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Kino auf ARTE - 05/10/11

Die Frau des Anarchisten

Spielfilm, Deutschland/Frankreich/Spanien 2006, BR
Regie: Peter Sehr, Marie Noëlle; Buch: Marie Noëlle; Kamera: Jean-François Robin; Schnitt: Luis de la Madrid; Musik: Frédéric Sanchez; Produzent: Peter Sehr, Marie Noëlle; Produktion: P'Artisan Film
Mit: Nina Hoss - (Lenin), María Valverde - (Manuela), Juan Diego Botto - (Justo), Ivana Baquero - (Paloma), Adrià Collado - (Francisco)

1937, Madrid: Manuela, eine junge Frau voller Leidenschaft, wartet auf die Rückkehr ihres Mannes Justo: Ihre Liebe zu ihm bedeutet ihr mehr als die Revolution und alle großen Ideale. Mit dem Krieg wird sie fast alles verlieren. Nur ihre Gefühle halten sie am Leben, und sie wird Himmel und Erde in Bewegung setzen, um Justo zu finden.



1937: Es ist Nacht in Madrid. Justo und Manuela, ein junges Paar, lieben sich leidenschaftlich. General Franco steht mit seinen Truppen vor den Toren der Stadt.
Justo ist ein engagierter Rechtsanwalt - sein Herz schlägt für die Hilflosen der Welt. Längst hat sich der Sohn einer angesehenen Familie als Anarchist den Republikanern angeschlossen. Vor der Stadt kämpft er gegen die Franco-Truppen. Vergeblich hat er versucht, seine Frau zu überreden, zu fliehen. Sie aber will unbedingt in seiner Nähe bleiben. Heimlich ist er in die belagerte Metropole zurückgekehrt, um seine Familie zu sehen. Doch Freiheit und Gerechtigkeit sind in seinen Augen die wichtigsten Güter, für die er sein Leben aufs Spiel setzt, so dass er Manuela bereits am nächsten Morgen verlässt, um gegen Francos Truppen zu kämpfen. Manuela bleibt ohne Lebenszeichen von ihm.
Manuelas höchstes Ziel auf Erden ist die Liebe zu ihrem Mann. Diese Leidenschaft lebt unerschütterlich in ihr. Immer verzweifelter sucht sie nach Justo. Ihr Schwager Francisco, Justos Bruder und ein Franco-Anhänger, will die schöne, sinnliche Frau heiraten und versucht ihr einzureden, ihr Mann sei tot. Sie will ihm nicht glauben. Die Erniedrigungen, den Abstieg in die Armut und die tägliche Bedrohung des Lebens erträgt sie in der unglaublichen Hoffnung, dass Justo eines Tages heimkehrt ...
Justo ist seiner Mission treu geblieben. Sein Weg hat ihn vom Bürgerkrieg in Spanien über die "Résistance" in Frankreich gegen das Naziregime bis ins Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Zuhause ist seine Tochter Paloma, die er das letzte Mal als kleines Kind gesehen hat, zu einer kämpferischen jungen Frau herangewachsen. Sie verehrt den fernen, unbekannten Vater. Mit Mut und Verstand trotzt sie den Widrigkeiten ihres Alltags.
Nach zwölf bitteren Jahren entdeckt Manuela ein Bild von Justo in der Zeitung. Es zeigt ihn als einen der Befreiten von Mauthausen. Justo hat nun in Frankreich Zuflucht gefunden, bei "Lenin", einer Deutschen, mit der er in der Résistance gekämpft hat.
In der französischen Provinz kommt es zum langersehnten Wiedersehen. Manuela ist von ihrer ungebrochenen Liebe beseelt. Justo verfolgt trotz seiner Kriegsverletzung weiterhin unbeirrt seine Ideale, nur Paloma ist von ihrem Vater tief enttäuscht. Erst als Paloma von seinem wahren Engagement erfährt, verbündet sie sich mit ihm in seinem Kampf. Ende der 70er Jahre beginnt sich in Spanien langsam durchzusetzen, wofür Justo sein Leben lang gekämpft hat.

"No pasarán - Ihr kommt hier nicht durch": Das war der berühmte Schlachtruf, den die republikanischen Verteidiger Madrids den Faschisten entgegenschleuderten. Der Glaube an Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit ist der Leitfaden dieser auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte.
Das Skript zu "Die Frau des Anarchisten" wurde von der Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Filmemacherin Marie Noëlle verfasst. Zu schreiben begann sie im Jahr 2004, wobei ihr ein Teil ihrer eigenen Biografie als Vorlage und Inspiration diente: Denn "Die Frau des Anarchisten" war ihre eigene, aus Kastilien stammende Großmutter.
Erinnerungsfetzen an Gespräche mit ihrer Mutter, bedeutungsvolle Sätze aus der Erinnerung, Bilder und Stimmungen, gepaart mit einer intensiven historischen Recherche bilden die Grundlage für den Film, der dennoch eine fiktionale Geschichte erzählt. In seiner Universalität spiegelt er das Schicksal vieler Spanier wider, die durch den Krieg nicht nur ihre Angehörigen, sondern oftmals auch ihre Heimat und gleichsam ihre Sprache, ihre Kultur und letztendlich ihre Identität verloren haben.
Die Dreharbeiten zu dieser deutsch-französch-spanischen Koproduktion fand über zehn Wochen an 72 verschiedenen Motiven statt. Die 66 Schauspieler, aber auch die aus vielen verschiedenen Ländern stammenden Crewmitglieder kommunizierten dabei in fünf Sprachen. Ein besonderer Dreh zu besonderen Bedingungen. Eine schauspielerische und inszenatorische Herausforderung war die Tatsache, dass der zweite, in Frankreich spielende Teil aus organisatorischen Gründen zuerst gedreht werden musste. Durch intensive Proben im Vorfeld des Drehs gelang es den Hauptdarstellern Maria Valverde und Juan Diego Botto, das Ende des Films in seiner Komplexität authentisch darzustellen.
Für seinen besonderen Beitrag zum Verständnis der europäischen Geschichte wurde "Die Frau des Anarchisten" 2008 mit dem "Bernhard Wicki Filmpreis - Die Brücke - Der Friedenspreis des deutschen Films" prämiert.

Die Frau des Anarchisten
Montag 24. Oktober 2011 um 02.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, Frankreich, Spanien, 2006, 117mn)
BR

Erstellt: 05-10-11
Letzte Änderung: 05-10-11