360º - Geo Reportage - 10/06/11
Drehbericht
Saint-Pierre und Miquelon
Wer kennt Saint-Pierre und Miquelon? Viele Franzosen wissen selbst nicht, wo die Inseln liegen. Oft ist ihnen gar nicht bewusst, dass der 4500 km von der französischen Hauptstadt entfernte Archipel noch zu Frankreich gehört.
Weitere Artikel zum Thema
Ein Film von Laurent Cistac
Wer hätte gewusst, dass die Inselgruppe ein paar Kilometer südlich von Neufundland bei Kanada liegt? Und dass der Archipel und seine Bewohner noch heute unter der wirtschaftlichen Notlage durch die Fischereikrise zu leiden haben? All diese Fragen, all das Unwissen haben meine Neugier als Regisseur geweckt. Und ich konnte den schönen Junitag kaum erwarten, an dem ich endlich auf dem Archipel ankommen sollte.
Ich wurde wiederholt vor der äußerst wechselhaften, mitunter katastrophalen Wetterlage gewarnt: „Manchmal ist die Insel wochenlang in dichten Nebel gehüllt!“ Wir hatten jedoch großes Glück: Während der gesamten Dreharbeiten schien ununterbrochen die Sonne.
Was dem Filmteam bei der Ankunft auf Saint-Pierre und Miquelon auffiel, war die Gastfreundlichkeit der Einwohner. Die meisten waren sehr hilfsbereit und taten ihr Möglichstes, um uns wertvolle Auskünfte zu geben oder Kontakte zu vermitteln. Und das, obwohl wir sie nicht gerade selten um Hilfe baten!
Saint-Pierre ist eine kleine Stadt mit bunten Holzhäusern, die äußerlich eher einer nordamerikanischen Stadt ähnelt, deren Gesellschaft jedoch typisch französisch ist. Die Mehrheit der Archipelbevölkerung lebt auf der Insel Saint-Pierre, auf der die Neubauten immer mehr Platz einnehmen.
Im offenen Meer vor Saint-Pierre liegt die wundervolle Felseninsel "Grand Colombier". Sie bietet Brutstätten für Tausende von Meeresvögeln, Papageientauchern, Watvögeln und Tordalken. Leider gibt es auf dem Archipel bisher kein einziges Naturschutzgesetz, das den Erhalt der außergewöhnlichen Artenvielfalt sichern würde.
Auf dem Flug von Saint-Pierre nach Miquelon können wir den Großteil der unberührten Natur sehen. Miquelon ist praktisch zweigeteilt: Nur ein schmaler, sandiger Landstreifen verbindet Miquelon und Langlade.
In Begleitung von Roger Etcheberry, einem der berühmtesten Naturwissenschaftler des Archipels, und Jean-Philippe Siblet, der im Auftrag des Pariser Naturkundemuseums unterwegs ist, begeben wir uns auf Entdeckungsreise. Als ein besonders schönes Erlebnis bleibt uns der Dreh der Seeschwalbenpopulationen und der Hundsrobben am Ufer der Salzwasserlagune "Grand Barachois" im Gedächtnis.
Alle Wissenschaftler unterstreichen das Bedürfnis nach Schutzmaßnahmen für die faszinierende Natur und Artenvielfalt auf Saint-Pierre und Miquelon. Aber so mancher Insulaner will sich von der Metropole nichts vorschreiben lassen und geht völlig sorglos mit seiner Umwelt um.
Auch diese Widersprüchlichkeit ist charakteristisch für die Insulaner. Sie sind auf Wirtschaftsentwicklung angewiesen, verschließen sich aber gegen Hilfe von außen. Seit dem Verbot der Kabeljaufischerei in den 90er-Jahren ist die Archipelbevölkerung gezwungen, das Meer auf alternative Art zu nutzen. Karl Beaupertuis weiß, wovon er spricht. Der ehemalige Fischer betreibt heute Aquakultur.
Die Dreharbeiten haben uns einen Einblick in das "kleine Frankreich" Nordamerikas samt seiner komplexen Gesellschaft gegeben. Die Inselgruppe, die von den Franzosen selbst leicht vergessen wird, hat sich als wahre Perle der Natur offenbart!
Erstellt: 08-12-09
Letzte Änderung: 10-06-11