Grausamkeit und Tod sucht man auf Frentz’ Bildern vergeblich.
Alles gehorchte ästhetischen Gesichtspunkten, selbst wenn er Städte in Trümmern fotografierte und die Bilder nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen waren. Eine sehr frühe Aufnahme dieser Art entstand im Mai 1940 in Calais. Laterne und Verkehrsschilder im Vordergrund sind für den Betrachter der erste Blickfang. Auf dem Verkehrsschild steht, in deutscher Sprache, das Wort „Hafen“, ein Richtungspfeil zeigt den Weg dorthin. Doch folgt man dem Pfeil, erblickt man ein Trümmermeer, wo einst die Straße war; von den meisten Häusern stehen nur noch die Außenmauern.Ein idealisiertes Bild des Diktators
Durch seine Filmaufnahmen für die „Wochenschau“ hat Walther Frentz das Bild von Hitler geprägt, ein idealisierter Diktator, menschlich und unnahbar zugleich. Auch seine Fotografien und Diaaufnahmen vermitteln dieses Bild. Eine Aufnahme vom Frühjahr 1943 zeigt Hitler bei einem Spaziergang mit seinem Schäferhund vor der Kulisse der bayerischen Alpen; begleitet wird er von Walther Hewel, dem Verbindungsmann von Außenminister Joachim von Ribbentrop. Über den Tannen ragt der Berghof heraus, Hitlers liebster Aufenthaltsort auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Der menschliche Aspekt – zwei Männer bei einem scheinbar ungezwungenen Spaziergang in freier Natur – verbindet sich dabei mit der majestätischen Bergkulisse, die zum Synonym für Macht und Größe wird.
Einen nachdenklichen Hitler zeigt Frentz bei einer am 15. April 1943 entstandenen Aufnahme im Münchner Atelier des Architekten Hermann Giesler. Der Diktator sitzt, das Kinn in die linke Hand geschmiegt, vor einem Modell der oberösterreichischen Stadt Linz, in der er seine Jugend verbracht hat und seither als Heimatstadt betrachtet. Nach dem (gewonnenen) Krieg sollte Linz in großem Stil ausgebaut und mit pompösen Bauwerken geschmückt werden. Architektur war die große Leidenschaft des Diktators, der sich selbst als verhinderten Künstler betrachtete. Daher sah er sich auch als erster Architekt des Reichs und mischte sich in zahlreiche Planungen ein. Das Modell von Linz ließ sich Hitler noch in den letzten Kriegswochen im Bunker unter der Reichskanzlei aufstellen. Während die Rote Armee bereits vor Berlin stand, träumte er fern jeder Realität von dessen Umsetzung.Ästhetisierung der grausamen Lagerwirklichkeit
Walther Frentz sah sich stets, ähnlich wie Leni Riefenstahl, als unpolitischer Künstler, der nur in hoher Qualität das Zeitgeschehen dokumentierte. Doch die Wirklichkeit seiner Bilder war häufig konstruiert oder ästhetisch überformt; seine Filme dienten dazu, das nationalsozialistische Regime und seine Protagonisten zu idealisieren. Dabei können Frentz die Brutalität des Krieges und die Grausamkeit der Machthaber im Dritten Reich nicht entgangen sein. Denn nicht immer arbeitete er in der abgehobenen Welt der Führerhauptquartiere. So begleitete er im August 1941 den „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler bei einer Inspektionsfahrt nach Minsk; dabei wurde er auch Augenzeuge einer Massenexekution von Juden und mutmaßlichen Partisanen. Im Auftrag von Albert Speer drehte Frentz im Juni/Juli 1944 einen Film über den Bau und die Erprobung der „V 2“. Der Film sollte ursprünglich bei einer Tagung von Gauleitern gezeigt werden, um deren ins Wanken geratene Siegeszuversicht mit Bildern von der „Wunderwaffe“ zu stärken. Die Fotos, die Walter Frentz von den Häftlingen im Konzentrationslager „Dora“ bei Nordhausen im Harz gemacht hat, zeigen keine Wachen und keinen Stacheldraht; die Häftlinge sind eigentlich nur an ihrer Kleidung als solche erkennbar. Die Gewalt, die in dem Konzentrationslager an der Tagesordnung war, und die physische und psychische Erschöpfung der Häftlinge, hat Frentz nicht gesehen oder ausgeblendet – solche Bilder sollten die Gauleiter ohnehin nicht zu sehen bekommen. Mit Scheinwerfern versuchte der Fotograf, nicht nur das Problem der Dunkelheit unter Tage zu lösen; er setzte diese zudem ein, um interessante Lichteffekte zu erzielen. Dies ist auch bei der abgebildeten Fotografie der Fall, auf der die Montage des Heckteils einer „V 2“ abgebildet ist; bei dieser Arbeit wurden vor allem französische Häftlinge eingesetzt. Die Wirklichkeit von „Dora“ lässt sich an wenigen nackten Zahlen festmachen: Von den 17.000 Häftlingen, die von September 1943 bis März 1944 nach „Dora“ gebracht wurden, waren bei Kriegsende nur noch 11.000 am Leben.Uwe A. Oster






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