01/02/03
Die Alten
Samstag, 01.02.2003
> um 00.10 Uhr
Die Alten
Dokumentarfilm, China 1999, ARTE F
Von: Yang Li-Na
Der Dokumentarfilm beobachtet einige alte Männer, die sich täglich an der Stadtmauer in Peking treffen und dort miteinander diskutieren und streiten. Bescheiden und scheinbar zufrieden vollziehen sie dieses Ritual, als würden sie einer Arbeit nachgehen. Die Regisseurin hat sich nicht davor gescheut, die Eintönigkeit des Alltags der alten Männer einzufangen. Sie verharrt bei den Kleinigkeiten, die das Leben der Männer ausmachen, und zeigt die Leere der im Grunde sinnlos gewordenen Zeit. Allein durch die Beobachtung des Lebens dieser alten Chinesen, die sich jeden Tag treffen, miteinander diskutieren, sich gegenseitig trösten, klagen und weinen, wird dem Zuschauer allmählich klar, wie wenig Aufmerksamkeit die moderne chinesische Gesellschaft diesen Menschen widmet und wie sehr sie darunter leiden.
Der Film vermittelt den Eindruck von Geschlossenheit durch die genaue, stets das Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe wahrende Art der Beobachtung, die Konzentration auf die Gesten und Worte der alten Männer sowie die präzise und nüchterne Kameraführung mit langen Einstellungen. Ohne den Zuschauer im Geringsten zu beeinflussen oder Aussagen demonstrativ hervorzuheben, gelingt es der Regisseurin, den Zusammenhang zwischen dem körperlichen Verfall der Männer, die ein Leben lang hart gearbeitet haben, sowie ihrer Melancholie und ihrem Überdruss aufzuzeigen. Der Film folgt dem Kreislauf eines Jahres und verdeutlicht durch die sich wiederholenden Tagesabläufe die Monotonie eines Lebens, zu dessen einziger Perspektive die Erwartung des Todes geworden ist.
Der Dokumentarfilm nahm im November 2000 am Festival "3es Rencontres Internationales du Documentaire de Montréal" teil.
ARTE wiederholt "Die Alten" anlässlich eines Programmschwerpunkts zum chinesischen Neujahrsfest mit Filmen aus dem und über das Reich der Mitte.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-02-03