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20/05/04

Die Kurzfilme im Wettbewerb

„Trafic“ (Rumänien, 15’)
von Catalin Mitulescu

„Flatlife“ (Belgien, 11’, Animation)
von Jonas Geirnaert

„L’Evangile du chochon créole“ (Frankreich)
von Michelange Quay

„Closer“ (Neu-Zeeland)
von David Rittey

„Accordeon“ (Canada, 6’, Animation)
von Michèle Cournoyer

„Der Schwimmer“ (Deutschland, 14’, Animation)
von Klaus Huettmann

„La dernière minute“ (Frankreich, 15’, Animation)
von Nicolas Salis

„Thinning the herd“ (Frankreich, 10’)
von Rie Rasmussen

„Quimera“ (Brasilien, 15’)
von Eryk Rocha

„Gérard mon amour“ (Frankreich, 3’)
von Madeleine André & Rosa Olmos

Man muss erst gar nicht versuchen, irgend einen gemeinsamen Nenner unter den Kurzfilmen in diesem Wettbewerb-Programm zu finden – es gibt keinen. Aber man kann feststellen, dass es insgesamt keine überzeugende Auswahl ist, schließlich sind die Erwartungen an jeden Kurzfilm sehr hoch, wenn er im Wettbewerb präsentiert wird.

Hier aber verliert sich der eine in der experimentellen Vision und im bedeutungsschweren Spiel mit der Wahrnehmung („Quimera“), der andere hat eine gute Idee, aber schauspielerische und narrative Schwächen („Der Schwimmer“), der dritte benutzt für einen kurzen Triebtäter-Thriller, allenfalls handwerklich gekonnt, die bekannten und verbrauchten Muster aus dem Psycho-Serien-Killer-Genre („Thinning the herd“), und ein weiterer kommt als romantisch-subjektive Erinnerung an den verstorbenen Geliebten daher und übernimmt sich an einem Rückblick auf das vergangene, kriegerische Jahrhundert („Gèrard mon amour“). Der Animationsfilm „Flatlife“ ist wirklich amüsant, aber davon gibt es viele, und „Accordeon“ ist eben nur zeichnerisch interessant, was eigentlich auch zu wenig ist.

Bleibt „Closer“, die intensiv erzählte, aber nicht richtig durchdachte Geschichte aus der Welt eines taubstummen Jungen, und „Trafic“, der eindrucksvoll, aber dramaturgisch noch etwas unentschlossen zeigt, dass Bukarest was den Alltagsstress und das Verkehrschaos angeht, durchaus auch schon in der EU angekommen ist.

Der stärkste und einzige wirklich beeindruckende Beitrag ist jedoch der in Haiti spielende „L’Evangile du cochon créole“ von Michelange Quay. In den Slums und auf den Müllhalden von Port-au-Prince wohnen Menschen und Schweine beieinander, und in der beunruhigenden Metaphorik des Films werden beide von der Kolonialgeschichte und von den eigenen Traditionen gefangen gehalten und auf dem Altar der Globalisierung geschlachtet. Ein eindringlicher Film, der bedrohlich deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann, das wir so nicht weiter machen können, es gibt zu viele Haiti…

„L’Evangile du cochon créole“ sollte vielleicht in den Kinos als Vorfilm zum deutschen langen Wettbewerbsbeitrag „Die fetten Jahre sind vorbei“ („The Edukators“) gezeigt werden.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 20-05-04
Letzte Änderung: 20-05-04