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22/05/04

Die fetten Jahre sind vorbei

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Deutschland/Österreich 2004, 126 Min.
Regie: Hans Weingartner
Mit Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
Synopsis: Jan (Daniehl Brühl), sein bester Freund Peter (Stipe Erceg) und dessen Freundin Jule (Julia Jentsch) sind drei junge und idealistische Rebellen, die den heimischen Bonzen mit ihren ganz individuellen Erziehungsmethoden Angst einjagen wollen: Sie brechen in deren Villen ein, und verrücken dort sämtliche Möbel. Als sie dabei auf frischer Tat von einem Millionär (Burghart Klaußner) ertappt werden der Jule kennt, beginnen die Probleme: Die drei entführen ihn, doch was dann?
Kritik: Die Thematik des Films ist für den in Österreich geborenen Regisseur Hans Weingartner eine Auseinandersetzung mit seinen eigenen Idealen. Jahrelang versuchte er, Teil einer politischen Bewegung zu werden, die für ihn Sinn machte, aber er fand keine. In den teils endlos erscheinenden Monologen seines Hauptdarstellers Jan findet sich deshalb auch der ungerichtete idealistische Anspruch Weingartners wieder. Zum Glück entwickelt sich die Geschichte nicht nur zu einer Ménage áTrois, sondern führt zu einem ganz unfreiwilligen Kidnapping.
Burghart Klaußner als entführter Millionär Hardenberg rettet den Film davor, in gemeine Dialogfallen und Klischees abzurutschen. Mit jeder Minute entfernt sich der Manager mit dem 14 Stunden Arbeitstag mehr und mehr von seinen bürgerlichen Idealen, die für ihn allmählich fast Gefängnischarakter annehmen. In seiner neuen Situation dagegen fühlt er sich mehr und mehr frei, vergisst fast Entführter zu sein und genießt eine völlig vergessene Leichtigkeit. Er dachte stets, mit dem Geld kommt die Freiheit, doch das erwies sich als falsch. Die drei jungen Rebellen erinnern ihn an seine eigene Zeit in den 68ern als er in einer 6er Wohngemeinschaft lebte und die ‚freie Liebe’ propagierte.
Währenddessen muss Peter schmerzlich herausfinden, dass seine Freundin Jule sich in Jan verliebt hat. Weingartner lässt seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen. Wie in seinem ersten Film DAS WEISSE RAUSCHEN hat er auch hier wieder mit einem kleinen Budget und einem kleinen Team gedreht. Das bringt Weingartner die nötige Flexibilität, die er braucht, denn er sagt: „die besten Ideen kommen mir beim Drehen selbst“ Über das Ende des Films lässt sich streiten, fest steht, dass es mehrere Möglichkeiten gab, und sich Weingartner für die kommerziellste Version entschieden hat. Aber die Widersprüche sind ohnehin in diesem Fall immanent.
Immerhin wurde der Film mit dem radikalen Anspruch seiner Hauptfiguren als erster deutscher Wettbewerbsbeitrag seit 11 Jahren in Cannes mit einer opulenten Party in der Villa Mai mit reichlich Champagner begossen. Verrückte Sofas und Stühle im Eingangsbereich dienten dabei als Partydeko. So hätte der Film selbst wiederum Anlass genug sein können für eine ‚unberechtigte Erziehungsmaßnahme’Dritter.
Nana A.T. Rebhan 

Erstellt: 18-05-04
Letzte Änderung: 22-05-04