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Die Kennedys

„Die Kennedys“ ist sowohl ein Porträt mit zahlreichen Rückblenden, Schlüsselmomenten des persönlichen Erfolgs und Misserfolgs als auch ein Stück Zeitgeschichte.

Die Kennedys

23/07/12

Die Überlebenden aus dem Hause Kennedy

Was ist heute, mehr als vier Jahrzehnte nach der Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy und seines Bruders Robert, der erschossen wurde, als er seinerseits im Präsidentschaftswahlkampf stand, aus jener Dynastie geworden, die die Amerikaner als ihre „Royals“ bezeichnen?

Kampf für den Fortschritt


Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung hatten Robert und John insgesamt dreizehn Kinder, und trotz der vielen gewaltsamen Tode in der Familie leben heute rund zwanzig erwachsene Kennedy-Nachfahren in den Vereinigten Staaten. Bis zu seinem Krebstod im Jahr 2009 war Ted Kennedy, der 47 Jahre lang Senator im Bundesstaat Massachusetts gewesen war, die wichtigste Person im Clan. Er hatte sich in Washington stets für Bürgerrechte, eine Reform des Gesundheitswesens, Gewerkschaftsrechte und den Schutz der Umwelt eingesetzt, also für Werte, die auch die neue Generation teilt.
Viele der Nachkommen Roberts, Johns und ihrer sieben Geschwister haben eine juristische Karriere eingeschlagen oder engagieren sich in Lokalpolitik und im sozialen Bereich. Jeder versucht auf seine Weise, für die fortschrittlichen Ideale zu kämpfen, die ihre berühmten Vorfahren vertraten. Die „Neuen“ lernen sehr früh, dass sie Reichtum und Charisma in den Dienst des öffentlichen Wohlergehens stellen müssen. Für die streng katholische Familie gilt das biblische Grundprinzip: „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden.“ Die neue Generation verteidigt weiterhin wichtige Anliegen unserer Zeit, von Bildung bis Umweltschutz.


Da wäre zum Beispiel Rory, engagierte Dokumentarfilmerin, die vor kurzem Filme über das Abu-Ghraib-Gefängnis und die Grenze zwischen den USA und Mexiko gedreht hat. Oder ihr Bruder Robert, ein auf Umweltrecht spezialisierter Anwalt und Aktivist zum Schutz des Hudson-Rivers. Seine Schwester Kerry leitet das Robert-F.-Kennedy-Zentrum für Menschenrechte. Der ehemalige Abgeordnete Joseph Kennedy II. hat die Organisation „Citizens Energy“ gegründet, die sozial Benachteiligte mit kostengünstiger Heizung versorgt.


Ihre Cousine Caroline wiederum verbrachte Jahre damit, für öffentliche Schulen in New York über 60 Millionen Dollar zu sammeln und unterstützt in diesen Sommer in Barack Obama in seinem Wahlkampf. Bereits in Obamas erstem Präsidentschaftswahlkampf verglich sie ihn in einem Leitartikel in der New York Times mit ihrem Vater, John F. Kennedy. 2009 hatte sie selbst sich im Bundesstaat New York für den Senat beworben, ihre Kandidatur jedoch im letzten Moment aus persönlichen Gründen zurückgezogen.


Eunice Shriver und Jean Kennedy Smith, zwei Schwestern Johns und Roberts, haben jeweils Organisationen zur Sport- und Kunstförderung bei geistig Behinderten gegründet. Die Idee dafür kam ihnen durch die Zeichnungen ihrer Schwester Rosemary, die mit einer leichten geistigen Behinderung auf die Welt gekommen war und von ihrem Vater Joe im Alter von 23 Jahren im Versuch, sie zu „heilen“ einer Lobotomie unterzogen wurde. Der chirurgische Eingriff wurde zum totalen Misserfolg: die junge Frau verlor die Sprechfertigkeit und verbrachte den Rest ihres Lebens in einer spezialisierten Einrichtung.


Zwei von Eunices Söhnen führen den Kampf ihrer Mutter fort: Timothy Shriver ist Vorsitzender der „Special Olympics“ und sein Bruder Anthony hat eine Organisation gegründet, die sich um gesellschaftliche Integration geistig Behinderter bemüht. Ein weiterer Bruder, Bobby Shriver, hat gemeinsam mit Bono die Nichtregierungsorganisation Data ins Leben gerufen. Diese setzt sich für die Reduzierung der Schulden afrikanischer Länder und den Kampf gegen AIDS ein. Die bekannteste Vertreterin dieses Familienzweigs ist Maria Shriver, eine Journalistin, die sich letztes Jahr von Arnold Schwarzenegger hat scheiden lassen, nachdem sie erfahren hatte, dass er mit einer Hausangestellten ein Kind hatte.


