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Film noir

"Film Noir", ein wohl klingender Begriff, poetisch, sanft. Doch dahinter verbergen sich grimmige Geschichten von Mord und Totschlag, von rauen (...)

Film noir

06/01/12

"Die Killer" von Robert Siodmak

Ein ehemaliger Boxer lässt sich widerstandslos von zwei Killern erschießen. Die Umstände des Mordes bringen einen Versicherungsdetektiv auf den Plan, das Leben des Boxers aufzurollen. Er stößt auf eine gescheiterte Boxkarriere, einen einsamen Freund und eine Frau, deren Verrat dem Boxer den Lebensmut nahm.

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Zwei Profikiller scheuchen bei der Suche nach Ole Andreson, genannt "der Schwede", ein verschlafenes Provinznest auf. Weil sie ganz ungeniert von Mord reden, versucht ein Einwohner, Andreson zu warnen. Doch der liegt rauchend in seinem Bett und fügt sich in sein Schicksal, weil er "etwas Falsches getan hat - ein einziges Mal". Die Killer erscheinen und erschießen ihn wortlos.

Der Versicherungsdetektiv Jim Riordan wird mit dem Fall beauftragt. Ihn irritiert Andresons Wehrlosigkeit, von welcher man ihm berichtet und er beschließt, den Fall aufzurollen, obwohl für die Versicherung nur eine kleine Summe auf dem Spiel steht. Ein Zimmermädchen, die den "Schweden" einst vom Selbstmord abgehalten hatte und von ihm zur Alleinerbin eingesetzt wurde, erzählt Riordan von einer mysteriösen Frau, die den Boxer einst in die Verzweiflung getrieben habe.

Riordans Recherchen führen ihn nach Philadelphia, wo er den Polizisten Sam Lubinsky trifft, der einzige Freund des "Schweden". In Rückblenden wird gezeigt, wie Andreson sich als junger Boxer im wahrsten Sinne des Wortes "durchschlägt", bis ein Handbruch seiner Karriere ein jähes Ende bereitet - er verliebt sich in Kitty Collins, die Gespielin des Gangsters Jim Colfax und gerät in einen Strudel des Verbrechens ...

Drehbuch nach einer Erzählung von Ernest Hemingway


Mit "Die Killer" schuf das Filmteam um den deutschen Emigranten Robert Siodmak einen der emblematischen Filme der "Schwarzen Serie" Hollywoods. Die Autoren - neben Anthony Veiller die weltberühmten Regisseure John Huston ("Der Malteser Falke") und Richard Brooks ("Kaltblütig"), die allerdings aufgrund ihrer Verträge mit anderen Studios nicht im Abspann genannt werden durften - bedienten sich für das Drehbuch einer Kurzgeschichte Hemingways, wobei die Kurzgeschichte sich nur mit den ersten fünf Minuten des Films deckt.

Das Bild des gebrochenen, widerstandslos seinem Schicksal ergebenen Mannes, der einen Fehler gemacht hat - nämlich sich in eine unergründlich amoralische Frau zu verlieben - ist für viele Kommentatoren der Schlüssel zum Verständnis des Film Noir. So lautet die gängigste soziologische Erklärung für das Aufkommen der "Schwarzen Serie", dass die durch den Zweiten Weltkrieg zutiefst erschütterte und verunsicherte Männlichkeit sich mit ihren Traumata befasst: Helden sind überflüssig geworden, die Frauen haben das Ruder übernommen, während die Männer müde und gebrochen ihre Wunden lecken. In "Die Killer" ist das in der Figur des gescheiterten, verratenen Boxers wiederzufinden, der zu naiv und einfältig für die Welt ist, in der er lebt.

Dauerhaften Ruhm brachte dem Film die hochkarätige Besetzung: Burt Lancaster ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen. Seine akrobatischen Bewegungen und die Sinnlichkeit seiner Liebesszenen mit Ava Gardner verleihen dem Film eine bis auf den heutigen Tag schimmernde Präsenz. Standbilder aus dem Film - Ava Gardner im kleinen Schwarzen, oder der berühmte Kuss zwischen Gardner und Lancaster - zieren nach wie vor viele Cineastenwände. Beide Hauptdarsteller wurden nach dem Film zu Weltstars. Auch William Conrad, der den feisten Killer Max spielt, ist später durch seine Film- und TV-Auftritte, insbesondere in der Serie "Jake und McCabe - Durch dick und dünn", ein internationaler Star geworden.




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"Die Killer" von Robert Siodmak
Spielfilm, USA 1946, ZDF, Synchronfassung, SW
Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Richard Brooks, John Huston, Anthony Veiller, Kamera: Elwood Bredell, Musik: Miklós Rózsa, Schnitt: Arthur Hilton, Produktion: Universal Pictures, Produzent: Mark Hellinger
Mit: Burt Lancaster ("Der Schwede" / Ole Andreson), Ava Gardner (Kitty Collins), Edmond O'Brien (Jim Riordan), Albert Dekker (Big Jim Colfax), Sam Levene (Sam Lubinsky), Virginia Christine (Lilly Harmon Lubinsky), William Conrad (Max), Queenie Smith (Mary Ellen 'Queenie' Daugherty)

Die Killer
Montag 30. Januar 2012 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1946, 98mn)
ZDF

Erstellt: 05-12-11
Letzte Änderung: 06-01-12