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Leben im Mittelalter

ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

> Der gelbe Ring

Leben im Mittelalter

ARTE widmet der mythischen Epoche einen Schwerpunkt mit Spielfilmen, Dokumentationen und zwei Themenabenden vom 2.2.2009 bis 15.2.2009

Leben im  Mittelalter

Symbole - 05/02/09

Der gelbe Ring

Der Brauch, Andersgläubige durch ihre Kleidung zu kennzeichnen, reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Drehte es sich zunächst nur um die Unterscheidbarkeit von einzelnen Gruppen, so ging es bei der Judenkennzeichnung bald auch um soziale Aussonderung und Stigmatisierung.

Angefangen hatte die Kennzeichnung in muslimischen Ländern im 9. Jahrhundert. Juden und Christen waren schutzbefohlene Untertanen, im arabischen Dhimmis genannt. Als „Besitzer der Schrift“ waren sie respektiert, aber sie mussten sich abgrenzen. Sie durften beispielsweise nicht mit Muslimen zusammenbaden und wurden deshalb gezwungen, ein Zeichen an einer Kordel um ihren Hals binden. Sowohl in Europa als auch im muslimischen Reich war es im Mittelalter üblich, die Standeszugehörigkeit über die Kleidung und Accessoires kenntlich zu machen. In Irak und Syrien war der Brauch sogar schon im 7. Jahrhundert verbreitet.

Um 807 verfügte der Abbasiden-Kalif Harun Al-Raschid, dass Juden gelbe und Christen blaue Gürtel zu tragen hatten. Später wurden gelbe Kapuzen Pflicht. Ab 1005 ging es bei diesen Vorschriften weniger um Kenntlichmachung, als um die Demütigung der jüdischen Minderheit. In Ägypten zwang Kalif El-Hakim die Juden, Glocken an ihrem Gürtel zu befestigen und beim Baden eine hölzerne Kalbsfigur um den Hals zu tragen.

Im christlichen Europa beschloss das vierte Laterankonzil 1215 die Kenntlichmachung von Juden und Muslimen. Die jeweiligen regionalen Herrscher sollten die Art der Kennzeichnung auswählen.

In den nächsten 400 Jahren wurden europaweit unzählige Vorgaben zur Kennzeichnung der Juden erlassen. Weiße, gelbe oder rote Hüte, Ringe, Balken oder deren Kombination wurden Zeichen der Juden. Die große Anzahl der Erlasse weist darauf hin, dass sie nicht immer umgesetzt wurden.

Bis 1267 trugen viele Juden freiwillig ihren prägnanten „Judenhut“. Doch nachdem sie dazu gezwungen wurden, sank ihre Bereitschaft, ihn zu tragen. Sie sahen darin immer mehr ein Zeichen, dass sie als Fremde und Außenseiter stigmatisierte. Gerade im Mittelalter löste das Angst und Hass aus. Da zwischenmenschliche Kontakte zu Juden untersagt waren, konnten Unwissen und Gerüchte gedeihen. Unter Kaiser Karl V wurde 1530 für Juden das Tragen eines gelben Rings an Rock oder Kappen zum allgemeingültigen Reichsrecht.

Die Verbreitung der abgeschlossenen Ghettos im 16. Jahrhunderts machte die Kennzeichnung nach und nach überflüssig. Aber die Idee ist nicht vergessen worden. Das Naziregime erzwang die namentliche Kennzeichnung 1939 und den gelben Stern ab 1941. Die Träger des gelben Davidsterns wurden ausgesondert, gedemütigt und zum Tode verurteilt.

Auch die Lehren aus dieser Zeit verhinderten nicht, dass die muslimische Talibanregierung in Afghanistan im Jahr 2001 die Hindu-Minderheit gezwungen hat, den gelben Fleck zu tragen. Fortsetzung folgt?

von Allon Sander

Erstellt: 30-01-09
Letzte Änderung: 05-02-09