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Die Filmtipps

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Mars Attacks!

Als parodistische Hommage an die B-Movies und Science-Fiction-Comics der 1950er Jahre litt „Mars Attacks!“ bei seinem Start 1996 vor allem unter einem schlechten Timing.

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Einige Monate vorher hatte 20th Century Fox "Independence Day" in die Kinos gebracht, eine Megaproduktion mit Riesenbudget, in der Roland Emmerich den Angriff Außerirdischer auf die Erde im Stil eines apokalyptischen Katastrophenfilms inszeniert, allerdings mit schwachen Dialogen und einer fraglichen Ideologie.

Beide Filme beschäftigen sich mit den gleichen Themen: Die idealistischen Erdlinge erwarten in freudiger Hoffnung die Außerirdischen, werden von diesen aber angegriffen, die politische Führungsriege flieht in letzter Minute aus dem Weißen Haus, die Hauptstädte der Welt werden in epischem Stil zerstört. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Marswesen in "Mars Attacks!" zwar grausam, aber alles andere als humorlos sind: Sie spielen Bowling mit den Steinstatuen der Osterinseln und meißeln ihre eigenen Gesichter in den Fels des Mount Rushmore.

Nach der unfreiwilligen Komik von "Independance Day" startete "Mars Attacks!" mit seiner gewollt satirisch-parodistischen Veralberung desselben Themas von vornherein mit einem Handicap. Erkennbar ist in diesem von schwarzem Humor geprägten Film auch die Begeisterung Tim Burtons für Filme aus seiner Kindheit, wie "Fliegende Untertassen greifen an" von Fred F. Sears (1956), "Godzilla" oder die amerikanische Serie "My Favorite Martian" (1963-66). Trotz einiger Schwächen gibt es mindestens drei gute Gründe, sich diesen Film - noch einmal - anzusehen:


1) Danny Elfmans Soundtrack mit dem Theremin


Das Theremin gehört dank der Musik des genialen Komponisten Danny Elfman definitiv zu den Stars des Films, die am meisten Gänsehaut erzeugen. Das berührungslos gespielte elektronische Musikinstrument, auch "Ätherwellengeige" genannt, ähnelt einem Radio mit Antenne. Erfunden wurde es von dem russischen Physikprofessor Leon Theremin, der es sich 1928 patentieren ließ. Eingesetzt wurde das Theremin in vielen Musikstücken, wegen seines seltsam verfremdeten Sounds vor allem aber für die Filmmusik zahlreicher Fantasy- und Science-Fiction-Filme der 1950er/60er Jahre, wie "Plan 9 from Outer Space" (Plan 9 aus dem Weltall), "The Thing from Another World" (Das Ding aus einer anderen Welt) (1951) oder auch die erwähnte Serie "My Favorite Martian". Der Einsatz des Theremin-Sounds ist wohl auch zu verstehen als eine Hommage an die Originalmusik des großen Bernard Hermann für den Film "The Day The Earth Stood Still" (Der Tag, an dem die Erde stillstand) (1951), der Danny Elfmann den Anstoß für seine Kompositionen gab.



2) Eine Wahnsinnsbesetzung mit schauspielerischen und humoristischen Qualitäten


Jack Nicholson als Präsident der USA – das allein ist schon nicht schlecht, aber er spielt im selben Film auch noch einen skrupellosen Immobilienhai aus Las Vegas. Und kann so auf zwei verschiedene sehenswerte Weisen sterben. Pierce Brosnan spielt einen naiven NASA-Wissenschaftler, für den das ganze Massaker nur ein kulturelles Missverständnis ist und der verliebt ist in die von Sarah Jessica Parker (die aus "Sex an The City") gespielte Journalistin, deren Kopf auf den Körper ihres kleinen Chihuahua-Hundes verpflanzt wird. Rod Steiger verkörpert – wie könnte es anderes sein – einen knallharten autoritären General, der allerdings mit einem komischen Akzent an Dr. Strangelove erinnert. Tom Jones spielt – sich selbst! Und für die Happy-End-Stimmung sorgt ein süßes Paar, das heil davonkommt: Lukas Haas als junger Texaner und Natalie Portman als Präsidententochter. Lisa Marie spielt ein Marsmädchen an der Seite weiterer Hollywood-Größen wie Michael J. Fox, Danny de Vito, Pam Grier und sogar Jack Black als stupider Soldat in einer seiner ersten Rollen.

In kleineren, aber nicht weniger amüsanten Rollen:

- Der Regisseur Jerzy Skolimowski als Dr. Zeigler (wie Truffaut als Professor in "Unheimliche Begegnung der dritten Art"), der Erfinder der Übersetzungsmaschine, die die schrillen "ah-ah-ahaa"-Laute der Marsmenschen verständlich macht.
- Und noch ein Regisseur: Barbet Schroeder als französischer Präsident Maurice (!), der vergeblich mit den Außerirdischen zu verhandeln sucht.



3) Country-Musik als tödliche Waffe


Richie Norris (Lukas Haas) entdeckt die Achillesferse der Marswesen, als er seine von der Hollywood-Legende Sylvia Sydney ("Fury", "Sabotage", "Sackgasse") gespielte Großmutter rettet, die gerade ihren Lieblings-Countrysänger per Kopfhörer hört. Es stellt sich heraus, dass die Gehirne der Invasoren platzen, wenn sie die Jodler des Countrysängers Slim Whitman in dessen Song "Indian Love Call" hören.

Diese geniale Idee einer ganz simplen Waffe gab es schon in "Krieg der Welten" (wo die Außerirdischen von einer Krankheit dahingerafft werden), sie findet sich auch in der Filmparodie "Angriff der Killertomaten". Hier ist es das Lied "Puberty Love" von Ronny Desmond, das dem gefährlichen Gemüse den Garaus macht. Und in einer Episode der dritten Staffel von "The Twilight Zone" mit dem Titel "Hocus-Pocus and Frisby" (vom 13. April 1962) verhilft eine verstimmte Mundharmonika den gekidnappten Protagonisten zur Flucht vor den Außerirdischen. Diese filmischen Zitate tun dem umwerfenden Humor der ultimativen Aussage des Films keinen Abbruch: Kitsch kann tödlich sein – aber nur für Marsmenschen. Kitsch wird die Welt retten!

Delphine Valloire

Kino an der Front

  • The Blue Max, 16/02/09
  • Brotherhood, 18/02/09
  • La chambre des officiers, 19/02/09
  • Week-end à Zuydcoote, 23/02/09
  • La trahison, 25/02/09
  • Mars Attacks!, 26/02/09

Mars Attacks ! Teaser

Mars Attacks!
Montag 9. März 2009 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1996, 106mn)
ARTE F

Erstellt: 29-01-09
Letzte Änderung: 25-02-09


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