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Berlinale 2012 - 18/02/12

Die Lorbeeren des Cäsar

Der goldener Bär geht in diesem Jahr an die Brüder Taviani mit ihrem Film Caesar must die. Darin geht es um italienische Gefangene, die als Laiendarsteller das Stück Julius Cäsar von Shakespeare in einem italienischen Hochsicherheitsgefängnis einstudieren. Die Berlinale-Jury war für dieses Thema wohl sehr empfänglich. Die beiden Regisseure Paolo und Vittorio Taviani sind schon über 80 und in den letzten Jahren hat man nicht gerade viel von ihnen gehört, ebenso wenig wie von den offiziellen linken Filmemachern Italiens. Sie wollten einen sozialen Film machen, der zeitgenössisch und lebendig ist.

Caesar must die zieht Parallelen zwischen den Shakespearschen Machtspielen und dem aktuellen politischen Klima. Der Film wurde gedreht, als Berlusconi in Schwierigkeiten war: Korruption, Skandale, eine harte Zeit für die Kultur. Insofern ist es ein doppelter Sieg für die beiden italienischen Filmemacher. Sie selbst spielen wieder eine wichtige Rolle in der Kulturszene und sie vermitteln mit ihrer Geschichte des Theaterspiels im Gefängnis eine Message: Kultur und Erziehung gehören zusammen!

Der silberner Bär geht an Just the wind von Bence Fliegauf. Der junge (36 Jahre) ungarische Filmemacher hat sich nicht nur damit begnügt auf eine furchtbare Aktualität hinzuweisen das Massaker der Roma in seinem Land), er hat sich auch gefragt, wie man dieses verfolgte Volk und dessen Umgang mit dieser ständigen Angst filmen kann.

Wir freuen uns natürlich auch mit dem Deutschen Christian Petzold, der auf der Berlinale als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Sein Film heisst Barbara und ist mehr als nur eine Liebeserklärung an die Schauspielerin Nina Hoss – es ist auch ein sehr in sich ruhender Film. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die in den 80er Jahren die DDR verlassen will. Für Petzold bereits der dritte Film im Wettbewerb der Berlinale.

Der Alfred-Bauer Preis stigmatisiert eine Kino-Kuriosität: den Film Tabu von Miguel Gomes. Er wird vergeben für besondere Leistungen in der Forschung und für Innovation im Fim. Allerdings könnte man ihn aber auch "den Preis für elitäre Autorenfilmer" nennen. Tabu jedenfalls hätte mehr verdient.

 

Da kommt der Historienfilm Der Leibarzt und die Königin schon besser weg mit gleich zwei Preisen: für das beste Drehbuch und für den besten männlichen Darsteller. Der junge Schauspielschüler Mikkel Boe Folsgaard überzeugt in der Rolle des Königs Christian VII von Dänemark. Eine gelungenen Wahl! Der Film spielt im 18. Jahrhundert, handelt von Liebe und freidenkerischen Ideen.

Die junge Schauspielerin Rachel Mwanza, die eine afrikanische Kindersoldatin in dem Film War witch von Kim Nguyen spielt, wurde als beste weibliche Darstellerin ausgezeichnet. Und last but not least: das dreistündige Epos White Deer Plain des Chinesen Wang Quanan. Die Leistung seines schweizer Kameramannes Lutz Reitemeier überzeugte die Berlinale-Jury 2012.

That's all, Folks.

Julien Welter

Erstellt: 18-02-12
Letzte Änderung: 18-02-12