Synopsis: Seit 75 Jahren steht der charismatische Konrad Thurano nun schon auf dem Drahtseil - seit einem halben Jahrhundert gemeinsam mit seinem Sohn Johnjohn. Die Bühne ist seine Medizin fürs Gesundbleiben, sie ist für ihn immer noch „die wichtigste Sache auf der Welt“.
Kritik: Der Dokumentarfilm des Regieehepaars Kerstin Stutterheim und Nils Bolbrinker erzählt ohne kommentierenden Off-Stimme das bewegte Leben Konrad Thuranos, das alles andere als einfach war. „Meine Heimat war immer grade da, wo wir waren“, sagt er, und betont seine enge Bindung an seine Familie. Vor den Nazis flüchteten die Artisten nach Südafrika, später gaben sie Tourneen von Las Vegas bis nach Tokio. Eingebettet werden die diversen Stationen seine Lebens in den „Crazy Wire Act“, den Konrad Thurano seit Jahren gemeinsam mit seinem Sohn Johnjohn aufführt – mit riesigem Erfolg.
Die Nummer ist eine unterhaltsame Mischung aus Drahtseilakt und Comedyshow und thematisiert den Generationenkonflikt. Mittlerweile leben die Thuranos in Düsseldorf – dort im Apollo-Theater geben sie regelmäßig ihre gemeinsame Nummer.Sehr passend ist der Untertitel in der englischen Sprachfassung ist THE THURANOS – JUST A MATTER OF BALANCE – nur eine Frage des Gleichgewichts. Genau darum geht es im Leben der Thuranos – Balance, nicht nur auf dem Hochseil. Dass es nicht allen gelingt, das komplizierte Gleichgewicht – oder auch die Ausgewogenheit zu halten – belegt Jeanette, die älteste Tochter der Thuranos. Sie beklagt sich über ihre „fehlende Kindheit“. Sie hätte gar nicht gewusst, was es bedeutet „Kind zu sein, denn ich musste immer nur trainieren.“ Etwas verbittert wirkt sie, wenn sie dies sagt.
Jeanette Thur in Form eines Interviews immer wieder im Film zwischendurch Platz einzuräumen, war eine weise Entscheidung der Regisseure. So übernimmt sie den kritischen Part, der den Film davor rettet eine distanzlose Hommage auf den ältesten Artisten der Welt zu werden. Jeanette übt den kritischen Blick hinter die Kulissen des bunten Treibens. Alles ist eben eine Frage des Gleichgewichts – das haben sich auch die beiden Filmemacher mit ihrem gelungenen Porträt einer Artistenfamilie zu Herzen genommen.
Nana A.T. Rebhan
Deutschland 2003, 95 Min.
Regie, Buch und Schnitt: Kerstin Stutterheim, Niles Bolbrinker
Mit Konrad Thur, Henriette Thur, Marjolyn Thur, Johannes Thur, Jeanette Thur, Sabine Seidel
Kinostart:ab 05.08. in folgenden Kinos:Berlin: Kant
Berlin: Nickelodeon
Hamburg: Abaton
Düsseldorf: Black Box
Köln: Filmhaus
München: Maxim
ab 19.08. in folgenden Kinos:Berlin: Lichtblick
ab 26.08. in folgenden Kinos:Dresden: Kino im Dach
Hamburg: Koralle
ab 09.09. in folgenden Kinos:Hannover: Kommunales Kino