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Interaktive Entdeckunsreise

Im Jahr 2005 jährt sich der Todestag des Regisseurs Louis Malle zum 10. Mal. Aus diesem Anlass hat ARTE ihm und seinem cineastischen Meisterwerk, das mit einer (...)

Interaktive Entdeckunsreise

04/09/06

Die Liebenden

Als Ehefrau eines reichen Zeitungsverlegers führt Jeanne ein luxuriöses, aber einsames Leben. Eine leidenschaftliche Beziehung erlebt sie erst, als sie zufällig den jungen Studenten Bernard kennen lernt. Für ihn verlässt sie ihre Familie und wagt den Schritt in eine ungewisse Zukunft. - Vierter und letzter Teil der ARTE- Sendereihe mit Filmen von Louis Malle.

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Die 30-jährige Jeanne führt mit ihrem Ehemann Henri, der sich für nichts anderes als seine Geschäfte interessiert, ein bourgeoises Dasein in der Provinz. Ihre einzige Abwechslung sind die Reisen nach Paris zu ihrer Freundin Maggy, deren mondänes Leben sie fasziniert. Frustriert von ihrer Einsamkeit lässt sie sich auf eine Affäre mit dem Frauenheld Raoul ein. Doch diese Liaison macht Jeanne nicht wirklich glücklicher. Um herauszufinden, mit wem seine Frau sich in Paris ständig abgibt, lädt Henri, eifersüchtig geworden, Raoul und Maggy nach Dijon ein. Am Tag ihres Besuchs hat Jeanne eine Reifenpanne und lernt zufällig den jungen Studenten Bernard kennen, der sie mit seinem Auto nach Hause bringt. Henri besteht darauf, Bernard zusammen mit den anderen Gästen in seinem Haus zu beherbergen. Nach einem wenig angenehmen Abend, während Henri den verliebten Ehemann spielt und damit Raoul in Missstimmung stürzt, macht Jeanne einen nächtlichen Spaziergang im Garten. Dort trifft sie auf Bernard, der ebenfalls nicht schlafen kann. Der Ausflug im Mondschein endet in einer leidenschaftlichen Liebesnacht, die sich ganz und gar von allem unterscheidet, was Jeanne bisher an Beziehung erlebt hat. Gefesselt von dieser neuen Erfahrung ist sie bereit, mit Bernard zu fliehen und ihr altes Leben und ihre Familie hinter sich zu lassen.
[Zusatzinfo]
Als Louis Malles zweiter Film "Die Liebenden" 1958 mit seinen als anstößig geltenden Themen des Ehebruchs und der freizügigen Liebe in den Kinos gezeigt wurde, war die Empörung in konservativen Kreisen groß. Obwohl der Film heute längst nicht mehr die moralischen Grenzen des Publikums verletzt, ist das, was die Hüter von Anstand und Moral einst entrüstete, immer noch präsent: Die faszinierende Sinnlichkeit Jeanne Moreaus. Bereits in Louis Malles preisgekröntem Debütfilm "Fahrstuhl zum Schafott" (1957) spielte sie mit einer unvergleichlich herben Erotik die Hauptrolle und avancierte über Nacht zur Ikone des französischen Kinos. Jeanne Moreau war nicht die Einzige, die Malle zur Realisierung seines Skandalfilms "Die Liebenden" aus der Crew seines Erstlingswerks wieder engagierte. Auch mit dem Kameramann Henri Decaë ging er erneut eine kreative Zusammenarbeit ein. Diesem gelingt, in eindrücklichen Schwarz-Weiß-Bildern die Atmosphäre einer trügerischen, bedrückenden Ruhe einzufangen, unter der die unerfüllten Sehnsüchte einer jungen Frau zu ersticken drohen. Die sexuelle Freizügigkeit wird dabei zum Mittel der Provokation und des Aufschreis über die einengenden Konventionen hinweg. Im Laufe seiner Karriere entwickelte Louis Malle eine Vielzahl von Stoffen, die Tabuthemen aufgriffen, einen Blick auf die Abgründe menschlicher Leidenschaft warfen oder vom Ausbruch aus vorgegebenen Ordnungen berichteten. Immer wieder kam er dabei in Konflikt mit der Zensur, die neben dem Film "Die Liebenden" auch an den Filmen "Herzflimmern" (1971), der einen Inzest thematisiert, oder "Pretty Baby" (1978), in dem es um Kinderprostitution geht, Anstoß nahm. Louis Malle, der 1995 im Alter von 63 Jahren starb, gilt als einer der bedeutendsten Filmemacher Frankreichs und zählt zu den wichtigsten Vertretern der 'Nouvelle Vague'. Anlässlich seines 10. Todestages widmet ARTE dem großen Filmemacher eine Sendereihe, die eine Auswahl seiner bedeutendsten Werke vereint. Das Liebesdrama "Die Liebenden" ist als vierter und letzter Teil dieser Reihe zu sehen.


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(Les Amants)
Spielfilm, Frankreich 1958, Synchronfassung, ARTE F, Schwarz-weiß, 87 Min.
Regie: Louis Malle; Buch: Louise de Vilmorin; Kamera: Henri Decaë; Schnitt: Léonide Azar; Ton: Pierre-André Bertrand; Produzent: Irénée Leriche, Hubert Mérial; Produktion: Lux Compagnie Cinématographique de France, Nouvelles Editions de Films
Mit: Jeanne Moreau - (Jeanne Tournier), Alain Cuny - (Henri Tournier), Jean-Marc Bory - (Bernard Dubois-Lambert), Judith Magre - (Maggy Thiebaut-Leroy), José Luis de Villalonga - (Raoul Flores), Gaston Modot - (Coudray), Georgette Lobbe - (Marthe), Claude Mansard - (Marcelot)

Erstellt: Thu Oct 27 17:44:21 CEST 2005
Letzte Änderung: Mon Sep 04 11:58:33 CEST 2006