Schriftgröße: + -
Home > Film > Kino auf ARTE > Kino auf Arte > Die Zärtlichkeit der Wölfe

Kino auf ARTE - 21/11/11

Die Zärtlichkeit der Wölfe

Spielfilm, Deutschland 1973, ZDF
Regie: Ulli Lommel; Buch: Kurt Raab; Kamera: Jürgen Jürges; Schnitt: Thea Eymèsz, Rainer Werner Fassbinder; Musik: Peer Raben; Produktion: Rainer Werner Fassbinder Foundation, Tango
Mit: Kurt Raab - (Fritz Haarmann), Margit Carstensen - (Frau Lindner), Jeff Roden - (Hans Grans), Ingrid Caven - (Dora), Wolfgang Schenck - (Kommissar Braun), Friedrich-Karl Praetorius - (Kurt Fromm), Jürgen Prochnow - (Hehler), Brigitte Mira - (Louise Engel)

Fritz Haarmann, ein ehemaliger Metzger, bekommt es mit der Polizei zu tun und wird von ihr in die Pflicht genommen: Er soll sich im "Milieu" umhören. Den Beamten ist zunächst nicht bewusst, dass sie mit dem harmlos wirkenden Haarmann den dringend gesuchten Jungenmörder schon gefunden haben.



Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Fritz Haarmann, ein ehemaliger Metzger, Hausierer und Kleinkrimineller, wird von der Polizei zu Spitzeldiensten auf dem Schwarzmarkt erpresst. Niemand ahnt, dass der harmlos wirkende Mann ein lange gesuchter Serienmörder ist.
Seitdem er im Krieg verwundet wurde, hat Haarmann "keinen Schlag mehr bei den Frauen". Also vergnügt er sich mit jungen Männern, meist Streunern und Strichern, lockt sie in seine Wohnung, bewirtet und missbraucht sie und bringt sie schließlich um, indem er sie wie ein Vampir aussaugt. Die Leichen zerlegt er, das Fleisch verkauft er, doch der ständige Jungenbesuch erregt Verdacht bei der Nachbarschaft. Der Polizei hingegen ist der Spitzel vorerst wichtiger; als Kinder aber in einem Fluss mehrere Schädel und andere menschliche Skelettreste finden, wird die Polizei schließlich doch aktiv ...

Bei "Die Zärtlichkeit der Wölfe" handelt es sich um eine Verfilmung des berühmten Falles des Serienmörders Friedrich "Fritz" Heinrich Karl Haarmann aus Hannover. Der eindrückliche Kriminalfall diente einigen Büchern, Filmen und Umsetzungen in andere Kunstformen als Vorlage.
Anders als beispielsweise Regisseur Romuald Karmakar, der mit seiner vielbeachteten, geradezu dokumentarischen Haarmann-Studie "Der Totmacher" (1995) auf historische Authentizität abzielte, machte der Fassbinder-Darsteller Ulli Lommel aus der Geschichte einen Vampirfilm in atmosphärischer Anlehnung sowohl an die "Dracula"-Filme als auch an F.W. Murnaus "Nosferatu". Ebenso finden sich Elemente einer Kriminalgeschichte rund um einen Kindsmörder, ähnlich wie sie Fritz Lang mit "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" vorgelegt hat. Stilistisch knüpft Lommel an den deutschen Filmexpressionismus an und nimmt sich vor allem auch Fassbinder-Filme zum Vorbild. Konsequent arbeitet er mit Mitgliedern der Fassbinder-Clique zusammen, sowohl in der Besetzung wie auch im Drehteam.
Das Drehbuch verfasste in erste Linie Kurt Raab, der glatzköpfig auch die Hauptrolle des Mörders bekleidete. Die historische Vorlage wurde vom Hannover der 20er Jahre ins Ruhrgebiet der Nachkriegszeit verlegt. Dort wurde der Film auch gedreht, hauptsächlich in Gelsenkirchen, unter anderem auch im alten Hauptbahnhof, der heute abgerissen ist. Der Film lief 1973 im Wettbewerb der Berlinale und wurde seinerzeit zu einem vieldiskutierten Kinoerfolg.

Die Zärtlichkeit der Wölfe
Samstag 3. Dezember 2011 um 02.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 1973, 95mn)
ZDF

Erstellt: 21-11-11
Letzte Änderung: 21-11-11