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13.06.2008 - 22.55 / 14.06.08 - 03.00 / 28.06.08 - 00.55 : Tracks - 02/09/08

Dream - Lech Kowalski

Lech Kowalski hat die letzten großen Sprünge der Sex Pistols gefilmt. Seine Kult-Dokumentation D.O.A., ist Cinéma vérité aus dem Lehrbuch.

Lech Kowalskis Filmografie - Eine Auswahl

Mit D.O.A. liefert Lech Kowalski 1981 den Punkfilm schlechthin ab und qualifiziert sich damit zum Experten für Subkultur und Underground. Bei den Rencontres Internationales du Cinéma in Paris wurden 2007 seine ultrarealistischen Reportagen gewürdigt, die sich jedem ästhetischen Anspruch verweigern. Er macht nicht nur Porträts von Heroinabhängigen oder abgewrackten Rock‘n‘Roll-Heros wie Johnny Thunders und Dee Dee Ramone, sondern lässt auch seine polnische Mutter von ihrer Deportation nach Sibirien erzählen. Lech Kowalskis ist mit seiner Kamera immer da, wo es weh tut.

Lech Kowalski: "Ich wollte nie informative Filme machen, oder eine Enthüllungsdoku zu einem Thema, bei dem zwei plus zwei vier ergibt. Mir ging es eher um die philosophische Frage, warum die Dinge so passieren, wie sie passieren. Ich will keine Informationen, sondern Hintergründe. Warum tragen Leute solche Frisuren oder warum reden sie so? Ich glaube nicht daran, dass Kino was verändern kann. Für mich ist Kino ein Weg, die Realität, die mich umgibt zu erkunden, um aus ihr zu lernen."

DOA, also "Dead On Arrival", dokumentiert die letzte Sex-Pistols-Tournee und entpuppt sich als Chronik eines angekündigten Freitodes. Egal, ob bei den Ramones oder den Pistols, Kowalski präsentiert den Kollaps der Punkbewegung gnadenlos ungefiltert.
Mit 18 landet Lech in New York, und dreht ein paar Experimental-Pornos. Für "Walter and Cutie", eine seiner ersten Dokus, zahlt er einer Pornodarstellerin 100 Dollar, damit sie mit einem alten Mann schläft. Sein nächster Streifen zeigt den ganz normalen Alltag eines Junkie-Pärchens… Aber irgendwie passiert da nichts. Das Thema, bei dem endlich der Punk abgeht, findet er direkt vor seiner Nase, in der Lower East Side.

In dem heruntergekommenen Viertel entdeckt Lech Kowalski im legendären CBGB die schon bald nicht minder legendären New York Dolls. Noch während der Dreharbeiten für "Born To lose" mit New York Dolls-Gitarrist Johnny Thunders, entscheidet sich Kowalski dafür, die US-Tournee der Sex Pistols zu dokumentieren.
Zwischenzeitlich wendet sich Kowalski anderen Themen zu, und so erscheint 1991 seine Doku "Rock Soup" über ein Obdachlosencamp mitten in Manhattan. Noch im selben Jahr holt ihn aber die tödliche Überdosis seines Freundes Johnny Thunders in die Rock‘n‘Roll-Welt zurück. Kowalski sammelt sein Bildmaterial und macht sich auf die Suche nach den Angehörigen des Gitarristen. 1998 stellt er mit der nach einem Titel der New York Dolls benannten Reportage "Born to lose" eine seiner ergreifendsten Arbeiten fertig.

Lech Kowalski: "Man hat mir vorgeworfen, prinzipienlose Filme zu machen. „Du pickst dir einfach einen Junkie oder einen Obdachlosen raus… Leichte Beute“. Aber ich sehe das anders. Ich habe von Anfang an Filme über Persönlichkeiten gemacht, die sich in Frage stellen, die versuchen, nach ihren eigenen Regeln zu leben. Menschen am Rande der Gesellschaft, die ein sehr erfülltes Leben führen. Sie konsumieren weder die Realität, noch Produkte, sie sind Anti-Konsumenten. Und das macht sie für mich interessant. Was macht eine Person aus? Ein Leben, was ist das?"

Nach dem Mauerfall führt seine unermüdliche Suche nach Outsidern Kowalskis nach Polen. „Boot Factory“ handelt von einer Handvoll Punks, die - statt eine Band zu gründen - ihre eigene Schuhfabrik aufmachen. Zwei Jahre später erhält der Kosmopolit beim internationalen Dokumentarfilmfestival von Amsterdam den Sonderpreis der Jury. Sein Roadmovie „On Hitler’s Highway“ beschäftigt sich mit der Autobahn, die Hitler 1937 bauen ließ, um besser in Polen einfallen zu können.
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Die Filmausschnitte
"On Hitler's Highway" – Lech Kowalski - 2002
"Hey! Is Dee Dee Home" – Lech Kowalski – 2002
"Born to lose" – Lech Kowalski - 2001
"The Boot Factory" – Lech Kowalski - 2000
"Rock Soup" – Lech Kowalski - 1991
"Story of a Junkie" – Lech Kowalski - 1987
"Dead On Arrival (DOA)" – Lech Kowalski - 1981

Links
>> Lech Kowalski beim Internationales Filmfestival Frankfurt 2006
>> Die "Rencontres Internationales du Cinéma" - Paris
>> Alle Filme von Lech Kowalski auf Extinkt Films
>> Lech Kowalskis Blog
>> Dead on camera : The films of Lech Kowalski
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TRACKS
Freitag, den 13. Juni 2008 um 22.55 Uhr
Wiederholungen am 14. Juni 2008 um 03.00 Uhr
und am 28. Juni um 00.55 Uhr
Redaktion: ARTE France, P33
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Erstellt: 12-06-08
Letzte Änderung: 02-09-08