Der "Change" wird richtig Geld kosten, hätte er noch hinzufügen können. Denn Obama hat viel vor und sein Vorgänger hat ihm ein schwieriges Erbe hinterlassen. Das dringendste Problem ist die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Die muss er als erstes angehen, denn sonst bremst sie all seine anderen Pläne ab.
115 Milliarden Dollar für die Konjunktur
Vor allem muss Obama die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land angehen. Viele glauben, dass er dies schaffen kann und haben ihm und nicht seinem republikanischen Konkurrenten John McCain ihre Stimme gegeben. Die Sorge um die Volkswirtschaft war der entscheidende Faktor. Mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm will Obama die Wirtschaft wieder in Schwung bringen und die drohende Rezession verhindern. Familien mit niedrigen Einkommen will er mit Steuerrückzahlungen unterstützen, Reiche sollen mehr Abgaben zahlen. Die Bush-Regierung hatte all jenen Steuererleichterung verschafft, die über 250.000 Dollar jährlich verdienen. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Steuern auf Kapitalerträge sollen zusätzlich erhöht werden. Außerdem will er US-Staaten und Kommunen finanzielle Unterstützung für Infrastrukturprojekte bieten, auch um neue Jobs zu schaffen.
150 Milliarden Dollar für grüne Energie
Diese Summe will Obama in den nächsten zehn Jahren bereitstellen und damit umweltfreundliche Energiequellen zu fördern. Von einem umfassenden Paket für den Klimawandel erhofft er sich auch einen Effekt auf die Wirtschaft. Im Land der großen Autos sollen jene mit Steuererleichterungen belohnt werden, die ein Auto kaufen, das nicht viel verbraucht. Schon gar nicht will er die Benzinpreise durch ein Aussetzen der Mineralölsteuer senken, wie es seiner einstigen Konkurrentin Hillary Clinton vorschwebte. Ein ehrgeiziges Ziel hat sich Obama in punkto Co2 Ausstoß gesetzt. Bis 2050 will er ihn um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Und er will ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll. Sein Vorgänger Bush hatte dies stets vehement abgelehnt. Es wird eine der leichteren Aufgaben sein, die Obama zu bewältigen hat.
100 Milliarden Dollar für die Krankenversicherung
John McCain hätte beim Gesundheitssystem alles anders gemacht und so wird der Unterschied für die US-Bürger vor allem in diesem Punkt spürbar sein. Obama will das Gesundheitssystem richtig umkrempeln. 47 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung und diesen Zustand will Obama schnell ändern. Mit staatlichen Hilfen will er jedem zu einer Versicherung verhelfen. Wer noch zögert, wird mit Zuschüssen überzeugt. Alle größeren Arbeitgeber sollen sich an den Kosten einer Krankenversicherung beteiligen. Und er will die Versicherungen verpflichten, ausnahmslos jeden aufzunehmen. Völlig unabhängig davon, ob er krank oder gesund ist.
455 Milliarden Dollar Haushaltsloch
Ob all diese Pläne umgesetzt werden, das hängt nicht nur vom guten Willen ab. Die große Frage wird sein: Womit all dies bezahlen? Nicht nur, dass es nicht gerade rosig für die Wirtschaft aussieht, der scheidende Präsident Bush hinterlässt Obama ein Rekordhaushaltsloch: 455 Milliarden Dollar. Im nächsten Jahr könnte es auf 700 Milliarden Dollar steigen.
Ein kleiner Trost könnte für den neuen Präsidenten die Wall Street sein. Dort wird schon mit "Obama-Aktien" gehandelt. Das klare Wahlergebnis gebe den Amerikanern Vertrauen und Optimismus zurück, so hofft man. Dies verbessere die Chancen auf eine stärkere internationale Zusammenarbeit, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Und Börsencrashs gab es bisher nur, wenn ein Republikaner im Weißen Haus saß.
349 Wahlmänner für Barack Obama
Der Hoffnungsträger Obama wird mehr als andere US-Präsidenten, die ihr Amt antraten, daran gemessen werden, ob er seine Wahlversprechen umsetzt. Zugute halten muss man ihm, dass er schon während des Wahlkampfs immer wieder gesagt hat, dass vieles nicht auf der Stelle eingelöst werden kann. Und er hat nie verhehlt, dass es schwierig wird. Auch am Tag seines Wahlsiegs sagte er, die USA stehe vor immensen Herausforderungen: "Zwei Kriege, ein Planet in höchster Gefahr, die schwerste Finanzkrise in einem Jahrhundert." Auch weil die Herausforderungen und die Erwartungen so groß sind, plant Obamas Team eine zügige Machtübernahme. Die Regierungsmaschinerie soll am Tag der Amtsübernahme am 20. Januar schon warm gelaufen sein. Noch-Präsident Bush hat ihm eine reibungslose Amtsübergabe versprochen. Das ist wohl das Mindeste, denn ansonsten hat er einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen, den Obamas Regierung nun aufkehren muss. Dafür haben die Amerikaner ihm einen riesigen Vertrauensvorschuss gegeben. Sie sind sich sicher: "Yes we can"







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