Mit Nathalie Baye, Jalil Lespert, Roschdy Zem, Antoine Chappey, Jacques Perrin…
Synopsis: Antoine (Jalil Lespert) hat gerade die Polizeischule absoviert und im letzten Augenblick beschlossen, eine Stelle an der "PJ" (Police Judicière") von Paris anzunehmen, um das Verbrechen zu bekämpfen. Der Kapitän Vaudieu (Natahlie Baye) kehrt nach zweijähriger, durch Alkoholsucht begründeter Abwesenheit zurück und schliesst sich Antoine's Mannschaft an, die ihn sofort unter ihre Fittiche nimmt. Vaudieu, Antoine und drei andere Beamte befassen sich mit dem mysteriösen Mord an einem Obdachlosen

Im Gespräch mit Xavier Beauvois (Real Video)Interview : Olivier Bombarda
Der Trailer zum Film (Real Video)Kritk : Für seinen vierten Film hatte sich Xavier Beauvois einiges vorgenommen und gleich zwei Bedingungen im Voraus festgelegt: aus Zuneigung zum Genre wollte er sich einerseits mit dem Thriller auseinandersetzen, ohne jedoch andererseits auf eine litterarische Vorlage zurückzugreifen. So beschloss der junge Regisseur einem Polizeihauptmann mehrere Monate lang im Alltag der Kriminalpolizei zu folgen. Was ihm dann auch das Recht gewährte, Zugang zu spezifischen Untersuchungen zu haben und manchen Obduktionen beiwohnen zu dürfen. Der kleine Leutnant ist daher das Ergebnis dieser ausserordentlich persönlichen Erfahrung: Durch die Gestalt des Antoine, eines jungen, gerade erst aus der Schule entlassenen Rekruts, der den Beruf langsam erlernt, verfilmt Xavier Beauvois den Ablauf der Untersuchung und dessen Kontext mit äusserts prägnantem Realismus. Dieses entschieden durchgesetzte Regievorhaben äussert sich durch systematische Hervorhebung der winzigsten Détails der vorgestellten Milieus und durch die Porträtierung der verschiedenen Gestalten (Polizeibeamte, Ärzte, Richter, Geahndete: meistens Säufer, Penner, Obdachlose). Xavier Beauvois' Blickwikel reicht aber weit über diesen nahezu dokumentarischen Aspekt hinaus: Was ihn an der Seite der Polizisten beschäftigt, ist der zermürbende Alltag, der den psychischen Gleichgewicht der Beamten stark ins Schwanken bringt: Gerade ihre vorrangige Aufgabe, 'den öffentlichen Frieden zu bewahren', der ihnen allen doch als Grundmotivation dient, zwingt sie gleichzeitig in die Knie.
Die Gestalt des Kapitäns Vaudieu verkörpert diese Anschauung durchaus einleuchtend. Ihr parallel, intim geführter Kampf gegen die Alkoholsucht bildet eine geschickte Metapher der in einer harten und gewalttätigen Umgebung notwendigen Hartnäckigkeit: Standhaftigkeit wird zur Grundregel des täglichen Überlebenskampf. Trotz einiger Bedenken gegenüber der Ergebenheit jener Polizeibrigade, die sich auf der Suche nach dem Mörder eines Penners soviel eher unglaugwürdigen Aufopferungsgeist zeigt, fühlt man sich durch den treffenden Ton der Erzählung innigst angesprochen.
Dabei ist die Leistung der Schauspieler, die der Regisseur auffallend gut kennt, auschlaggebend und verleiht dem Film eine ausgesprochen hinreissende Authentizität. Nathalie Baye, als alter, betrunkener und schwankender Kapitän, wirkt äusserts rührend und auch der unbefangene Jalil Lespert -als einziger "Neuling" bei Beauvois- findet in diesem talentierten Werk harmonisch seinen Platz.
Olivier Bombarda
Der kleine Leutnant
Von Xavier Beauvois
(Frankreich, 111', 2005)
Mit Nathalie Baye, Jalil Lespert, Roschdy Zem, Antoine Chappey, Jacques Perrin…
VENICE DAYS –Giornate degli Autori






per E-Mail verschicken
Xavier Beauvois im Alltag einer Polizeibrigade;
Facebook
Twitter
RSS

