteuer des Soldaten Schweijk (1928) zur Aufführung brachte. Mit der Filmmusik zur deutschen Premiere von Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin (1926) wurde Edmund Meisel über Nacht berühmt wie kein anderer Filmkomponist seiner Zeit, mit seiner Musik erst wurde der Film zum internationalen Großerfolg. Meisel gilt als der große Neuerer der Stummfilm-Musik, der Filmen eine bezwingende Wirkung gab durch die vollkommene Verschmelzung von Musik und Bildschnitt.

Er schuf den sound epochaler Werke der Film- und Theatergeschichte der 1920-er Jahre, arbeitete mit so unterschiedlichen Theater-Regisseuren wie Piscator, Jessner und Brecht, und Filmregisseuren wie Fanck Der Heilige Berg (1926), Ruttmann Berlin. Die Sinfonie der Großstadt (1927) und Eisenstein, für den er neben Panzerkreuzer Potemkin auch die Filmmusik zu Oktober (1928) schrieb. Ende der 1920-er Jahre arbeitete Meisel für den Rundfunk, unternahm während eines längeren Englandaufenthaltes Tonexperimente und produzierte Geräusch-Schallplatten, die er an seinem legendären Geräuschtisch zusammen mit einer Jazz-Band einspielte. Meisel sah im Tonfilm große Entwicklungschancen und arbeitete fieberhaft an der Filmmusik zu dem sowjetischen Stummfilm Der blaue Express (1930), für den er eine alternative Tonversion schuf. Auch Panzerkreuzer Potemkin kam in einer Tonversion noch einmal in die Kinos, wobei der Soundtrack von Schallplatten zugespielt wurde.

Am 14. November 1930 starb Edmund Meisel an einem Blinddarmdurchbruch im Alter von nur 36 Jahren.




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Oktober (Oktjabr)
(UdSSR 1927/28) – Länge: 116’
Regie und Buch: Sergej Eisenstein, Grigori Aleksandrow
Kamera: Eduard Tissé
Musik: Edmund Meisel
Musikbearbeitung: Bernd Thewes (i. A. von ZDF/ARTE)
Einspielung: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Frank Strobel
Live Aufführung am 10.02.2012, 21:00 Uhr im Friedrichstadt-Palast Berlin
Fernsehausstrahlung am 15.02.2012, 23:00 Uhr auf ARTE

Erstellt: 23-01-12
Letzte Änderung: 03-02-12