- Die Cheonan-Affäre, zwischen Frühlingsfest und Wahlkampf
Mitten in Lärm und Getümmel erfahre ich die neuesten Nachrichten. Mit jeder Pressemeldung steigt die Spannung. Südkorea bestätigt, dass der Untergang seines Kriegsschiffs Cheonan auf den Torpedo-Angriff eines nordkoreanischen U-Bootes zurückzuführen ist. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-Bak verspricht, den UNO-Sicherheitsrat einzuschalten, und leitet Vergeltungsmaßnahmen ein. Nordkorea könnte wieder zum „Hauptfeind“ werden. Die markigen Erklärungen und Drohungen von Kim Jong-Il tragen das ihrige bei.
Inwieweit muss Südkorea das Spiel des Nordens mitspielen? Die südkoreanische Linke wirft der Regierung überstürztes Handeln und Drohgebaren vor. Die Lee-Regierung entgegnet, es sei an der Zeit, Entschlossenheit zu demonstrieren und die Landessicherheit zu erhöhen. „Mich nervt, dass die Politiker die Spannungen knapp vor den Wahlen für ihre Ziele ausnutzen“, klagt Erang (28 Jahre). Vor dem Rathaus in Seoul fordern Veteranen des Koreakriegs, das nordkoreanische Regime endlich abzusstrafen. Indessen feiern die Jugendlichen erst einmal weiter. Derartige Vorfälle kennen sie seit ihrer Kindheit. Die Menschen im geteilten Korea haben mit den Jahren gelernt, die Dinge gelassen und pragmatisch anzugehen.
- Angst vor der europäischen Krise?
Die Finanzstärke Südkoreas, sein niedriges Haushaltsdefizit und seine geringe Verschuldung sowie die günstigen Wachstumsprognosen mögen beruhigende Signale sein. Aber die südkoreanische Wirtschaft hängt zum großen Teil von externen Faktoren ab. Wegen des schwächelnden Euros ist der Won gegenüber dem Doller stärker abgesackt als erwartet. „Es steht zu befürchten, dass ausländische Investoren aus Angst ihr Kapital abziehen“, meint ein Wirtschaftsexperte im koreanischen Rundfunksender KBS.
13 % der südkoreanischen Ausfuhren gehen in die Europäische Union, mit der Südkorea gerade ein Freihandelsabkommen unterzeichnet hat. „Europa als regionales Integrationsmodell für Asien?“ Eine ironische Frage, könnte man in diesen Krisenzeiten meinen. Doch sie ist das Motto einer Konferenz, die unmittelbar nach den Gemeindewahlen in Seoul stattfinden wird. Zu welchen Schlussfolgen der Leiter der Delegation der EU-Kommission in Korea, Uwe Wissenbach, kommt? Man darf gespannt sein.
Eva John
Die Leitartikel der unabhängigen Zeitung Hankyoreh (in englischer Sprache).
Die beiden angesehenen südkoreanischen Tageszeitungen, Korea Herald und Korea Times.






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