Mit Robert Lepage, Anne-Marie Cadieux, Marco Poulin, Celine Bonnier
Synopsis: Jahrelang haben sich Philippe und André nicht gesehen. Es gibt nicht viel, was sich die beiden Brüder zu sagen hätten, denn sie sind sehr unterschiedlich. Doch der Tod der Mutter lässt die ungleichen Wege der Beiden sich für kurze Zeit überkreuzen.
Kritik: Robert Lepage ist ein Multitalent, wie sich nicht nur an diesem Film zeigt. Der Kanadier ist ein international bekannter Theater- und Filmregisseur, Schauspieler und Autor. Gerade bei seinen Theaterarbeiten versucht er ständig neue Technologien mit einzubeziehen, und beeinflusst dadurch viele seiner Zeitgenossen. Bei Die andere Seite des Mondes zeichnet er nicht nur für das Buch und die Regie verantwortlich, sondern hat auch gleich noch die beiden Hauptrollen der ungleichen Brüder selbst übernommen – eine große Leistung. Philippe wohnt noch in der Wohnung, in der sie als Kinder aufgewachsen sind. Er lebt stark in seiner Vergangenheit.
In liebevoll ausgestatteten Rückblenden erfährt der Zuschauer, dass Philippe schon als kleiner Knirps Astronaut werden wollte. Heute ist er Doktorand. Er schreibt eine Doktorarbeit über das Thema „Narzissmus als Hauptantriebskraft für menschliche Errungenschaften.“ Doch der Narzissmus scheint bei ihm selbst nicht allzu deutlich ausgeprägt zu sein. Der schüchterne und zurückhaltende Mittdreißiger kommt nicht voran mit seiner Arbeit und jobbt in einem Callcenter, um sich über Wasser zu halten. Sein schwuler, extrovertierter Bruder André ist das genaue Gegenteil: Er arbeitet bei einem Fernsehsender als Wetterfrosch und lebt mit einem attraktiven Partner zusammen.
Die andere Seite des Mondes heißt auch das Bühnenstück, das Robert Lepage vor dem Film geschrieben und mit großem Erfolg in Kanada inszeniert hat. Er selbst spielt darin ebenfalls die beiden Hauptrollen der Brüder. Lepage erzählt vom kosmonautischen Wettstreit der 50er Jahre und konzentriert sich dennoch auf die beiden ungleichen Brüder, von denen Philippe herumkreist wie ein Planet, der seinen Platz noch nicht gefunden hat. Besonders in seiner Filminszenierung gibt der kanadische Regisseur der Fantasiewelt Philippes viel Raum. Der interstellare Konflikt zwischen Sowjets und Amerikanern, der in den 50er Jahren begann beschäftigt den introvertierten Zeitgenossen aufs Stärkste. Seine schrägen, sehr schön designten und inszenierten Fantasien sind die Stärke dieser ungewöhnlichen Komödie. Sehr gelungen sind auch die lakonischen Dialoge der beiden Brüder, die sich über diverse Angelegenheiten nach dem Tod der Mutter einig werden müssen – wer den Goldfisch erbt, ist da noch das geringste Problem.Benoît Jutras, der viel mit dem „Cirque du Soleil“ zusammen gearbeitet hat, komponierte den Soundtrack, der sich hervorragend in das Ambiente des Films einfügt. Robert Lepage hat eine witzige und bisweilen tiefsinnige Komödie über die Sinnsuche des Lebens geschaffen, die nicht nur Fans der Raumfahrt faszinieren dürfte.
Nana A.T. Rebhan






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Poetisch verspielte Komödie
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