Synopsis: Der Luxemburger Abbé Henri Kremer bekommt während des Zweiten Weltkriegs neun Tage „Urlaub“ vom KZ Dachau. Jeden Tag muss er sich in seiner Heimatstadt mit dem Gestapo-Chef Gebhardt (August Diehl) treffen. Dieser möchte ihn zur Kooperation mit den Nazis bewegen. Willigt er nicht ein, muß Kremer zurück ins KZ; flüchtet er, werden alle seine Glaubensbrüder im KZ umgebracht. Kremer hat neun Tage Zeit, die schwerste Entscheidung seines Lebens zu treffen.
Ulrich Matthes könnte als Abbé Kremer überzeugender nicht sein. Seine weit aufgerissenen Augen liegen tief im ausgemergelten Gesicht. Sie blicken fragend, stumm, als könnten sie sich mit dem ganzen Elend das sie sehen mussten nicht abfinden. Regisseur Schlöndorff hat ruhige, überzeugende und poetische Bilder gefunden, um seine Figur glaubhaft zu gestalten. Der Abbé schlappt etwa stets in Hausschuhen herum, denn seine Füsse sind von den Arbeiten und Lebensbedingungen im KZ so geschunden, dass er keine normalen Schuhe mehr tragen kann. Für den Antagonisten Kremers, den Gestapo-Chef Gebhardt hat Schlöndorff klugerweise einen ganz ungewöhnlichen Charakter entwickelt. Gebhardt ist jung und smart. Er verkörpert nicht das Klischee der Gestapo-Männer, das in Filmen jahrzehntelang präsentiert wurde. Durch seine karrieristische, clevere Art wirkt die Figur sehr aktuell. Er kommt aus einer bürgerlichen Familie, fast wäre er selbst Priester geworden und hätte über Judas promoviert. Von Kremer will er – unausgesprochen natürlich – Vergebung, und das macht den Film so spannend. Neun Tage lang spielt Gebhardt den Verführer, und will erreichen, daß Kremer zum Judas wird, und mit den Nationalsozialisten kooperiert. Anfangs scheinen die beiden keine ebenbürtigen Partner zu sein. Doch neun Runden sind ein langer Kampf und der Abbé weiß zu kämpfen – rein intellektuell versteht sich.
Schlöndorff schreckte jahrelang davor zurück, in seinen Filmen KZ-Szenen zu zeigen, obwohl er in seinem oscarprämierten Film DIE BLECHTROMMEL (1979) und in DER UNHOLD (1996) NS-Themen bearbeitete. Erstmalig wagt er sich, das Grauen zu bebildern, sehr dezent versteht sich. Aber genau dadurch gewinnt sein Film an Größe. Das bizarre, blutrünstige Gemetzel in DER UNTERGANG war es auch, was abschreckte vom Kammerspiel um die letzten Tage im Führerbunker. Schlöndorff verzichtet auf Pomp und Pathos, sein Film wird dadurch sehr eindringlich. Oder wie er selbst ganz richtig sagt: „Ich habe das Gefühl, der Film kommt einem hautnah. Gerade daraus, dass man bestimmte Dinge ausspart, erwächst eine echte Emotion – denn dann fühle ich mich als Zuschauer nicht sentimental manipuliert.“
Nana A.T. Rebhan






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