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Im Gespräch mit... - 24/06/08

Detlev Buck

Regisseur des Spielfilms "Knallhart" (TV-Premier auf ARTE am 25. Juni 2008)


Sein Markenzeichen war lange Zeit der trockene norddeutsche Humor. Dass er auch anders kann, beweist der Regisseur Detlev Buck mit „Knallhart”, einem Film über jugendliche Gewalt.

Mit der Komödie „Männerpension“ hatte er seinen Durchbruch, es wurde der erfolgreichste deutsche Film der 1990er Jahre. Zehn Jahre später wechselte Detlev Buck mit „Knallhart“ das Genre, um eine Art Milieustudie abzuliefern. Der Film erzählt die Geschichte des 15-jährigen Michael, der aus einem behüteten Leben in die harte Realität des Berliner Bezirks Neukölln gerät. Mit ARTE sprach Detlev Buck über das raue Klima in Neukölln, über Neuanfänge und Nilpferde.

ARTE: Bis zu „Knallhart“ kannte man Sie vor allem als erfolgreichen Komödienregisseur, wie kamen Sie darauf, etwas ganz Anderes zu machen?
Detlev Buck: Claus Boje, mein Partner in der Produktionsfirma, ist mit einem Neuköllner Lehrer befreundet, Peter Bucksch, der auch im Film mitspielt. Dadurch war ich schon sensibilisiert für das Thema, als ich Gregor Tessnows Roman „Knallhart“ gelesen habe. Ich fand die Geschichte sehr gut und stringent erzählt. Es ist doch langweilig, immer nur einen Stil durchzuziehen, den man mal für sich entdeckt hat, nur weil der funktioniert. Man muss auch mal was riskieren.
ARTE: Der Film wirkt sehr authentisch. Wie haben Sie recherchiert?
Detlev Buck: Ich war viel in Neukölln unterwegs und war auch selbst in der Schule, in der Peter Buksch unterrichtet. Dort habe ich mich als ein Vertreter der Pisa-Studie ausgegeben. Da meinten die Jugendlichen: „Pisa was?“ Da herrschten ein unglaublicher Geräuschpegel und eine enorme Aggression, Unterricht war fast unmöglich. Die Lehrer leisten da Schwerstarbeit.
ARTE: Sie sind, ganz anders als der 15-jährige Protagonist, glücklich auf dem Land aufgewachsen. Sind Sie jemals selbst mit Gewalt in Berührung gekommen?
Detlev Buck: Ja klar, einiges in dem Film ist autobiografisch. Zum Beispiel die Szene, in der Michael an der Straßenecke die Nase blutig geschlagen wird, er die Hände hochhebt und der andere sagt: „Ach, willst du dich wehren?“ Das habe ich selbst mal erlebt, vor einer Dorfdisco.
ARTE: Der damals erst 15-jährige David Kross spielt beeindruckend, wie haben Sie ihn gefunden?
Detlev Buck: Wir haben ein Jahr lang in Berlin wahnsinnig viele Leute gecastet. Meine Tochter kannte David vom Schultheater. Er wurde über drei Castings immer besser und hat sich total in diesen Jungen hineinversetzt.
ARTE: Auch Jenny Elvers in einer ernsthaften Rolle als Michaels Mutter ist eine Überraschung. Sie wurde ja mit einem kurzen freizügigen Auftritt in Ihrem Film „Männerpension“ bekannt, genau wie man Heike Makatsch bis dahin nur als „Viva Girl“ gekannt hatte. Entdecken Sie gerne neue Talente?
Detlev Buck: Jenny war fünf Mal beim Casting. Sie versteht diese Frau, die plötzlich auf der Straße sitzt und trotzdem versucht, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Ich besetze Rollen gerne mit weniger bekannten Leuten. Nicht aus Eitelkeit, um mich dann als der große Entdecker feiern zu lassen, sondern, weil ich selbst im Kino gerne überrascht werde.
ARTE: Vor „Knallhart“ hatten Sie sechs Jahre lang nicht Regie geführt, wie kam es zu der langen Pause?
Detlev Buck: Nach der Komödie „Liebesluder“ wollte ich nicht einfach mit den gewohnten Geschichten weitermachen. Ich brauchte eine Pause. Dann kam Leander Haußmann mit der Idee zu „NVA“. Diesen Film habe ich produziert und in seinem Film „Herr Lehmann“ mitgespielt. Parallel habe ich noch Werbung gemacht. Das hat mir alles gut gefallen. Ich habe diesen Druck nicht, immer gleich den nächsten Film machen zu müssen.
ARTE: Was machen Sie am liebsten: Regie, Schauspiel oder Produktion?
Detlev Buck: Die besten Momente sind die, wenn ich mit guten Leuten zusammen etwas entwickele, egal in welcher Funktion. Da habe ich richtige Glücksgefühle.
ARTE: Woran arbeiten Sie zurzeit?
Detlev Buck: Wir haben im Sommer eine Drogenkomödie koproduziert: „Contact High“. Darin spiele ich einen Schwulen. Dann fange ich im Winter an, eine Liebesgeschichte zu drehen, zwischen einem jungen Deutschen und einer jungen Kambodschanerin.
ARTE: Haben Sie noch weitere Filmideen im Kopf?
Detlev Buck: Ich arbeite da schon lange an etwas. Ich will einen historischen Film drehen, aber einen mit Dynamik. Das wird allerdings noch dauern. Manchmal ist Filmemachen wie Nilpferde schieben und das ist ein Nilpferd, das erst noch ins Wasser gehievt werden muss.
DAS GESPRÄCH FÜHRTE CAROLINE HAERTEL FÜR DAS ARTE MAGAZIN

Knallhart
Von Detlev Buck
(2006, Deutschland, 98 Min.)
Mit David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Hans Löw …
Mittwoch, 25. Juni 2008 um 22.35


ARTE PLUS
FILMOGRAFIE (AUSWAHL):
„Hände weg von Mississippi“ (2007, Regisseur, Darsteller);
„Knallhart“ (2006, Regisseur);
„NVA“ (2005, Produzent, Darsteller);
„Herr Lehmann“ (2003, Darsteller);
„Sonnenallee“ (1999, Produzent, Autor, Darsteller);
„Liebe deine Nächste“ (1998, Regisseur, Autor, Darsteller);
„Männerpension“ (1996, Regisseur, Autor, Darsteller);
„Wir können auch anders …“ (1993, Regisseur, Autor, Darsteller);
„Karniggels“ (1991, Regisseur, Autor);
„Erst die Arbeit und dann?“ (1984, Regisseur, Autor, Darsteller)

Erstellt: 24-06-08
Letzte Änderung: 24-06-08