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03/01/12

Zu Tisch in Kirgisistan

Kirgisistan liegt in Zentralasien. Die Endung „-stan“ bedeutet Land oder Region und zeigt die kulturelle Verbindung zu anderen Ländern wie Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan.

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Im achten Jahrhundert wurde das Gebiet des heutigen Kirgisistan von turkstämmigen Einwanderern bevölkert. Im Laufe der Geschichte wurde es von Mongolen, Chinesen und Russen erobert und erlangte erst 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seine Unabhängigkeit. Seither war Askar Akajew Staatspräsident der jungen Demokratie. Machtmissbrauch und Wahlmanipulationen führten in diesem Jahr jedoch dazu, dass die Demokratie-Bewegung genau wie in Georgien und der Ukraine einen Machtwechsel herbeiführte.

Kirgisistan liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Italien aber da ein Großteil des Landes im sogenannten „Himmelsgebirge“, dem Tianschan, liegt, ist das Klima dort im Vergleich sehr rau. Heute verbringen die meisten Kirgisen die kalten Winter in den Städten im Tal, während der Sommermonate leben aber viele wie ihre Vorfahren ohne die Vorzüge der Zivilisation als Nomaden in den Bergen. Dort wohnen sie in ihren selbstgebauten Jurten und müssen ohne fließendes Wasser und Strom auskommen.

Auch Nurgul und Bayisch Rayimow kommen mit einigen Verwandten in die Berge und genießen mit ihren Schaf-, Kuh- und Pferdeherden das Leben in Natur und Freiheit. Schweine haben sie keine, denn die Rayimows sind wie die meisten Kirgisen Muslime. Das Vieh frisst sich auf den saftigen Sommerweiden des Hochlandes satt und gesund. So schmeckt die Milch besonders gut. Während ihr Mann die Tiere versorgt, ist Nurgul für das Waschen und Kochen zuständig, was natürlich ohne fließend Wasser und Strom sehr anstrengend ist. Alle zwei Stunden muss Nurgul die Stuten melken. Tagsüber profitieren die Menschen von der Pferdemilch, nachts dürfen die Fohlen trinken. Aus der Stutenmilch wird Kymis, das beliebte Nationalgetränk der Kirgisen, gemacht. Die Milch wird vergoren und geschlagen bis ein leicht alkoholisches Getränk entsteht, das sehr gesund und selbst für Kinder gut sein soll. Der Ofen steht tagsüber normalerweise im Freien, nur bei schlechtem Wetter bleibt er in der Jurte. Dort dient er nachts als Heizung, denn die Nächte auf 3000 Meter Höhe sind selbst im Sommer kühl. Während der Monate im Bergland stehen Nudeln, einfache Teigwaren, Suppen und Fleisch auf dem Speiseplan. Frisches Gemüse ist eher rar, eigentlich gibt es nur Kartoffeln, Karotten und wild gewachsene Frühlingszwiebeln.

Deswegen dient das Gemüse meist nur als Würze. Für Nurgul wird es besonders anstrengend, wenn Besuch angesagt ist. Freunde und Verwandte, die ihren Urlaub in der klaren Bergluft verbringen wollen, sind immer willkommen. Für Gäste wird das traditionelle Gericht „Bishbarmak“ zubereitet. Bishbarmak heißt „Fünf Finger“ und wird seit jeher ohne Messer und Gabel mit den bloßen Händen gegessen. Der Gast bestimmt ein Schaf aus der Herde, was dann von den Männern geschlachtet, ausgenommen und in 12 Teile zerlegt wird. Nurgul bereitet aus den Knochen und den Innereien das „Bishbarmak“ zu. Je nach Bedeutung des Gastes hat jeder ein Anrecht auf einen bestimmten Knochen. Vor den Alten hat man in Kirgisistan großen Respekt. Deswegen bekommt der Älteste den Ehrenknochen (den Beckenknochen); die Kinder essen die weniger beliebten Teile des Schafes, zum Beispiel die Füße oder die Ohren.

Wenn der Sommer vorbei ist, kehren die Nomaden wieder zu ihren Häusern im Tal zurück. Nurgul wurde von ihrem Mann entführt, so will es die kirgisische Tradition des Brautraubs, und nun führt sie ein Leben als Hausfrau und Mutter. Sie hofft, dass es ihren drei Töchtern anders ergehen wird. Vielleicht werden sie studieren und über ihr Leben selbst bestimmen können.

Zu Tisch in ... Kirgisistan
Freitag 13. Januar 2012 um 14.15 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2005, 26mn)
ZDF

Erstellt: 03-01-12
Letzte Änderung: 03-01-12


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