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11/05/10

Donnerstag, den 05. Oktober 2006

Iranische HipHop-Szene
HipHop im Staat der Mullahs? Kaum vorstellbar. Verhängte doch Präsident Mahmut Ahmadinedschad Ende vergangenen Jahres ein Dekret, das dem staatlichen Rundfunk Irans die Ausstrahlung westlicher Popmusik erneut untersagt. Zu "dekadent", zu "unmoralisch" sei sie. Und wenn schon das Hören von Rock, Pop und HipHop verboten ist, scheint das Selbermachen eigentlich gänzlich unmöglich. Doch trotz der Schikanen der Tugendwächter gibt es eine kleine HipHop-Community in Teheran, rund um den Rapper Sorush, Künstlername "Hich-Kas", was "Niemand" bedeutet. Wenn's nicht offiziell geht, dann eben aus dem Untergrund oder geheim hinter verschlossen Türen - ein Prinzip, nach dem die junge Generation im Iran leben muss, wenn sie der starren Doktrin entfliehen will. Hich-Kas ist so etwas wie der Pionier der Teheraner Szene und macht seit fünf Jahren Musik: zunächst unter dem Pseudonym "021", der Postleitzahl der iranischen Hauptstadt, und in englischer Sprache. Inzwischen rappt er in Farsi. Veröffentlichen darf er seine Musik natürlich nicht, aber wozu gibt es das World Wide Web, die mittlerweile wichtigste Kommunikationsplattform zum Austausch nicht-staatskonformen Gedankengutes im Iran? Hich-Kas stellte seine Lieder einfach zum Downloaden ins Netz.
Über das Internet lernte er auch den in London lebenden iranischen Rapper Reveal kennen. Zusammen haben sie einen Clip zum Song "Trippe Ma" produziert. "Tracks" begegnet Reveal in London und trifft sich zusammen mit Hich-Kas in Teheran, um über westliche Musik und die Beibehaltung eigener Traditionen zu sprechen. Außerdem besucht "Tracks" die iranische Rap-Band "Daad" ("Der Schrei"), die ihre Basis in Berlin hat.

Shirin Neshat
Mit 17verließ sie den Iran, um in den USA Kunst zu studieren. Das war 1974. Als Khomeini die Islamische Revolution ausrief, konnte sie nicht mehr in den Iran zurück. Erst 26 Jahre später sah sie ihr Heimatland wieder. Und was sie vorfand, war eine radikal umgestaltete Gesellschaft. Der Besuch des Irans blieb nicht ohne Folgen: Shirin Neshat begann, sich in ihren Arbeiten, mit der Rolle der Frau im Islam auseinanderzusetzen. Das Ergebnis: ihre erste Fotoserie "Women of Allah" (1994). Die Bilder zeigen muslimische Frauen, teilweise bewaffnet, auf deren entblößten Körperteilen Gedichtzeilen von feministischen Autorinnen eingraviert wurden. Heute zählt Shirin Neshat mit ihren eindrücklichen Videoinstallationen, Filmen und Schwarz-Weiß-Fotografien zu den wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. "Tracks" trifft sie in ihrer Wahlheimat New York.

Live: Shanbehdazed Ensemble
Die Bushehri-Region im Süden Irans ist seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel der Kulturen. Hier treffen persische, arabische und afrikanische Einflüsse aufeinander. Und das ist nicht folgenlos für die Musik, wie Saeid Shanbehzadeh beweist. Im südiranischen Bushehr geboren, lebt der Bandleader seit ein paar Jahren in Frankreich. Und da die heimatlichen Einflüsse offenbar noch nicht genug sind, fügt er traditionellen persischen Klängen und afrikanischen Rhythmen noch eine Prise westlichen Jazz hinzu und würzt das ganze mit ekstatischen Tänzen. Immer auf der Bühne mit dabei: der Nayanban, eine Art Dudelsack aus Lammhaut.
"Tracks" zeigt das Shanbehdazed Ensemble live on stage - ein musikalisches und optisches Performance-Feuerwerk.

Erstellt: 24-05-06
Letzte Änderung: 11-05-10