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DVD-News - 19/04/05

Die Kinder des Monsieur Mathieu

Ein Film von Christophe Barratier


Die nostalgische Sehnsucht nach filmischen wie menschlichen Vorbildern

Externe Links

  • Synopsis

Im autoritären Nachkriegsfrankreich formt ein unorthodoxer Erzieher aus verwahrlosten Internatsknaben einen hochmusikalischen Knabenchor.


  • Der Kommentar zum Film

Über 8 Millionen Zuschauer in Frankreich trotz kaum bekannter Schauspieler – da muss ein Produzent wie Arthur Cohn dahinter stecken, der 6-malige Oscar®-Preisträger, Schöpfer von Filmen wie dem Berlinale-Sieger Central Station oder Ein Tag im September. Seit Jahrzehnten geht der gebürtige Basler und ehemalige Schüler von (Produzent) Vittorio De Sica) im Filmgeschäft unkonventionelle Wege und hat damit nicht nur Millionen Zuschauer, sondern auch die Herzen sämtlicher Hollywood-Größen erobert. In der Tat ist sich Cohn auch bei diesem Film treu geblieben – einer langwierigen Arbeit am Drehbuch, in dessen Verlauf die Wirksamkeit der Geschichte und seiner Figuren immer weiter verfeinert wird gemäß dem Prinzip – was emotional nicht allgemein verständlich ist, fliegt raus – folgt eine aufwändige Suche nach eher unbekannten Schauspielern oder hier im Falle der ‚Kinder des Monsieur Mathieu’ nach den geeigneten Laiendarstellern, die die Glaubwürdigkeit der Geschichte am besten transportieren. Gedreht wird an Originalschauplätzen, mit großem technischen Aufwand zwar, aber meist mit jungen, aufstrebenden Regisseuren und auch einer unbekannteren, weil kommerziell orientierten Garde von Filmroutiniers. Damit hält Cohn nicht nur sein Budget im Rahmen, er erzielt so auch höchst mögliche Glaubwürdigkeit bei seinem, nicht eben cineastisch orientierten Zielpublikum.

In Zeiten der Krise und des Niedergangs gesellschaftlicher wie familiärer – positiv definierter Autorität – wirkt dieser von Cohn selbst so bezeichnete „Feel-Good-Movie“ ähnlich wie der Dokumentarfilm Sein und Haben von Nicolas Philibert für Millionen Franzosen als erbaulicher Trostspender. Ein Antiheld ist Monsieur Mathieu mit seinem Bäuchlein und seiner Vollglatze, aber voller Witz, warmherzig und unerschrocken zugleich, wenn es darum geht, aus einem Haufen vernachlässigter Rabauken in einem Internat für schwer erziehbare Kinder hoch motivierte Sängerknaben zu machen. Viel glockenhelle Kinderchoräle, klar konturierte Charaktere und Konfliktlinien und der schauspielerische Überschwang, der sich von den kindlichen Laiendarstellern auf den Zuschauer überträgt, sorgen für nicht allzu tiefsinnige, aber emotional leicht verdauliche Kurzweil. Nie war nostalgische Sehnsucht nach altmodischen, filmischen wie menschlichen Vorbildern größer als heute.


  • Das Bonusmaterial

Sympathisch, wie Herr Cohn den Zuschauer auf dieser DVD freundlich begrüßt und seine Botschaft zum Film an den Mann bringt – sei menschlich und höre nicht auf zu träumen und an das Gute zu glauben! Ähnliches spricht er auch in einem 9-minütigen Interview und in einem 25-minütigen Auftritt in der Johannes-B.-Kerner-Show, wo Cohn dem schwiegersöhnigsten aller Schwiegersohn-Moderatoren unter anderem verriet, dass er eine Allergie gegen Frauen mit roten Fingernägeln habe und diese deshalb auch grundsätzlich nicht zu seines Gala-Diners erscheinen dürften. Ein ausführliches Interview verschafft dem Zuschauer ungewöhnlich informative Einblicke hinter die Kulissen. Das Bonus-Material wird ergänzt durch Biografien von Darstellern und Crew.

Martin Rosefeldt


  • Die Kinder des Monsieur Mathieu
Originaltitel: Les chroistes
Genre: Spielfilm
Darsteller: Gérard Jugnot, François Berléand, Kad Merad, Jean-Paul Bonnaire, Marie Bunel, Paul Chariéras
Regie: Christophe Barratier
Produzent: Arthur Cohn
Herstellungsland: Frankreich
Herstellungsjahr: 2004
Sprachen: Deutsch/Französisch 5.1. (Optional Deutsche UT für Hörgeschädigte)
Monsieur-mathieu.film.de

Erstellt: 15-03-05
Letzte Änderung: 19-04-05