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Das Leben, ungeordnet

In der Nähe von Paris befindet sich die psychiatrische Ambulanz von Saint-Germain-en-Laye. Hier hilft ein engagiertes Team den Patienten den Weg in ein geordnetes Leben zurückzufinden.

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Das Leben, ungeordnet

In der Nähe von Paris befindet sich die psychiatrische Ambulanz von Saint-Germain-en-Laye. Hier hilft ein engagiertes Team den Patienten den Weg in ein (...)

Das Leben, ungeordnet

04/05/12

Die häufigsten psychischen Störungen

Verhaltens- und psychische Störungen kommen zwar häufig vor, sind jedoch oft vorübergehend und mit kurzen akuten Phasen verbunden. Schwerere Pathologien hingegen wie Depressionen, Phobien, Süchte, Schizophrenien und OKS (Obsessive Kompulsive Störungen) sind nicht Teil des normalen Lebensverlaufes, sondern ziehen die Persönlichkeitsentwicklung in Mitleidenschaft, unabhängig davon, ob sie das Denken, die Emotionen oder den Körper betreffen.

Zu den zahlreichen Ursachen dieser Probleme zählen genetische und organische Faktoren, aber auch seelische Verletzungen oder einfach nur bestimmte Lebensbedingungen. Die Symptome der verschiedenen Pathologien reichen von Problemen des Ausdrucks oder der Strukturierung des Denkens über Schlafstörungen bis zum Rückzug aus der Gesellschaft. Diese Komplexität schlägt sich in der Anzahl der festgestellten Störungen nieder, von denen hier nur die häufigsten genannt werden.

Depression



Müdigkeit, Demotivierung, Wertlosigkeitsgefühl, Verzweiflung … Das sind die Symptome des depressiven Zustands, der auch den Schlaf, den Appetit, die Libido und die Selbstachtung in Mitleidenschaft ziehen kann. Je nach Individuum und Kontext wird die Depression unterschiedlich empfunden: Sie kann tief oder leicht, zeitlich begrenzt (Beispiel: „Babyblues“) oder latent sein. Sie kann den Betroffenen ausgrenzen und in einen Teufelskreis geraten lassen: Je mehr sich sein Zustand verschlechtert, desto tiefer versinkt er in der Depression; und je deprimierter er ist, desto mehr verschlechtert sich sein Zustand.

Angst


Angst kann sich durch eine ständige und unbegründete Sorge ausdrücken, die sämtliche Aspekte des Alltagslebens betrifft. Diese Neurose kann Mattigkeit, Schlaflosigkeit und andere körperliche Symptome hervorrufen (Erhöhung des Herzrhythmus, Verdauungsprobleme, Muskelspannungen und Zittern). Besonders ängstliche Menschen können auch Panikanfälle, Phobien und Zwangsstörungen entwickeln.

Obsessive Kompulsive Störung (OKS)



Bei dieser Neurosenform hat der Betroffene immer wieder zerstörerische Obsessionen und reagiert mit Zwangshandlungen, um diese Gedanken loszuwerden. So wird ein Mensch, der an OKS leidet und eine irrationale Angst vor Bakterien hat, sich immer wieder die Hände waschen oder die Wohnung saubermachen.

Phobien



Von Phobien spricht man, wenn der Betroffene übertriebene oder unangemessene Angst vor einer Situation oder einem Objekt hat. Er organisiert sein Leben so, dass er nie damit konfrontiert wird. Die Symptome dieser Neurose ähneln denen der Angst; die kritischsten Fälle können Panikattacken auslösen.

Bipolare Störungen

Bipolare Störungen drücken sich vor allem in Stimmungsveränderungen aus. Auf Hyperaktivität und Begeisterung können unterschiedlich lange depressive Zeiten folgen. Je nach Häufigkeit und Intensität der Stimmungsschwankungen gibt es unterschiedliche Arten von bipolaren Störungen.

Schizophrenie

Schizophrenie kann nicht eindeutig diagnostiziert werden. Wenn jemand allerdings verworrene, chaotische Gedanken hat, Stimmen hört, Unsichtbares sieht oder Absurdes glaubt, so zählt dies zu den Symptomen der Psychose. Doch nicht jeder, der diese Symptome aufweist, ist zwangsläufig schizophren: Sie können lediglich Verwirrung und Rückzug auf sich selbst ausdrücken.

Persönlichkeitsstörungen



Der Begriff „Persönlichkeit“ verweist auf die Anpassungsfähigkeit der Person: Die menschliche Persönlichkeit entwickelt sich je nach Erfahrungen und Umfeld ihr ganzes Leben lang. Individuen mit Persönlichkeitsstörung – im Extremfall Psychopathen – haben nur eine begrenzte Bandbreite von Emotionen, inneren Einstellungen und Verhaltensweisen, um auf Veränderungen zu reagieren. Daher ist ihre Anpassungsfähigkeit – Gedanken, Gefühle, Einstellung – eingeschränkt

Ernährungsstörungen



Zu viel oder nicht genug essen, sich die Nahrungsaufnahme verbieten oder sich Exzesse erlauben – all dies können Zeichen für Ernährungsstörungen sein. Die Gedanken der von Bulimie oder Anorexie Betroffenen kreisen ständig um Nahrung und Gewicht. Diese Störungen sind meistens Ausdruck tiefer liegender Probleme und verbergen einen seelischen Schmerz.

Selbstverstümmelung

Selbstverstümmelung ist Ausdruck tiefer seelischer Not. Wer sich selbst Schmerz zufügt, hat das Gefühl, dadurch mit der Umwelt zu kommunizieren, einen „inneren Schrei“ auszustoßen. Das verschafft ihm Erleichterung, ohne jedoch die ursprüngliche Bedrängnis zu vertreiben.

Selbstmordgedanken

Depressive Personen, Menschen mit Persönlichkeitsstörungen und Schizophrene hegen oft Selbstmordgedanken. Je stärker ausgeprägt die Depression, desto höher das Risiko, den Gedanken zur Tat werden zu lassen.

Panikattacken

Atemnot, erhöhter Herzrhythmus, Brustschmerzen, Zittern, Hektik – all das sind mögliche Erscheinungsformen einer panischen, plötzlichen und intensiven Angst. Diese Symptome, die denen eines Herzanfalls ähneln, können zu jeder Zeit auftreten. Das unterscheidet sie von der natürlichen Reaktion auf eine echte Gefahr.

Illustrationen: http://www.graphicpatrick.com

Troubles mentaux et représentations de la santé mentale en France, Drees, 2004

www.sante.gouv.fr/IMG/pdf/er347.pdf

 

Sciences Humaines, Nr. 20, „Les Troubles mentaux“, 2010

http://www.scienceshumaines.com/les-troubles-mentaux_fr_384.htm

 

Erstellt: 03-05-12
Letzte Änderung: 04-05-12