Schriftgröße: + -
Home > Zitaten - Ballade > Eine pluralistische Identität > Madrilenen, die

Zitaten - Ballade

„Europa – was ist das eigentlich?“, so fragen sich viele Europäer seit den Anfängen des Aufbaus eines gemeinsamen Europas. Die Definitionen von Historikern, (...)

Zitaten - Ballade

05/11/08

Die Madrilenen

„Wir sind alle Madrilenen“


„Der 11. März 2004 war eine Attacke auf Europa und die Demokratie“, schrieb die französische Tageszeitung Le Monde in ihrem Leitartikel am 13. März 2004. „Der Angriff galt einer der Hauptstädte der Europäischen Union. Sein Ziel war eine ihrer Demokratien, Spanien, drei Tage vor den Parlamentswahlen.“




Die erste Reaktion aus dem Ausland kam bereits am Morgen des 11. März vom gerade in Straßburg tagenden Europäischen Parlament. Verbunden mit dem Aufruf an die versammelten Abgeordneten zu einer Schweigeminute erklärte dessen Präsident Pat Cox (Irland): „Dies ist nicht nur der schlimmste Terrorakt in der gesamten Geschichte Spaniens, sondern der schlimmste Terrorakt, an den sich irgendeiner der Mitgliedstaaten der Europäischen Union erinnern kann [...] Möge die Antwort am Sonntag lauten: Die spanische Demokratie ist stark.“

Am Tag nach den Anschlägen, schrieb Juan Luis Cebrián, der Gründer der Tageszeitung El País, einen langen Leitartikel, den die oben erwähnte Le Monde auszugsweise abdruckte: „Die Medien können nicht schweigend zusehen [...]“ Auch Umberto Eco meldete sich zu Wort: „Der Terrorismus ist ein Phänomen der Epoche der Massenmedien. Ohne die Massenmedien gäbe es auch diese Terrorakte nicht, deren Zweck es ist, Aufsehen zu erregen. [...] Die einzige Waffe in den Händen des Bürgers, das einzig wirksame Mittel, über das wir verfügen, um uns dieser barbarischen Akte, deren Opfer wir geworden sind, zu erwehren, ist der Wahlzettel. [...]“

Die einzige Antwort im Kampf gegen die Feinde der Demokratie ist noch mehr Demokratie. Sie ist keine Lösung für irgendetwas, aber die Voraussetzung für alles. Mehr denn je ist dies möglich, und es liegt glücklicherweise bei uns selbst. Wir können es beweisen, indem wir am Sonntag wählen gehen. Damit der Tod der Menschen im alten Arbeiterviertel Pozo del Tío Raimundo, der Opfer von Atocha und Santa Eugenia […] nicht in Vergessenheit gerät.“

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 05-11-08