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Kino auf ARTE - 21/05/12

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

(The Three Burials of Melquiades Estrada)
Spielfilm, USA, Frankreich, 2005, ARTE F / ARD, 116 Min.
Regie: Tommy Lee Jones, Drehbuch: Guillermo Arriaga, Kamera: Chris Menges, Kostüme: Kathleen Kiatta, Musik: Marco Beltrami, Schnitt: Roberto Silvi, Produktion: Javelina Film Company, Produzent: Michael Fitzgerald, Luc Besson, Pierre-Ange Le Pogam, Tommy Lee Jones
Mit: Tommy Lee Jones (Pete Perkins), Barry Pepper (Mike Norton), Julio César Cedillo (Melquiades Estrada), Dwight Yoakam (Sheriff Belmont), January Jones (Lou Ann Norton), Melissa Leo (Rachel), Vanessa Bauche (Mariana), Levon Helm (Old Man W/Radio), Mel Rodriguez (Captain Gomez), Cecilia Suárez (Rosa)

Im ländlichen Texas, nahe der mexikanischen Grenze, findet man die Leiche des illegalen Landarbeiters Melquiades Estrada. Niemand scheint sich für die Hintergründe des Falls zu interessieren - bis auf Pete Perkins, ein Freund Estradas. Er findet heraus, dass der aggressive Grenzpolizist Mike Norton Melquiades erschossen hat. Daraufhin nimmt Perkins den jungen Cop als Geisel und zwingt ihn, Estrada wieder auszugraben, um die Leiche nach Mexiko zu überführen. Von der amerikanischen Polizei gejagt, beginnen die beiden Männer den Weg nach Mexiko.



Ein trostloses Kaff in Texas, nahe der Grenze zu Mexiko: In dieser gottverlassenen Einöde des amerikanischen Südwestens wird mitten in der Wüste eine Leiche gefunden. Wie so viele Mexikaner war Melquiades Estrada hier illegal als Landarbeiter tätig: eine billige Arbeitskraft, von den Einheimischen verachtet, von den Ranchern gerne ausgenutzt. Obwohl Estrada erschossen wurde, scheint sich niemand für eine Suche nach dem Täter zu interessieren, am allerwenigsten die Polizei. Allein der alternde Cowboy Pete Perkins will sich mit dem Desinteresse der Behörden nicht zufriedengeben. Estrada war sein Freund, und Pete hatte einst versprechen müssen, ihn nach Mexiko zu seiner Familie zurückzubringen, sollte er in Texas sterben.
Auf eigene Faust stellt Pete Nachforschungen an und findet heraus, dass der junge Grenzpolizist Mike Norton den wehrlosen Arbeiter in Übereifer und aufgrund eines tragischen Missverständnisses tötete. Pete dringt nachts in das Haus des Grenzers ein, nimmt ihn als Geisel und zwingt ihn, Estradas Leiche wieder auszugraben: Mit Mike als unfreiwilligem Helfer will er sein Versprechen erfüllen und den Leichnam nach Mexiko überführen.
Der beschwerliche Weg durch die texanische Wüste entwickelt sich für die beiden ungleichen Männer zu einer spirituellen Reise, auf der sie mit ihren ganz persönlichen Dämonen und Ängsten konfrontiert werden. In Estradas Heimat angekommen, erwartet Pete allerdings eine Überraschung, die seine gesamte Mission infrage stellt.

Als Oscarpreisträger Tommy Lee Jones, in den letzten Jahren zu einem der eindrucksvollsten Charakterdarsteller des amerikanischen Kinos avanciert, bei den Filmfestspielen von Cannes 2005 sein Regiedebüt vorstellte, wurde er von der internationalen Kritik als geborener Filmemacher gefeiert; wenngleich mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. In der Tradition von Sam Peckinpah hat Jones einen zeitgenössischen Western im Cinemascope-Format inszeniert, der bei aller äußeren Dramatik auch eine poetische Meditation über vermeintlich überholte Werte wie Ehre und Loyalität darstellt.
Zugleich porträtiert der Film nach einem Drehbuch des ebenfalls in Cannes preisgekrönten Guillermo Arriaga ("Amores Perros - Von Hunden und Menschen" (2000), "Babel" (2006)) mit außergewöhnlichem Feingefühl das Leben in der tiefsten texanischen Provinz - einem Stück Amerika, das man in dieser berührend-realistischen Form nur selten im Kino zu sehen bekommt. Kaum weniger beeindruckend als Jones ist Barry Pepper ("Flags of Our Fathers") als frustrierter, seelisch verwahrloster Grenzpolizist.

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada
Dienstag 5. Juni 2012 um 00.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(USA, Frankreich, 2005, 116mn)
ARTE F / ARD

Erstellt: 21-05-12
Letzte Änderung: 21-05-12