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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

Filmfestival

Programm-Schwerpunkt Berlinale - 04/03/08

Drei Farben: Weiß

18. Februar, um 22.30 Uhr // 5. März um 14.55 Uhr (Wdh.)


Wie du mir, so ich dir! Als die Französin Dominique sich von ihrem polnischen Ehemann Karol scheiden lässt, wird dieser obdachlos. Als er später nach Polen zurückgeht und ihm dort der soziale Aufstieg gelingt, will er sich an seiner Ex-Frau rächen...

Drei Farben: Weiß
(Polen, Frankreich, Schweiz, 1993, 88mn)
ARTE F
Regie: Krzysztof Kieslowski
Kamera: Edward Klosinski
Musik: Zbigniew Preisner
Schnitt: Urszula Lesiak
Darsteller: Aleksander Bardini (der Notar), Cezary Harasimowicz (der Inspektor), Grzegorz Warchol (der Elegante), Janusz Gajos (Mikolai), Jerzy Stuhr (Jurek), Julie Delpy (Dominique), Juliette Binoche (Julie Vignon ( de Courcy)), Zbigniew Zamachowski (Karol)
Autor: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz
Produktion: CAB Productions, France 3 Cinéma, MK2 Productions, Zespol Filmowy "Tor"
Produzent: Marin Karmitz

Der Pole Karol und seine französische Frau Dominique finden sich im Pariser Justizpalast vor dem Scheidungsrichter ein. Dominique klagt, die Ehe sei nicht vollzogen worden. Karol stimmt zu. So werden sie geschieden und Karol verliert alles, was er besaß: die Liebe, seine Frau und seinen Friseursalon, in den er all seine Ersparnisse gesteckt hatte. Ohne Geld, ohne Papiere, erniedrigt und verletzt, ist an eine Rückkehr nach Polen unter diesen Umständen nicht zu denken.
In den Gängen der Pariser Metro spielt Karol auf seinem Kamm die Lieder seiner Heimat für ein paar Münzen. Dort trifft er auf seinen Landsmann Mikolai. Der will Karol helfen und bietet ihm sogar einen Job an: einen Auftragsmord. Karol lehnt jedoch ab und kehrt - versteckt in einem Koffer - nach Polen zurück. Nach einigen Missgeschicken wird sein großer Traum vom Reichtum Wirklichkeit, doch Karol verwendet sein neu gewonnenes Vermögen einzig für die Rache an seiner Ex-Frau Dominique. Er lockt sie nach Warschau und plant seinen großen Coup - jedoch: wer anderen eine Grube gräbt...

Der zweite Teil von Krzysztof Kieslowskis Farben-Trilogie thematisiert das zweite Motto der französischen Revolution, die Gleichheit. Die Kombination der etwas ätherisch wirkenden Julie Delpy als Protagonistin Dominique mit dem sehr bodenständigen und bevorzugt als Verlierertyp besetzten Zbigniew Zamachowski in der Rolle des Karol verkörpert allerdings genau das Gegenteil von Gleichheit, die Kieslowski mit diesem Film drastisch in den Bereich der Utopie verweist.
Der Name Karol - zu Englisch Charlie - referiert auf den Meister der Mime, Charlie Chaplin. Kieslowski ließ seinen Hauptdarsteller Zamachowski die Rolle des rachedurstigen Karol wie einen typischen Chaplin-Helden spielen, also komisch und tragisch zugleich. Das Resultat ist eine filmische Farce auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie, die zugleich ein schwarzhumoriges Porträt Polens kurz nach dem Ende des real existierenden Sozialismus darstellt. Kieslowski selbst bezeichnete "Weiß" als eine "Film gewordene Karikatur bestimmter Hoffnungen und Tendenzen im Zusammenhang mit den neuen Verhältnissen in Polen." Die sozialpolitischen Probleme Polens werden in diesem ironisch-komischen Märchen auf verschiedenen Ebenen immer wieder thematisiert. Die neuen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch des Ostens bilden die Folie, vor der sich die Tragikomödie entfaltet.
Trotz der Schwere seiner Thematik ist "Weiß" sicher der leichteste und amüsanteste Film der Trilogie. Wie das von Kritik und Publikum gefeierte Farbenspiel "Blau" wird auch der zweite Teil der Trilogie mit vielfachen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Silbernen Bären für die beste Regie.

Erstellt: 15-02-08
Letzte Änderung: 04-03-08