Zwischen Skandal und Tragödie


Doch über eine Familie, die nur aus tugendhaften Gutmenschen besteht, wären wohl kaum über 600 Bücher geschrieben worden. Das Faszinierende an den Kennedys ist die einzigartige Mischung aus Glamour, Skandal und Tragödie. Ein Blick auf den Stammbaum und die zahlreichen gewaltsamen Tode lässt tatsächlich an einen Fluch glauben, der auf der Familie lastet.


Im Mai diesen Jahres erhängte sich die Ehefrau von Robert Kennedy Junior (der Umweltschützer-Sohn von RFK) während des laufenden Scheidungsverfahrens. Die Affäre erregte große Aufmerksamkeit bei den Boulevardblättern, zumal die beiden Familien sich darum stritten, wo die Tote begraben werden sollte. 1999 kam JFKs als „John John“ bekannter Sohn John F. Kennedy Junior im Alter von 38 Jahren gemeinsam mit seiner Frau und seiner Schwägerin beim Absturz eines von ihm gesteuerten Flugzeugs ums Leben. Der 1988 von der Zeitschrift People zum attraktivsten Mann des Jahres gekürte John ist als Dreijähriger auf einem berühmten Bild zu sehen, auf dem er dem Sarg seines Vaters die Ehre erweist. Nach Joe, einem Bruder von JFK, der während des Zweiten Weltkriegs bei der Explosion seines Bombenflugzeugs ums Leben kam und Kathleen, die mit 28 Jahren einem Flugzeugabsturz in Frankreich zum Opfer fiel, war er schon der dritte Kennedy, der bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam.


Ein weiteres wiederkehrendes Szenario sind tödliche Autounfälle. 1969 stürzte der Wagen des für seine Alkoholexzesse bekannten Senators Ted Kennedy von einer Brücke und seine 28-jährige Beifahrerin Mary Joe Kopechne erlag ihren Verletzungen. Ted verließ den Unfallort, ohne die Polizei zu benachrichtigen. Vier Jahre später überschlug sich ein Jeep mit Joseph Kennedy II., dem Gründer von „Citizens Energy“ am Steuer; seine Mitfahrerin Pam Kelley blieb ihr Leben lang gelähmt.


Zwei Kinder Robert F. Kennedys kamen unter tragischen Umständen ums Leben. Michael verunglückte mit 38 Jahren beim Skifahren. Genauer gesagt bei American Football auf Skiern, einem eigentümlichen und gefährlichen Sport, der in der für ihre Vorliebe für Extremsportarten bekannten Familie Tradition war. Sein Bruder David starb mit 28 Jahren in Florida an den Folgen einer Überdosis. Als Zwölfjähriger hatte er seinen Vater Robert im Wahlkampf begleitet und von dessen Tod ganz allein in einem Hotelzimmer über das Fernsehen erfahren. Auch andere Familienmitglieder litten unter Suchtproblemen: Christopher Kennedy Lawford veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema und Patrick, ehemaliger Abgeordneter von Rhode Island, hat bereits mehrere Entziehungskuren hinter sich.


1992 erregte in Amerika ein Prozess wegen Vergewaltigung gegen William Kennedy, einen auf die Behandlung von Opfern von Anti-Personenminen spezialisierten Arzt, großes Aufsehen. Er wurde nach einem Prozess freigesprochen, während dem drei weitere Frauen, die ihn sexueller Gewalt anklagten, nicht gehört worden waren. Einige Jahre später wurde gegen ihn erneut Anklage wegen sexueller Übergriffe und Belästigung erhoben.


Das Sexualleben John F. Kennedys fasziniert auch noch 50 Jahre nach seinem Tod. Im vergangenen Februar veröffentlichte Mimi Alford, ehemalige Praktikantin im Weißen Haus, ein Buch, in dem sie über ihre achtzehnmonatige Affäre mit JFK berichtet: Nur wenige Stunden nach ihrer ersten Begegnung mit dem Präsidenten fand sie sich bereits in dessen Ehebett wieder. Und das ist nicht das erste Buch seiner Art, die Fakten sind unbestritten. Die Existenz von Fiddle und Faddle, zwei jungen Sekretärinnen/Mätressen des Präsidenten, die gemeinsam mit ihm nackt im Schwimmbad des weißen Hauses baden gingen, ist ebenfalls seit langem bekannt…

 

Claire Levenson

Erstellt: Thu Jul 12 00:00:00 CEST 2012
Letzte Änderung: Mon Jul 23 17:46:40 CEST 2012