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ARTE Journal - 18. Januar 2010

Berliner Kunsthaus Tacheles von der Schließung bedroht

Das Tacheles ist eine Institution der alternativen Berliner Kunstszene. Vom aufregenden Ort der Off-Kultur und der Hausbesetzerszene ist es inzwischen ein Magnet für Touristen geworden: Jedes Jahr strömen zwischen 300.000 und 400.000 Besucher in die Kaufhausruine in Berlin-Mitte. Heute, kurz vor dem 20jährigen Jubiläum, sind die Aussichten für Künstler und Kunstliebhaber düster: Der Trägerverein des Tacheles hat Insolvenzantrag gestellt, die Räumung steht bevor.



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Ein Besuchermagnet für junge Leute ist das Tacheles noch immer. Mit seiner alternativen bis abgewrackten Atmosphäre verkörpert die Kunstruine das internationale Image Berlins: arm, aber sexy - und kreativ sowieso. Doch bereits vor einem Jahr ist der Mietvertrag des Trägervereins ausgelaufen; jetzt musste er Insolvenz anmelden. Für die Künstler ein Symbolfall.

„Die kreative Mitte Berlins wird zerstört, wenn das Tacheles geräumt wird, sagt Martin Reiter, Vorstand des Tacheles e.V. Weil dieser Zusammenhang ja nicht nur das Gebäude hier ist mit den Künstlern, die hier arbeiten, machen und tun. Sondern es ist ja mehr noch die Strahlkraft des Hauses, die inhaltliche Dimension des Tacheles an und für sich über die letzten 20 Jahre.“

Das Tacheles entstand 1990 aus dem Aufbruchsgeist der Nachwendezeit. Schnell wurde die Ruine zum Sammelpunkt von Künstlern und Lebenskünstlern aus aller Welt. Doch die kreativen Freiräume der Hauptstadt stehen seit Jahren unter dem Druck der Kommerzialisierung. Das Tacheles befindet sich in einer der begehrtesten Lagen Berlins. Der Eigentümer des Geländes, und seine Bank wollen dem Kunsthaus keine Überlebenschance einräumen.

Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus sagt: „Der Zwangsverwalter, der auf Betreiben der HSH Nordbank eingesetzt wurde, hat mir gegenüber klipp und klar erklärt: Man sei nicht bereit, ein Nutzungsverhältnis zu begründen und damit kann auch das beste Insolvenzrecht, der beste Insolvenzverwalter keine weitere Nutzung des Geländes erreichen.“

Eine bittere Perspektive für die Künstler, die seit langem im Tacheles arbeiten. Mehr als 30 Ateliers gibt es im Haus - und das eben mitten in Berlin und nicht irgendwo am Stadtrand. Das macht das Tacheles nach wie vor auch für junge Künstler attraktiv. Letzte Hoffnung ist nun die Politik.

Martin Reiter: „Jetzt werden wir erneut Kontakt aufnehmen mit den Politikern, denn jetzt haben wir ja eine klare Aussage, und zwar erst seit einer Woche wissen wir, woran wir wirklich sind: Das Tacheles soll zugesperrt werden.“

Mit dem Tacheles würde ein Symbol der Berliner Kunstszene verschwinden. Eines der Projekte, die Berlin zu einer der spannendsten Metropolen der Welt gemacht haben.

Reportage: M.Stahlhut, I.Casado

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Erstellt: 18-01-10
Letzte Änderung: 21-01-10

Ihre Meinungen

3 Kommentar(e)

alles wird gleichgemacht | bassdoppelfehler

04.03.2010 - 14:12

Das kann doch nicht wahr sein! Solch ein Pfund mit dem Berlin punkten kann, darf nicht verschwinden. Waren mehrmals in dieser tollen, jungen Stadt. Während man viele "Sehenswürdigkeiten" nur einmal ansieht, ist das Tacheles jedesmal einen Besuch wert. Sein Nonkonformismus steht im krassen Gegensatz zu dem durch das Kapital gestalteten, beliebig austauschbaren Räumen, die den Besucher in jeder größeren Stadt erwarten und letztendlich langweilig sind.

katastrophal | Mikado

21.01.2010 - 15:25

Es ist ja nicht das Tacheles allein...viele wollen unsere Freiräume erhalten, den Spreeraum, den RAW-tempel, die Hausprojekte, mal ganz zu schweigen vom Flughafen...hier werden von der Politik große Chancen vertan und ich wundere mich, wie ruhig alle immer noch bleiben! In 5 Jahren ist das alles weg, wir wünschen viel Spaß in der Kommerz-Metropole!

frechheit | nika

19.01.2010 - 14:35

eine absolute schock nachricht! ich ertrage es nicht mehr das die menschen auf commerz abfahren das die menschen verdummen und den freigeistern das nehmen was sie unterscheidet von dem rest der toten fische-nämlich individualität!ich sage: das Tacheles muss bleiben!

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