Dienstag, 7. Juni 2011 um 20.15 Uhr
Spätestens seit der Affäre um WikiLeaks und den Hackergroßangriffen auf Kreditkarteninstitute oder das Pentagon ist klar: Kaum ein Bereich ist vor Cyberpiraten sicher. Was bedeutet dies künftig für Politik, Wirtschaft und Privatsphäre? Droht uns ein Cyberkrieg?
20.15 Uhr - Vom Digitalangriff zum Cyberkrieg?(Frankreich, 2011, 46mn) ARTE F
Regie: Antoine Vitkine
Die Zeit der im Alleingang handelnden Hacker - man erinnere sich an Kevin Mitnicks Digitalangriff auf das Pentagon-Netzwerk - scheint vorbei. Inzwischen ermöglichen Viren, Cyberspionage, Wurmangriffe und Social Engineering einen wahren Krieg. Die Dokumentation will zum einen herausfinden, wie der Cyberkrieg funktioniert, und zum anderen zum Nachdenken anregen über den Umgang mit den neuen Technologien, die zunehmende Abhängigkeit vom Internet und den allgemeinen Technikoptimismus. Denn die Menschheit steht vor der Herausforderung, die neuen Fähigkeiten des Computerzeitalters zum Besten und nicht zum Schlimmsten zu nutzen.Nach Boden, Wasser und Luft erobert der Krieg nun einen neuen Raum, den Cyberspace. Der Cyberkrieg begann fast unbemerkt, unterscheidet nicht wie herkömmliche Konflikte zwischen Militär und Zivilbevölkerung und wird das 21. Jahrhundert in einem Maße prägen, das für frühere Zeiten mit der Atombombe oder dem Kalten Krieg vergleichbar ist.
Die neuen Waffen heißen Virus, Cyberspionage, Wurmangriff und Social Engineering. Und im digitalen Wettrüsten will kein Staat hinten anstehen. Anschaulich berichtet die Dokumentation über einen Paradigmenwechsel in der Kriegsführung, die jetzt im Verborgenen stattfindet: Sabotage eines iranischen Nuklearprogramms durch den israelischen Computerwurm Stuxnet, Botnetze als Waffe im Cyberkrieg zwischen Russland und Georgien, der Kalte Cyberkrieg zwischen den USA und China mit digitalen Attacken und Gegenschlägen. Die modernen Gesellschaften sind mittlerweile so abhängig vom Internet, das nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Verwaltung von Wasser- und Stromversorgung und Transportwegen dient, dass eine Cyberattacke ganz Frankreich, Deutschland, Japan oder Amerika lahmlegen könnte.
Richard Clarke, Anti-Terror-Experte unter Bill Clinton und George W. Bush, erkannte als einer der Ersten die Gefahr des Cyberkriegs. Mit seiner Hilfe gibt die Dokumentation mögliche Antworten auf die Fragen: Wie reagiert man auf eine Cyberattacke? Wie demaskiert man einen hinter digitaler Anonymität verborgenen Feind? Ist der digitale Gegenangriff die beste Verteidigung im Cyberkrieg? Und vor allem: Wie weit kann man gehen?
21.05 Uhr - Die Welt der Cyberpir@ten(Frankreich, 2011, 26mn) ARTE F
Regie: Stanislans Kraland
Computerhacker, die sich in fremden Netzen tummeln, Geheimnisse aufdecken, Kontodaten plündern und Informationen stehlen oder verbreiten - egal ob wahr oder nicht - bringen ganze Netzwerke unter ihre Kontrolle. Die Macht der Hacker scheint grenzenlos, ungreifbar - und ist beängstigend. Doch wer sind diese Menschen? Gehören sie einer festen Community an, verfolgen sie gemeinsame politische Ziele und wissen sie um ihre Macht? Die Dokumentation lässt Hacker zu Wort kommen und sie ihre Sichtweise der Cyberwelt schildern.Die digitalisierte Gesellschaft bietet modernen Hackern eine riesige, vielleicht sogar unbegrenzte Angriffsfläche. Unbemerkt dringen sie in Systeme ein, um diese unter ihre Kontrolle zu bringen, Daten zu verändern oder zu entfernen, Webseiten nach Belieben zu sperren oder großräumig Informationen zu verbreiten. Die Liga der Netzwerkprofis wird zur neuen Macht des Untergrunds und gilt für manche bereits als "fünfte Staatsmacht". Bedrohlich wird diese Macht, wenn sich Hacker Zugriff auf die digitalen Lebensadern unserer Gesellschaft verschaffen.
Wer sind diese Menschen, denen es gelingt, in die Hochsicherheitsnetzwerke von Verwaltungsinstitutionen und Großunternehmen einzudringen, Börsenkurse zu beeinflussen, E-Mail-Adressen und Bankkonten zu knacken - selbst Nicolas Sarkozys Kontodaten wurden bereits gestohlen - ja sogar Politikerkarrieren zu beenden. So wurde Außenminister Guido Westerwelles ehemaliger Büroleiter Helmut Metzner nach der Enthüllung seiner Informantentätigkeit durch WikiLeaks des Amtes entbunden. Liegen unsere wertvollen Systeme in den Händen jugendlicher Computerfreaks oder gemeingefährlicher "Hightech-Terroristen", wie US-Vizepräsident Joe Biden es formulierte? Sind diese Menschen idealistische Informatiker oder unkontrollierbare Verschwörer? Entsteht etwa eine neue echte politische Gegenmacht? Und sind sich die Hacker ihrer Macht überhaupt bewusst?
Um Klischees und vorschnelle Urteile zu vermeiden, taucht die Dokumentation ein in die Welt der Hacker. Protagonisten des Cyberkriegs geben ein ungeschminktes Bild ihrer Aktivitäten, Vertreter der größten Hackerbewegungen schildern ihre Beweggründe, ihre Werte und ihren Blick auf die Cyberwelt, beschreiben ihre Lebenswege und erklären, wie sie ihre neue Macht wahrnehmen.