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ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

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ARTE Journal - 01/05/12

Dienstag, 01. Mai 2012

  • Europa: 1. Mai gegen das "Kaputtsparen" und "gierige Eliten"
    In Spanien, Griechenland und Italien demonstrierten die Teilnehmer der traditionellen Mai-Kundgebungen gegen die rigorose Sparpolitik der einzelnen Regierungen und für eine Belebung der Wirtschaft. In Deutschland forderten Hunderttausende einen allgemeinen Mindestlohn von 8,50 Euro. DGB-Chef Michael Sommer verlangte eine Steuer auf Spekulationsgeschäfte. Er sprach von einem harten Kampf gegen Niedriglöhne, die Macht der Banken und
    Spekulanten und gegen die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung. Dafür erhielt er in Stuttgart tosenden Applaus. Die Roststift-Politik in Europa belaste die Arbeitnehmer und sei falsch, sagte Sommer. «Denn es sind doch nicht die Menschen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern es sind die gierigen Eliten, die die Staaten ausgeplündert haben und es weiter tun und tun wollen.» Es gebe «nur eine vernünftige Möglichkeit, um eine Schuldenbremse überhaupt sozial gangbar zu machen. Die Steuern für Reiche müssen endlich wieder rauf». Zu den Kundgebungen kamen nach DGB-Berechnung bundesweit 419 000 Menschen.

  • Frankreich: Hochspannung am 1. Mai
    Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Frankreich zeigte sich am 1. Mai eine harte Polarisierung. Der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy forderte die Gewerkschaften auf, "ihre roten Fahnen niederzulegen und dem Vaterland zu dienen". Vor rund 200.000 Anhängern verlangte er in Paris ein neues Sozialmodell und beklagte, es seien zu viele Ausländer im Land. Sein Herausforderer in der Stichwahl, der Sozialist François Hollande, warf Sarkozy vor, Wählerfang am rechten Rand zu treiben. Hollande führt in allen Umfragen. Sarkozy ist auf das Wählerpotential der rechtsextremen Marine Le Pen angewiesen, die im ersten Wahlgang 18 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Le Pen rief heute dazu auf, weder Sarkozy noch Hollande zu wählen, sondern ungültig. An den Maikundgebungen der Gewerkschaften nahmen doppelt so viele Menschen teil wie im vergangenen Jahr.

  • Großbritannien: Murdoch bekommt echte Probleme
    Der 81jährige Medienmogul Robert Murdoch ist ungeeignet, ein internationl aktives Unternehmen zu führen. Zu diesem Ergebnis kommt ein britischer Untersuchungsausschuss, der Affären um Bestechung und illegale Recherchemethoden von Murdoch-Unternehmen aufklärt. Der Medien-Mogul soll das Parlament zudem massiv getäuscht haben. Durch sein Imperium hatte Murdoch immer wieder versucht, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Das Ergebnis des Berichtes könnte seine geschäftlichen Aktivitäten massiv ausbremsen. Seine News Corporation hält derzeit 39,1 Prozent der Anteile beim britischen Fernsehkonzern BSkyB. Ein Versuch Murdochs, auch die restlichen Anteile zu übernehmen, war bereits wegen der Affären gescheitert. Unter anderem waren Telefone und E-mail-Konten von Prominenten und Verbrechensopfern angezapft worden. Auch die Bestechung von Polizisten wird dem Konzern zur Last gelegt.

  • Niederlande: Haschisch nur noch für Einheimische
    Im Kampf gegen den Drogentourismus dürfen Coffeeshops in drei niederländischen Grenzprovinzen seit dem 1. Mai Haschisch und Marihuana nur noch an Einheimische verkaufen. Damit werden die Coffeeshops in den Provinzen Limburg, Nord-Brabant und Zeeland an der Grenze zu Deutschland und Belgien in Privat-Clubs mit maximal 2000 eingetragenen Mitgliedern verwandelt. Diese müssen mindestens 18 und Einwohner der Niederlande sein und sich mit einer "Cannabis-Karte" ausweisen. So soll der Drogentourismus mit Folgen wie Verkehrsstaus, Ruhestörung und Straßenhandel bekämpft werden. Allein die Stadt Maastricht zählt jährlich rund 1,4 Millionen Drogentouristen vor allem aus Deutschland, Belgien und Frankreich. Ab 2013 sollen alle 670 Coffeshops in den Niederlanden für Ausländer tabu sein.

  • Krambambulya: Kostenlose Visa für die Fans
    In ihrer Heimat Belarus hat die Band "Krambambulya" Auftrittsverbot. Der weißrussische Diktator Aljaksandr Lukaschenka versteht keinen Spaß, wenn es um regimekritische Kunst geht. Deshalb weichen die Musiker und ihre Fans ins Nachbarland Litauen aus, ins nur 170 Kilometer von Minsk entfernte Vilnius. "Dieses Konzert in Vilnius hat eine große Bedeutung für mich. Wir spüren die Freiheit hier, wir haben keine Angst, keine Beklemmungen, wir werden von niemanden gestört... " Eigentlich ist die Überwindung der EU-Außengrenze teuer. 60 Euro kostet ein Visum. Deshalb hat die litauische Regierung tausende kostenloser Visa für die Fans bereit gestellt. Vom Glück, einfach Rock spielen und hören zu können, berichtet Kolja Kandziora.
    Unser Reportage

  • Mali: Präsidentengarde gegen Junta
    Nach dem Militärputsch im westafrikanischen Mali gibt es weiter keine Rückkehr zur Normalität. Mehrere Menschen wurden bei Schießereien zwischen Soldaten der bisherigen Junta und Mitgliedern der Präsidentengarde am Sitz des Staatsrundfunks getötet. Dessen Gebäude in der Hauptstadt Bamako ist seit dem Militärputsch vom 22. März gegen Präsident Amadou Toumani Touré von der Armee besetzt. Schüsse fielen auch an anderen Orten in Bamako und in der nahen Garnisonsstadt Kati. Dort ist das Hauptquartier der ehemaligen Junta. Der in der Krise vermittelnde Präsidenten von Burkina Faso, Blaise Compaoré, sagte ein Treffen mit der Ex-Junta ab.
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Erstellt: 28-01-12
Letzte Änderung: 01-05-12