27/12/09
Roma-Abschiebung ins Kosovo
(Hildesheim, ARTE Info, 30.12.2009) Im Frühjahr 2008 hat sich das Kosovo zu einem eigenständigen Staat erklärt, der ausdrücklich auch Minderheitenrechte anerkennt. Tatsächlich aber ist vor allem für Roma und Serben die Situation vor Ort unerträglich. Die albanische Mehrheit zeigt wenig Bereitschaft, friedlich mit ihren alten Nachbarn leben zu wollen. Zwischen Deutschland und dem autonomen Kosovo gibt es inzwischen eine so genannte "Rückübernahme-Vereinbarung", die vorsieht, dass jährlich bis zu 2500 ehemalige Bewohner ins Kosovo gebracht werden können. In diesem Jahr gab es tatsächlich nur wenige Abschiebungen, eine Situation, die sich in 2010 aber schnell ändern kann.
Viel hat Familie Fetahi nicht in ihrer Wohnung im Asylbewerberheim. Küche, Bad, ein paar Möbel, etwas mehr als 800 Euro im Monat für sechs Personen. Die Fetahis sind Roma und der Vater ist Anfang der 90er Jahre mit seiner Frau vor dem Bürgerkrieg aus Jugoslawien geflohen. 2004 dann ließen die Fetahis sich zu einer so genannten "freiwilligen Ausreise" überreden und zogen zurück aus Deutschland in ihre alte Heimat, ins Kosovo.
Sabedin Fetahi erzählt: „Das Haus war total kaputt, ich habe gesehen, wir können dort nicht bleiben und bin umgezogen nach Koso-Polje. Die vier Jahre haben wir gelebt, ich kann es ruhig sagen, es war wie Knast: Es gab keine Arbeit, keine Schule, die die Kinder besuchen können, nichts zum Spielen, Kindergeld, Arbeit, Sozialhilfe haben wir nicht bekommen, gar nichts."
Die Rückkehr ins Kosovo stellt sich als Katastrophe heraus. Die Fetahis können sich dort nicht frei bewegen, sie werden von albanischen Nachbarn bedroht, die Kinder mehrfach angegriffen, mit Steinen und Messern. Die Kinder der Familie sind alle in Deutschland geboren, sie sprechen deutsch und romanes, albanisch haben sie nie gelernt. Das Leben im Kosovo hieß für sie ein Leben in Angst.
Sevdjan Fetahi erzählt weiter: "Die hassen Roma, die wollen ein Kosovo nur mit Albanern haben, wo nur Albaner wohnen, die wollen keine Roma da drin haben." Die Lage ist für die Fetahis im Kosovo aussichtslos, eine menschenwürdige Existenz nicht möglich. 2008 kommen sie deshalb wieder nach Deutschland. Und was die Fetahis berichten, bestätigen viele Institutionen: das UN-Flüchtlingshilfswerk, der EU-Menschenrechtsbeauftragte, auch NGOs wie pro Asyl. Roma, heißt es, können im Kosovo nicht sicher leben.
Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsrat Niedersachsen: "Es ergibt sich für uns ein Bild, dass Roma dort weiterhin in Slums leben, separiert, Schwierigkeiten haben, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen, die Arbeitslosigkeit ist nahezu 100 Prozent, sie sind ständiger Diskriminierung und auch rassistischen Angriffen ausgesetzt."
Umso unverständlicher, dass die Bundesregierung plant, auch in größerem Umfang Roma ins Kosovo abzuschieben. Etwa 10.000 Roma aus dem Kosovo leben heute noch mit Duldungsstatus in Deutschland. Abschiebung ist jederzeit möglich. Nur ein dauerhaftes Bleiberecht würde Ihnen wirklich eine Lebensperspektive geben.
Erstellt: 30-12-09
Letzte Änderung: 04-01-10