Seit der Antike haben sich Griechen und Römer für die Auster interessiert und sie in großen Mengen roh gegessen. Die Legende besagt, dass der Kaiser Vitellius 1.200 Stück an einem Tag verschlungen haben soll. Die Auster sieht auf den ersten Blick nach nichts aus, wenn sie so am Felsen klebt, gefangen in ihrer Schale aus Perlmutt. Die Auster kann weder sehen, riechen noch hören. Sie mag weder große Kälte noch Hitzewellen. Was das Geschlecht angeht, so hat die Auster eine kleine Besonderheit vorzuweisen: dieses Weichtier ist ein Zwitter. Je nach Alter ändert sie ihr Geschlecht. Vielleicht ist das der Grund, warum die Menschen ihr unglaubliche aphrodisierende Qualitäten zugeschrieben haben, die selbst die Gelehrten ratlos machten. Während die Menschen im Mittelalter die Austern gekocht, als Ragout oder in einer Pastete genossen, essen wir sie heute meistens roh. Um ihre Frische zu prüfen, kitzelt man sie mit einigen Tropfen Zitronensaft. Wenn sie sich dann zusammenzieht, ist sie frisch. Andere ziehen es vor, sie mit einer Vinaigrette zu wecken. Aber für die wahren Genießer ist es immer noch das Beste, sie natur zu essen, um ihren ganzen Geschmack zu genießen.
Wer die Hoffnung hegt, beim Essen auf eine Perle zu stoßen, der sollte wissen, dass Austern drei bis fünf Jahre brauchen, um eine Perle zu bilden. Doch leider verspeisen wir diese Köstlichkeiten schon viel früher.
Buch-Tipp: Austern / Huitres / Oysters
Kulinarische Strandwanderungen
Hädecke, 1994
ISBN: 3775002553






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