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Jeden Sonntag um die Mittagszeit beschäftigt sich die Sendung "Square" mit Künstler/innen oder Intellektuellen – diese sprechen sowohl über ihre eigene Aktualität als auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen.

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Jeden Sonntag um die Mittagszeit beschäftigt sich die Sendung "Square" mit Künstler/innen oder Intellektuellen – diese sprechen sowohl über ihre eigene (...)

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Sonntag, 04. März 2012 um 11.45 Uhr - 29/02/12

Square #08 - Eduard Limonow

Er führt ein anderes Leben als wir, dieser Eduard Limonow. Manche sagen, er habe tausend Leben gelebt: Gauner und Dichter in seiner Jugend in Charkow, Butler eines Milliardärs in Manhattan, Journalist, Schriftsteller und Dandy in Paris, serbischer Soldat bei der Belagerung von Sarajewo, Gründer der Nationalbolschewistischen Partei in Moskau, erbitterter Putin-Gegner und seit kurzem auch noch der Held des nach ihm benannten Romans von Emmanuel Carrère. Über all dem geht fast unter, dass Limonow auch schreibt, von Jugendjahren an.

"Ich liebe den Wahnsinn, mein ganzes Leben zeigt es." (Tagebuch eines Pechvogels)

Ein schillerndes Chamäleon, dessen ganze Komplexität unsere Begegnung zeigen soll, bis hin zum Limonow von heute, der im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen am 4. März gegen die herrschende Macht ins Feld zieht.

Empfangen wurden wir zunächst von zwei Leibwächtern, die ihn rund um die Uhr beschützen. Er selbst erwartet uns in seinem Büro, in einer Moskauer Vorstadt, nervös und angespannt, eine Kopeken-Münze in der einen Hand, mit der er, fast den ganzen Tag lang, die Fläche seiner anderen Hand schabt, als wollte er ein Loch hineingraben. Bis auf einige Fotos von ihm, aus verschiedenen Lebensepochen, ist die Wohnung so gut wie leer: "Eine möblierte Wohnung, erklärt er, macht mir Angst."

Eine gute Stunde lang sprechen wir dort mit ihm, über das Schreiben, seine Kämpfe, das Gefängnis und den Ruhm, nach dem er sein Leben lang strebte und bis heute strebt.

Der zweite Teil des Gesprächs findet im Zentrum von Moskau statt, im Museum Galerie Tretjakow, ganz in der Nähe des Kremls. Wir fahren im Auto hin, er in einem alten Wolga, dem Volkswagen der Sowjet-Ära. In den Räumen der Galerie spricht er über den Zustand Russlands. Von den Präsidentschaftswahlen ausgeschlossen, beobachtet er die Manöver des Usurpators Putin und der "offiziellen" Opposition, die toleriert wird, weil sie gehorcht. Limonow will weiter für die Demokratie kämpfen, auch nach den Wahlen. Er ruft das Volk zu einer "friedlichen Revolution" auf, um sein Recht auf wirklich freie Wahlen durchzusetzen.

In einem Saal des Museums stellt er uns zuletzt seinen russischen Lieblingsmaler vor: Mikhail Wrubel (1856-1910), ein Symbolist, dessen Ruhm umstritten ist. Kein Wunder, denkt man unwillkürlich, dass Limonow sich ihm verwandt fühlt. Er führt eben ein anderes Leben als wir.

Eduard Limonow vor der Galerie Tretiakov.

Foto-Shooting

Samstag, 10.3. um 06.45 Uhr

Mit dem französisch-russischen Schriftsteller Eduard Limonow in Moskau.


SQUARE: Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen.

Square
Samstag 10. März 2012 um 06.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Deutschland, 2012, 43mn)
ARTE

Erstellt: 29-02-12
Letzte Änderung: 29-02-12